Nach MedWatch-Bericht Wichtiger Etappensieg in der Aufklärung des Duogynon-Skandals

Duogynon, das Hormonpräparat des Pharmaherstellers Schering. Es steht in Verdacht, Fehlbildungen ausgelöst zu haben.
Umstritten: Das Hormonpräparat Duogyon. Es steht in Verdacht, Fehlbildungen ausgelöst zu haben. Bild: privat Umstritten: Das Hormonpräparat Duogyon. Es steht in Verdacht, Fehlbildungen ausgelöst zu haben. Bild: privat

Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages hat heute die „Duogynon-Petition“ einstimmig an das Bundesgesundheitsministerium überwiesen. Das Ministerium wird nun dazu aufgerufen, das Anliegen, dass die Einrichtung eines Entschädigungsfonds für die Betroffenen beinhaltet, nochmals zu überprüfen und nach Möglichkeit Abhilfe zu schaffen. Zuvor hatte MedWatch berichtet, dass die Aufklärung durch die Intervention eines CDU-Abgeordneten seit knapp zwei Jahren ins Stocken geraten war.

In einer Mitteilung der Bundestagsabgeordneten Martina Stamm-Fibich (SPD), stellvertretende Vorsitzende des Petitionsausschuss, heißt es:

Der Petitionsausschuss unterstreicht damit die Dringlichkeit zur Aufklärung der Rolle staatlicher Aufsichtsbehörden (BGA, heute BfArM), die trotz deutlicher Hinweise auf eine massive Schädigung von Embryonen durch Duogynon das Präparat erst Jahre später als andere europäische Länder vom Markt genommen haben.

Außerdem betonen die Mitglieder des Petitionsausschusses, dass die Ergebnisse der vom BMG bereits veranlassten Studie nicht ohne Folgen sein dürfen. „Sollte die ,Duogynon-Studie’ staatliches Fehlverhalten aufdecken, halte ich die Einrichtung eines Entschädigungsfonds für dringend notwendig“, erklärt Stamm-Fibich. „Wir Abgeordnete müssen nun weiter Druck machen, damit das BMG die Studie transparent durchführt. Die nicht-öffentliche Vergabe der Studie lässt hier leider bereits aufhorchen. Auch lässt das Ministerium die Beteiligung von Betroffenen und Geschädigten bislang offen. Beides muss unbedingt stattfinden“, sagt die Bundestagsabgeordnete.

Missbildungen unter Duogynon wurden weggeschoben

Das Hormonpräparat Duogynon wurde in den 1960er- und 1970er als Schwangerschaftstest genutzt. Es steht seit Jahrzehnten in Verdacht, Fehlbildungen ausgelöst zu haben. Dokumente zeigen, dass Mitarbeiter des damaligen Gesundheitsamts versuchten, dies zu vertuschen.

Unter der Nummer 70948 hatte Else Meixner 2017 eine Petition an den Deutschen Bundestag geschrieben. Darin skizziert die Mutter ihre Lebensgeschichte. Sie hatte 1972 das Hormonpräparat Duogynon eingenommen und danach einen Sohn geboren – mit mehreren Herzfehlern. Dass die Tabletten der Auslöser für die Missbildungen sein könnten, verstand Else Meixner erst einige Jahre später. Mehrere Hundert Fälle von Kindern, die mit Missbildungen auf die Welt gekommen waren, wurden nach und nach bekannt: in Deutschland, aber auch in anderen Ländern.

Das pharmakritische Magazin „arznei-telegramm“ warnte schon 1971 vor dem Mittel, das Magazin stern berichtete 1978 unter dem Titel „Tausend Kinder klagen an“ über Duogynon und die Schädigungen. In den 1970er Jahren wurde das Mittel in vielen Ländern vom Markt genommen, in Deutschland erst 1981. Der Duogynon-Hersteller Schering, der später vom Pharmakonzern Bayer übernommen wurde, hatte 1969 selbst Tierversuche durchgeführt. Bei einigen Dosierungen gab es Missbildungen, Föten starben ab. Die Auffälligkeiten wurden offenbar weggeschoben. Die Versuchsgruppe sei zu klein gewesen, hieß es später. Doch interne Dokumente belegen, dass Mitarbeiter von Schering versuchten, die belastenden Daten nicht an die Öffentlichkeit dringen zu lassen.

Else Meixner fordert in ihrer Petition Aufklärung und die Einrichtung eines Hilfsfonds zur finanziellen Entschädigung der Betroffenen für ihr jahrzehntelanges Leiden. Es gehe um die Anerkennung des erlebten Leides und zumindest um den Versuch eines Ausgleichs des erlittenen Unrechts. Ebenso wie bei den Contergan-Opfern müssen auch die Duogynon-Opfer in ausreichendem Maße entschädigt werden, schreibt Meixner.

