<

Alternativmedizin Kolloidales Silber – der harmlose Alleskönner?

Frau trinkt Wasser aus einem Glas
Silberwasser: Kein Wundergetränk gegen Corona oder Krebs. Foto: Engin_Akyurt / Pixabay

In der Pandemie bekamen „alternative“ Heilmittel gegen Corona-Infektionen große Aufmerksamkeit. Kolloidales Silber ist eines davon. Aber nicht nur gegen Viren soll es helfen, sogar Krebs soll es heilen. Dabei ist die Einnahme von kolloidalem Silber nicht ungefährlich.

Schon die alten Griechen und Römer wandten Silber wegen seiner keimtötenden Eigenschaften an. Lebensmittel und Getränke wie Wasser und Wein wurden zur Haltbarmachung in Silberwaren gelagert. Die Medizin verwendete Silber damals schon zur unterstützenden Wundheilung.

Mit der Entdeckung von Antibiotika in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlor es jedoch an Bedeutung. Heutzutage ist Silber in Deutschland in Lebensmitteln nur noch als Farbstoff (E 174) zugelassen. In der Medizin findet es zum Beispiel Anwendung in Form von Pflastern, die antibakteriell wirken.

Silber wirkt antimikrobiell

Tatsache ist: Silber besitzt natürlicherweise schon bei geringen Konzentrationen antimikrobielle Eigenschaften. Nachweislich hemmt es das Wachstum verschiedener Bakterien und Pilze; auch Viren vermehren sich nicht weiter. Im Zuge der immer öfter auftretenden Antibiotikaresistenzen bekam Silber wieder mehr Aufmerksamkeit. Aktuell gibt es kaum Keime, die Resistenzen gegenüber Silber entwickeln, ausgeschlossen ist es aber nicht.

Insbesondere seit Beginn der Pandemie bewerben viele Webseiten Silber – vor allem Silberwasser – zur Infektionsbekämpfung und als Nahrungsergänzungsmittel. Sogar Krebs soll es heilen können. Kann das sein?

Was aber ist Silber überhaupt?

Silberionen sind die biologisch wirksamste Form von Silber. Sie können von verschiedenen Silbersalzen, wie Silbernitrat, oder von Partikeln elementaren Silbers dissoziieren, werden also freigesetzt. Die Ionisation geschieht in der Anwesenheit von Wasser oder Körperflüssigkeiten. Silberionen reagieren mit Proteinen auf der Oberfläche von Bakterien oder Pilzen und schädigen so die Zellen.

Das Interesse an Silber wächst, vor allem an seiner Nanoform. Bei einer Größe von 1 bis 100 Nanometern in mindestens einer Dimension spricht man von Nanomaterialien. Dazu zählen Nanopartikel, Nanofasern oder Nanoröhrchen.

Silbernanopartikel werden bereits für Wundauflagen und Beschichtungen von Medizingeräten verwendet. Die Biomedizin sieht jedoch Potenzial von Silbernanopartikeln, das über die antimikrobielle Funktion hinausgeht.

Noch ist unklar, wie Nanopartikel auf Zellen und Organismen wirken, denn Nanomaterialien besitzen andere Eigenschaften als ihr Ausgangsmaterial. Somit können sie andere physikalische, chemische und biologische Effekte auslösen, im Falle von elementarem Silber auch andere als Silberionen.

Pauschal lassen sich solche Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragen. Um zu schauen, welchen Effekt Silbernanopartikel in Menschen haben, wären klinische Studien notwendig.

Die Gründe hierfür sind physikochemischer Natur. Im Nanomaßstab wächst das Verhältnis der Oberfläche zum Volumen. Genauer: Je kleiner die Nanopartikel sind, desto größer ist die Kontaktfläche und desto höher ihre Reaktivität. Weil sie so klein sind, nehmen Zellen Nanopartikel leicht auf. Bereits bekannt ist: Silbernanopartikel unterschiedlicher Größe beeinflussen Zellen auf unterschiedliche Art und Weise. Einige schädigen Zellen besonders stark, haben also eine hohe Zytotoxizität; andere verändern zelluläre Vorgänge, zum Beispiel die Expression von Genen.

