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Mythos Entgiften Detox Fußpflaster – teuer, beliebt, wirkungslos

Detox per Fußpflaster? Füße im Wasser.
Detox per Fußpflaster? Foto: Kaique Rocha von Pexels

Träumen wir nicht alle davon, schöner, fitter oder schlanker zu sein? In der Werbung sieht es immer einfach aus: Entspannt einen Shake trinken oder ein neues Shampoo verwenden, schon ist man dünner oder hat dichtes glänzendes Haar. Und immer noch fallen Menschen auf derartige Angebote herein. Im schlimmsten Fall schaden Sie damit Ihrer Gesundheit. Eine neue Verlockung stellen die derzeit sehr beliebten Detox Fußpflaster dar. Katrin Luber hat sich das Ganze einmal näher angesehen.

Es scheint ganz einfach: Abends sollen die „Detox Fußpflaster“ auf die gewaschenen und gut abgetrockneten Füße geklebt werden – und im Schlaf nehmen sie dann über die Fußsohle allerhand fiese Giftstoffe, Schwermetalle, Stoffwechselabfälle, Parasiten und sogar Cellulite aus dem Körper auf. Am Morgen sind die ehemals weißen Pads dunkel gefärbt. Das soll beweisen, dass sie funktioniert haben. Je öfter diese Pads verwendet werden, desto heller sollen sie angeblich am Morgen werden.

Was ist Detox?

Der Begriff „Detox“ bezeichnet vor allem ein medizinisches Verfahren, mit dem der Körper von gefährlichen, oft lebensbedrohlichen Mengen an Alkohol, Drogen oder Giften befreit wird. Menschen, bei denen eine medizinische Entgiftung nötig wird, werden in Krankenhäusern oder Kliniken behandelt. Sie bekommen Medikamente und andere Therapien in einer Kombination, die von der Art und Schwere der Vergiftung abhängt.

Heute gibt es viele Entgiftungsprogramme, die von den unterschiedlichsten Firmen und Gesundheitsberatern beworben werden. Diese Do-it-yourself-Verfahren versprechen dem Verbraucher, dass vermeintliche Giftstoffe aus dem Körper gezogen werden.

In einem gesunden menschlichen Körper gibt es keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten. Nicht verwertbare Stoffe werden über den Darm und die Nieren ausgeschieden.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Die Gifte sollen angeblich Kopfschmerzen, Blähungen, Gelenkschmerzen, Müdigkeit und Depressionen auslösen oder begünstigen. Detox-Produkte sind nicht verschreibungspflichtig und werden im Einzelhandel, in Spas, über das Internet und per Direktversand verkauft, zum Beispiel bei Amazon, Otto.de und Kaufland. Die genannten Detox-Pflaster kosten zwischen 24 Cent und 1,80 € pro Stück, je nach Hersteller.

Was steckt in den Entgiftungspflastern?

Meistens enthalten Detox-Pflaster überwiegend pflanzliche Inhaltsstoffe, die eine entgiftende Wirkung haben sollen. Das sind etwa Spurenelemente, Vitamine und Mineralien, zermahlene Heilsteine wie Amethyst, Turmalin und Bergkristall, Bambus, Baumessig, Cayenne, Lavendel, Algen, Ginseng und viele mehr. Diese Inhaltsstoffe sollen gegen Krankheiten wie Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Depressionen, Schlaflosigkeit und sogar beim Abnehmen helfen. Auch die angeblich im Körper vorhandenen Schlacken werden entfernt. Das sollen Ablagerungen aus Schad- und Giftstoffen sein, die über ungesunde Ernährung und Umwelteinflüsse in unseren Körper gelangen. Dies ist ein Irrglaube, denn in unserem Körper gibt es keine Schlacken.

Schlacken gibt es nur im Hochofen!

Der Begriff „Schlacken“ kommt aus der Industrie und diese entstehen bei fast allen metallurgischen Herstellungs- und Verarbeitungsprozessen im Hochofen. Während der Verhüttung in Hochtemperaturprozessen bildet sich wegen der geringeren Dichte eine homogene Schlackenschicht auf dem Metallbad. Diese wird im Schmelzfluss vom Metall abgetrennt und anschließend in flüssigem Zustand abgekühlt: entweder durch Abschreckung mit Wasser, woraus ein glasiger, feinkörniger Hüttensand entsteht oder durch Abgießen in sogenannte Beete, in denen sich ein kristallines Gestein bildet, das mit natürlicher Lava vergleichbar ist.

Im menschlichen Körper gibt es keine Schlacken!

Giftstoffe scheidet der Körper mit den Entgiftungsorganen Leber, Nieren und Darm aus, rund um die Uhr. Die Leber filtert Giftstoffe aus dem Blut heraus und transportiert sie weiter, sodass sie über den Urin oder den Stuhl wieder ausgeschieden werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erklärt, dass es keinen Anlass dafür gibt, dass ein Mensch sich entgiften muss:

„In einem gesunden menschlichen Körper gibt es keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten. Nicht verwertbare Stoffe werden über den Darm und die Nieren ausgeschieden.“

verbraucherzentrale.de

Die Füße sind kein Entgiftungsorgan

Eine Entgiftung über die Füße ist nicht möglich, da die Füße kein Entgiftungsorgan des Körpers sind. „Das kann so nicht funktionieren, da die Haut gar nicht in der Form für die Inhaltsstoffe durchlässig ist“, sagt Uwe Schwichtenberg, Hautarzt aus Bremen und im Vorstand des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVVD). Auch ist unklar, wie die Inhaltsstoffe des Pflasters in den Körper gelangen sollen. Die Haut des Menschen ist nicht für alle Substanzen durchlässig. Also wie sollen die Stoffe in den Körper gelangen, dort die Giftstoffe aus dem Blut filtern und dafür sorgen, dass diese im Pflaster landen? Trägersubstanzen wie Öle oder Fette wären hierfür nötig, die in den Entgiftungspflastern aber nicht enthalten sind.