Wie MedWatch-Recherchen ergaben, war der weitere Verlauf der Petition bislang gestoppt, da im August 2019 Marc Henrichmann (CDU), Berichterstatter für seine Partei im Petitionsausschuss, anmeldete, zunächst noch ein sogenanntes Berichterstattergespräch zur Petition Meixners führen zu wollen. Ohne dieses Gespräch konnte der Ausschuss nicht weiter über den Umgang mit der Petition entscheiden. Doch auch knapp eineinhalb Jahre, nach dem Henrichmann Gesprächsbedarf angemeldet hatte, gab es noch nicht einmal einen Terminvorschlag.

Sich für dieses Petition stark zu machen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein und sei das mindeste, was wir den Betroffenen schulden, erklärte hierzu Ende April die Grünen-Abgeordnete Corinna Rüffer, die ebenfalls Berichterstatterin für den Petitionsausschuss ist, auf Nachfrage von MedWatch. Leider verzögere der zuständige Berichterstatter der CDU seit bald zwei Jahren ein entsprechendes Votum des Petitionsausschusses. „Das ist für mich absolut unverständlich – und es ist in meinen Augen eine Missachtung der Petentin und der vielen anderen betroffenen Familien.“

Nun hat Henrichmann seinen Wunsch nach einem Gespräch zurückgezogen.

oliver schwarz Stammtisch

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Das Hormonpräparat Duogynon wurde in den 1960er- und 1970er als Schwangerschaftstest genutzt.

Mögliche Fehlbildungen durch Duogynon

Ein Kommentar zu „Wichtiger Etappensieg in der Aufklärung des Duogynon-Skandals

  1. Ich bin auch eine Duogynon Geschädigte. Mein Leben verbrachte ich immer wieder in Krankenhäusern. Weil ich immer Krank war und Unterernährt war, wurde ich öfters verschickt. Dort erlebte ich Grausamkeiten, die ich bis heute nicht verarbeitet habe. Ich kann Nachts nicht schlafen und zucke bei jedem Geräusch zusammen. Nachts habe ich Angst alleine zu sein.
    Das ich geschädigt bin, erfuhr ich erst vor ein paar Jahren. Doch das es daß Medikament Duogynon war, erfuhr ich erst vor ein paar Monaten und auch über die Verschickungskinder. Durch Zufall im Internet, erfuhr ich immer mehr Details. Ich recherchierte weiter und ließ einen Gen Test bei mir machen. Meine Vorfahren, meine Kinder und Enkelkinder sind alle ohne Schädigungen und auch der Gen Test zeigte keinerlei Schädigungen. Meine Mutter und ich hatten nie ein Gutes Verhältnis. Sie erzählte mir nie etwas über meine Krankheiten. Auch Unterlagen von den Krankenhäusern versteckte sie vor mir. Mein Vater hatte ich seid der Kindheit 35 Jahre nicht gesehen. Im Alter von 53 Jahre fand ich meinen Vater wieder und er erzählte mir, daß meine Mutter in der Schwangerschaft, mit Sicherheit 2 Tabletten eingenommen hatte.
    Heute bin ich zu 100% Schwerbehindert mit Merkzeichen G, B und Pflegestufe 2.
    Meine Augen sind so geschädigt und haben eine Krankheit, wo die Ärzte nicht wissen was es ist. Ich habe außerdem noch grauen Star und AMD.
    Meine Sehkraft links hat nur 0,5 % Sehkraft und das rechte 10%.
    Durch diese ganze Leidensgeschichte, konnte ich nie eine Abgeschlossene Schul und Berufsausbildung machen. Mit 34 Jahren hatte ich einen seltene Krebserkrankung und das 3 mal. Der Professor fragte mich damals noch, ob meine Mutter in der Schwangerschaft Hormone eingenommen hatte. Ich wusste es bis erst vor kurzem nicht. Ich bekam nie die richtige Ärztliche Versorgung, weil keiner wusste was mit mir los war. Ich bekam nie eine Hilfe und musste mich durch mein Leben kämpfen. Heute muss ich damit rechnen Blind zu werden und das wäre mein Ende vom Kampf. Denn im Dunkeln habe ich Angst und so will ich nicht Leben. Eine Entschädigung nach so langer Zeit des Leidens und um wenigsten die paar Jahre die man noch hat, ist das daß mindeste was für alle Geschädigten getan werden muss.
    Ich Danke Ihnen!

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