Nanopartikel als Hoffnungsträger in der Krebstherapie

Silbernanopartikel sind also aufgrund ihrer physikalischen und chemischen Eigenschaften von großem Interesse für die medizinische Forschung. Geforscht wird an ihrer Anwendung zum Beispiel bei der Wund- und Knochenheilung, in der Zahnmedizin und als Wirkverstärker von Impfstoffen.

Auch beim Kampf gegen Krebs gelten die Nanoteilchen als Hoffnungsträger. Mediziner:innen möchten sie zum Beispiel in der Diagnostik nutzen, etwa bei bildgebenden Verfahren. Vielversprechend ist zudem die sogenannte „cancer nanomedicine“. Nanopartikel im Allgemeinen könnten hier sowohl selbst als Medikament dienen als auch als Trägermaterial von Substanzen wie Chemotherapeutika.

Bildliche Belege dafür, dass der Patient auch 36 Monate später frei von Krebs ist, fehlen ganz.

Der Vorteil: Nanopartikel überwinden biologische Barrieren, können leicht von Zellen aufgenommen werden und verweilen auch über längere Zeiträume in diesen. Die Hoffnung ist, Chemotherapien gezielt in Tumoren einzuführen und so gesundes Gewebe und den gesamten Organismus zu schonen.

Forscher:innen interessieren besonders die zytotoxischen und mögliche anti-tumorale Eigenschaften, denn mit ihnen könnte Nanosilber als Krebstherapeutikum fungieren. In einem Übersichtsartikel wurde der aktuelle Stand zusammengetragen. Forscher:innen fanden heraus, dass die Behandlung mit Silbernanopartikeln Krebszellen in ihrem Wachstum hemmt. Sie verlieren auch die Fähigkeit, zu metastasieren.

Die analysierten Studien beschreiben, dass es sowohl von der Tumorart als auch von Größe, Konzentration und Form der eingesetzten Silbernanopartikel abhängt, ob sie den Zelltod auslösen.

Nanosilber besitzt also durchaus positive Eigenschaften, die auch medizinisch großes Potenzial haben können. Einschränkend gilt aber: Die im Übersichtsartikel zusammengetragenen Ergebnisse stammen aus Studien aus der Grundlagenforschung. Die Effekte zeigen sich also in Zellkulturen oder Tiermodellen.

Pauschal lassen sich solche Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragen. Um zu schauen, welchen Effekt Silbernanopartikel in Menschen haben, wären klinische Studien notwendig, die nach guter wissenschaftlicher Praxis (zum Beispiel mit Verblindung von Patient:innen und Ärzt:innen, angemessene Anzahl an Studienteilnehmer:innen) durchgeführt werden sollten. Die allerdings fehlen aktuell.

Kolloidales Silberwasser als Nahrungsergänzung?

Silber nicht relevant für den Körper

„Silber ist ein chemisches Element, das für den Menschen physiologisch nicht relevant ist“, erklärt Christoph Alexiou. Der Oberarzt an der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Erlangen und Leiter der Sektion für experimentelle Onkologie und Nanomedizin (SEON) forscht an Nanomaterialien. Im Labor untersucht er superparamagnetische Eisenoxid-Nanopartikel, um sie in der Diagnostik und als Carrier, also Trägermaterial, für therapeutische Wirkstoffe, einzusetzen.

Die genaue Zusammensetzung und Anteile an Silberionen, metallischem Silber und Salzen bleibt oft unbekannt.

Bund Umwelt und Naturschutz (BUND)

„Wir haben etwa fünf bis sechs Gramm Eisen im Blut. Im Körper kommt Eisen also als natürliche Substanz vor“, schätzt er einen Vorteil von Eisen – gegenüber Silbernanopartikeln ein. Sie könnten zum Beispiel das Kontrastmittel Gadolinium für die Kernspintomographie ersetzen, welches mitunter starke Nebenwirkungen zeigt. „Ein externes Magnetfeld führt dazu, dass die Eisenoxid-Nanopartikel und das daran gekoppelte Therapeutikum dahin gelangen, wo es wirken soll“, erklärt Alexiou den Zweck der Eisenoxid-Nanopartikel für die Krebstherapie. Auf Silber hingegen sei der Körper nicht angewiesen, um zu funktionieren.