Zieht der Nutzer sein Pflaster am nächsten Morgen wieder ab, so haben sich diese sehr dunkel gefärbt. Dies soll dem Nutzer suggerieren, dass sich dort über Nacht Giftstoffe angesammelt haben. Allerdings ist diese Verfärbung nur auf eine Oxidation der Inhaltsstoffe, die bei jedem Hersteller unterschiedlich sind, zurückzuführen, die in der Nacht aufgrund von Schweiß und Wärme reagiert haben, schreiben Forscher der Harvard Medical School. Gieße man etwas heißes Wasser über die Pads, würden sie sich ebenfalls verfärben. Bislang gebe es keine wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema. Immerhin seien keine gesundheitlichen Schäden bekannt.

In den USA wurde ein Händler für Detox Fußpflaster angezeigt

Die Federal Trade Commission (FTC) hat bereits 2009 einige Vertreiber von Entgiftungsfußpads wegen irreführender Werbung angezeigt. Ein US-Bundesrichter hat den Vermarktern von Kinoki „Detox“-Fußpads den Verkauf einer Vielzahl von Produkten verboten. Im Rahmen ihrer Bemühungen gegen falsche Gesundheitsversprechen vorzugehen, hatte die FTC die Anbieter der Fußpads angeklagt. Begründung: Sie hatten im Fernsehen und im Internet irreführende Werbung für das „uralte japanische Geheimnis der perfekten Gesundheit“ zur Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten geschaltet.

Die Angeklagten – Yehuda Levin und seine Firma Xacta 3000, Inc. – verkauften einen zweiwöchigen Vorrat an Kinoki-Fußpolstern für 19,95 US-Dollar, zuzüglich stolzen 9,95 US-Dollar für Versand und Bearbeitung. Die Beklagten behaupteten fälschlicherweise, sie hätten wissenschaftliche Beweise dafür, dass die Fußpads giftige Stoffe aus dem Körper entfernen, schreibt die FTC. In ihrer Klage erklärte die FTC, dass diese Werbeaussagen falsch oder nicht belegt seien. Die Beklagten stimmten dem Urteil in Höhe von 14,5 Millionen US-Dollar zu. Da die Hersteller damals zahlungsunfähig waren, wurde das Urteil ausgesetzt.

Obwohl das Urteil bereits 2009 ausgesprochen worden ist, werden die Fußpflaster weiterhin zum Beispiel bei Amazon in den USA als Kinoki Foot Pads vertrieben.

Händler der Detox Fußpflaster ohne Belege

Hersteller verspricht Detox per Fußpflaster-Wunder. Screenshot: MedWatch

Auch hierzulande werden die Pflaster fleißig beworben und auch verkauft. Dass sie nicht heilen und nur unnötig Geld kosten, weisen Unternehmen wie „Nuubu“ und „Nuonove“ weit von sich.

„Wir können Ihnen versichern, dass die Pflaster aus natürlichen Inhaltsstoffen hergestellt werden, darunter Bambusessig, Holzessig, Turmalin, Chitin, Loquat-Blätter, Houttuynia cordota, Daumen, Vitamin C und Dextrin, die bekanntermaßen entgiftende Eigenschaften haben“, erklärt ein Sprecher des Unternehmens gegenüber MedWatch. Die Firma hat ihren Sitz in Litauen und schickt noch eine lange Erklärung zu EU-Gesetzen hinterher. Einen wissenschaftlichen Beleg für die Wirkung seines Produkts hat Nuubu nicht.

Der Händler „Nuonove“ meldet sich erst gar nicht auf unsere wiederholten Anfragen. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Anhui Provinz im Osten Chinas.

Verbraucherschutz an seiner Grenze

Derzeit scheint es kaum eine Möglichkeit zu geben, etwas gegen Verkäufer unnötiger Produkte wie eben der Detox-Fußpflaster zu tun. Aber immerhin: Ab 2024 könnte sich dies ändern, weil es laut Bundesministerium für Gesundheit (BMG) nach Ablauf der Übergangsfristen der neuen EU-Medizinprodukte Verordnung im Mai 2024 erforderlich sein wird, für das Vermarkten der Mehrzahl dieser Produkte, eine staatlich kontrollierte Stelle in die Konformitätsbewertung einzubinden, was mit einer unabhängigen Begutachtung der klinischen Wirksamkeit, also einem klinischen Nachweis, verbunden ist. Derzeit können Hersteller die Konformität dieser Pflaster in bestimmten Fällen ohne diesen Nachweis selbst erklären und diese in den Verkauf bringen.


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Redaktion: Nicole Hagen

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