Verkauf von kolloidalem Silber als Nahrungsergänzungsmittel

Trotzdem wird kolloidales Silber, auch Silberwasser genannt, im Internet als Nahrungsergänzungsmittel, für die orale Einnahme und als homöopathisches Heilmittel ausgewiesen.

Bei kolloidalem Silber handelt es sich um eine Dispersion, also einem Gemisch von elementaren Silber-Teilchen in Wasser. Oft finden sich auch Salze darin. Die genaue Zusammensetzung und Anteile an Silberionen, metallischem Silber und Salzen bleibt oft unbekannt, das berichtet auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Das Problem: Die Teilchengröße des Silbers ist in diesen Lösungen vorwiegend nanoskalig, was zu den oben erwähnten Unsicherheiten führt.

Belege für eine Wirksamkeit fehlen. Woran es jedoch nicht mangelt, sind Einnahme-Tipps, beispielsweise zur Infektionsbekämpfung: In einem Artikel des „Zentrum der Gesundheit“ heißt es etwa, dass Anwender:innen die Lösung zunächst einige Sekunden im Mund behalten sollen, bevor sie sie herunterschlucken. Auf anderen Gesundheitsforen finden sich andere unklare, nicht wissenschaftliche Ratschläge wie „zur äußerlichen Anwendung hohe Konzentrationen und zur inneren niedrigere“. Sogar die eigene Herstellung wird empfohlen.

Das „Zentrum der Gesundheit“ verlinkt auch ein Gerät, ein „Silbergenerator“, mit dessen Hilfe jeder Mensch zu Hause eigenes Silberwasser mit geringen Partikelgrößen mit Hilfe von Gleichspannung herstellen kann. Allein die Reinheit des Wassers sei hier zu beachten.

Meist erwähnen die Seitenbetreiber:innen, dass die Effekte nicht datenbasiert sind. Ein Händler weist sogar darauf hin, dass Silberwasser kein Medikament sei oder der Nahrungsergänzung diene. Gleichzeitig betonen sie jedoch, dass es keine gegenteiligen Studien gebe, die zeigen, dass kolloidales Silber nicht wirksam oder gefährlich für den Menschen sei.

Silberwasser: Wunder für drei bis neun Euro

Wie viel Silberwasser regelmäßig über die Ladentheke geht, ist aktuell nicht bekannt. Ein Kauf auf diversen Webseiten – unter anderem Amazon – ist aber ein leichtes; für drei bis neun Euro können Interessierte 100 Milliliter des angeblichen Wundermittels erwerben, 250 Milliliter sind für 17,50 Euro erhältlich.

Patient heilt Krebs mit kolloidalem Silber?

Neben Tipps zur Infektionsbekämpfung berichten Gesundheitsforen und auch andere Anbieter von einem einzigen Fall, der eine Krebsheilung mit kolloidalem Silberwasser in Zusammenhang bringen soll. Ist kolloidales Silberwasser also doch ein Wundermittel gegen Krebs?

Der Artikel wurde im Fachjournal „Head & Neck“ von Ärztinnen und Ärzten aus Texas veröffentlicht. Sie beschreiben den Fall eines zu Behandlungsbeginn 77 Jahre alten Patienten mit einem Nasenkarzinom. Weder Operation noch Chemo-, Strahlen- oder Radiochemotherapie führten zu einer Linderung oder Heilung. Im Gegenteil, der Tumor bildete Metastasen in der Lunge und Leber. Der Zustand des Patienten war so schlecht, dass er in ein Hospiz aufgenommen wurde.

Eigenmächtig soll er begonnen haben, über drei Monate täglich 120 Milliliter kolloidales Silberwasser zu trinken. Zwei Monate später seien sowohl der Tumorherd als auch die Metastasen mit bildgebenden Verfahren (PET-CTCT Computertomographie und Röntgenaufnahmen) nicht mehr nachweisbar gewesen.

Der Patient soll auch 36 Monate nach dem Konsum des Silberwassers noch frei von einem Rezidiv sein, dies wird jedoch im Artikel nicht bildlich belegt. Die Autor:innen der Studie schreiben die Heilung potenziell den Silbernanopartikeln zu. Sie ergänzen, eine spontane Heilung sei zwar möglich, jedoch extrem selten.

Diese Veröffentlichung sollte jedoch mit Vorsicht betrachtet werden.

Begutachtung der Wunderheilung von kolloidalem Silber durch einen Mediziner

„Es freut mich natürlich für den Patienten, dass es sich so ergeben hat. Daraus aber tatsächlich eine wissenschaftliche Erkenntnis abzuleiten, ist nicht möglich“, sagt Christoph Alexiou. Er betont, dass es sich nicht um eine Studie, sondern um einen Fallbericht und somit um einen Einzelfall handele.

Auffällig an dem Fallbericht über die Behandlung mit kolloidalem Silber ist, dass sich die Farben der PET-CT- und Röntgenaufnahmen zu den beiden verschiedenen Zeitpunkten – erst einen Monat vor, dann zwei Monate nach Beginn der Kur mit Silberwasser – stark unterscheiden. Bildliche Belege dafür, dass der Patient auch 36 Monate später frei von Krebs ist, fehlen ganz.

Deshalb bat MedWatch den Mediziner Alexiou um seine fachliche Meinung, wie er die Qualität der Aufnahmen einschätzt: „Ohne die Originale zu kennen, ist es schwer, in einer Publikation die Qualität von Bildern zu bewerten“, antwortet Mediziner Alexiou. Immerhin erschien der Artikel in einer Fachzeitschrift, in der externe Fachgutachter die Arbeiten vor der Veröffentlichung bewerten (peer-review). „Als Gutachter hätte ich zumindest darauf hingewiesen, dass auch für den Zeitpunkt drei Jahre nach der Behandlung Bildmaterial vorgelegt werden müsse“, kritisiert Alexiou.

MedWatch fragte weiter: Wie würde der Mediziner reagieren, wenn er von Krebspatient:innen zu einer eigenmächtigen Therapie mit Silberwasser um Rat gefragt würde? „Da ich keine Erfahrung damit habe, würde ich es so nicht empfehlen. Alles andere wäre nicht redlich“, sagt Alexiou.

Er merkt an, dass es in der Medizin Fälle gäbe, die wissenschaftlich nicht nachvollziehbar seien. Glaube oder feste Überzeugung könnten bei der Genesung des Patienten durchaus eine Rolle spielen. Solche Einzelfälle sind aber kein Beleg für die Wirksamkeit von „alternativen“ Wirkstoffen.

Silbernanopartikel: Folgen für Zellen, Organe und den Körper noch unklar

Anreicherung in Organen & Überwindung der Blut-Hirn-Schranke

Bevor Nanopartikel oder andere neue Medizinprodukte als sichere Materialien in der Medizin eingesetzt werden dürfen, bedarf es einer genauen Analyse des Risikos, das von ihnen ausgehen kann. Studien dazu gibt es bereits. Sie beschreiben zum Beispiel, dass sich die Nanopartikel in Organen anreichern können; allen voran in Milz, Leber, Niere und Lunge, aber ebenso in der Haut oder dem Nerven- und Reproduktionssystem.

Was für Therapien vorteilhaft sein kann, birgt gleichzeitig Gefahren: Die Fähigkeit von Nanopartikeln, die Blut-Hirn-Schranke oder die Blut-Hoden-Schranke zu passieren. Nanosilber wird durch seine mögliche Wirkung als Zellgift in Zusammenhang mit diversen Erkrankungen der besagten Organe gebracht. Beispiele sind Alzheimer (Gehirn), Asthma und Lungenfibrose, Argyrie (irreversible Einlagerung von Silber in der Haut) und Unfruchtbarkeit.

Das BfRBfR Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt generell auf den Einsatz von nanoskaligem Silber oder nanoskaligen Silberverbindungen in verbrauchernahen Produkten so lange zu verzichten, bis die Datenlage eine abschließende Bewertung der mit der Exposition des Verbrauchers verbundenen gesundheitlichen Risiken erlaubt.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Freisetzung von Silberionen

Ebenso ist bekannt, dass Silbernanopartikel Silberionen freisetzen können. Letztere werden zwar nicht direkt von Zellen aufgenommen. Dennoch können sie zytotoxisch wirken, indem sie die Zellmembran von außen schädigen. Ebenso setzen allerdings auch Silbernanopartikel, die sich bereits im Zellinneren befinden, Silberionien frei. Dort beeinträchtigen diese die Mitochondrien, allgemein als Kraftwerke der Zelle bekannt, oder Enzyme der Atmungskette.

So produzieren sie reaktive Sauerstoffspezies. Die wiederum sind hochreaktiv und stören – wie Nanopartikel selbst – überlebenswichtige zelluläre Vorgänge oder Zellbestandteile, wie etwa die Erbsubstanz DNADNA Englische Abkürzung für Desoxyribonukleinsäure, kurz: DNS. Gespeichert sind darin die genetischen Informationen, also die Erbinformationen eines Lebewesens gespeichert. Die DNA besteht aus Basenpaaren.. Eine mögliche Folge: die Zelle stirbt.

Wenngleich Nanosilber durchaus positive Eigenschaften und medizinisches Potenzial besitzt, ist nach wie vor unklar, wie sich die Partikel im menschlichen Körper selbst verhalten. Ein sicherer Einsatz von Nanosilber bei Therapien – auch zur Infektionsbekämpfung – muss deshalb noch weiter erforscht werden. Risikobewerter:innen müssen festlegen, wie genau verträgliche Konzentrationen, Expositionszeiten oder Darreichungsformen aussehen.

Risikobewertung von Nanosilber noch nicht abgeschlossen

Das sehen auch zuständige Behörden so. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) etwa rät im Jahr 2011 von Nanosilber in Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs ab. Auf einer Konferenz zum Stand des Wissens über gesundheitliche Risiken von Nanosilber im Jahr 2012 sagte BfR-Präsident Andreas Hensel, dass das „gesundheitliche Risiko [von Nanosilber] für den Verbraucher derzeit nicht wissenschaftlich fundiert ab[zu]schätzen“ sei.

Hautsensibilisierung: eine immunologisch vermittelte Hautreaktion auf eine Substanz

Mutagenität: Fähigkeit eines Stoffs das Erbgut (Genmutationen oder Chromosomenaberrationen) zu schädigen

Reproduktionstoxische Effekte: Fähigkeit eines Stoffs die Sexualfunktion und Fruchtbarkeit von Frau und Mann (fruchtbarkeitsgefährdend) oder Entwicklung von Nachkommen (fruchtschädigend) zu beeinträchtigen

MedWatch fragte beim BfR nach einer aktuellen Einschätzung. Das Bundesinstitut antwortete, dass mögliche gesundheitsschädliche Wirkungen wie „Hautsensibilisierung, Mutagenität und reproduktionstoxische Effekte“ derzeit im Rahmen einer „harmonisierten Einstufung und Kennzeichnung (CLH) von Silber“ bei der  Europäische Chemikalienagentur geprüft werden.

Weiter schrieb das BfR, dass auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als auch der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) „bei ihren Neubewertungen zu Silber bzw. kolloidalem Silber zum Ergebnis [kämen], dass die vorliegenden Informationen nicht ausreichen, um die Sicherheit abschließend zu bewerten.“

Zu kolloidalen Silber, das es im Internet käuflich zu erwerben gibt, folgert die Behörde deshalb: „Das BfR empfiehlt generell auf den Einsatz von nanoskaligem Silber oder nanoskaligen Silberverbindungen in verbrauchernahen Produkten so lange zu verzichten, bis die Datenlage eine abschließende Bewertung der mit der Exposition des Verbrauchers verbundenen gesundheitlichen Risiken erlaubt.“

Oder verkürzt: Lassen Sie die Finger von Silberwasser, denn niemand weiß bislang genau, was dieses oder kolloidales Silber im menschlichen Körper bewirkt. Die orale Einnahme von Substanzen aus dem Netz – bei denen oft nicht einmal die exakte Zusammensetzung bekannt ist – birgt nach bisherigen Erkenntnissen mehr Risiken als Nutzen. Im Zweifelsfall: Fragen Sie Ihre:n Ärzt:in oder Apotheker:in Ihres Vertrauens.


Jetzt weiterlesen – alles rund um falsche Heilversprechen: Was ist dran an dem Nahrungsergänzungsmittel Traubenkernextrakt? Kann Covid-19 Heilung mit einem Entwurmungsmittel für Pferde stattfinden? Kann ein Anti-Aging-Kissen unseren Alterserscheinungen entgegen zu wirken?


Redaktion: Sigrid März und Nicole Hagen