Interview mit Oliver Rautenberg „Die Anthroposophie ist ein Verschwörungsmythos“

Seit 2013 schreibt Oliver Rautenberg im Netz über Anthroposophie. In den acht Jahren hat er unzählige Artikel verfasst und rund tausend Zitate, Presseberichte und Schnipsel aus der Welt der Anthroposophie gesammelt. Das alles macht er ehrenamtlich, im normalen Leben ist er Kaufmann. Zur Anthroposophie brachte ihn ein persönliches Erlebnis, wie er im Interview erzählt.

MedWatch: Herr Rautenberg, wie würden Sie einen klassischen Anthroposophen beschreiben?

Oliver Rautenberg: Es gibt nicht den Anthroposophen. Es gibt Menschen, die lassen sich von dieser Weltanschauung inspirieren und beachten einige Dinge davon, andere nicht. Andere wiederum sind sehr, sehr dogmatisch und sehr streng, wenn es um die Lehre der Anthroposophie geht. Das sind auch viele Führungskräfte, die in der Anthroposophie aktiv sind oder die an den Schaltzentralen sitzen, etwa in der Waldorfschule, bei den Demeter Bauernhöfen, in der Medizin. Da sitzen oft Menschen, die auch sehr wortgetreu die Anthroposophie interpretieren und auch so gelebt sehen möchten. Man kann es nicht so pauschalisieren. Für mich ist die Anthroposophie mit Sicherheit die größte esoterische Strömung in Europa. Anthroposophen bezeichnen sie immer als Geisteswissenschaft, sehr zum Leidwesen aller echten Geisteswissenschaftler. Ich würde sie als Geisterwissenschaft bezeichnen. Das ist im Endeffekt eine esoterisch okkulte Geheimlehre, die für Außenstehende nicht einfach zugänglich ist.

Oliver Rautenberg (Foto: privat)

MedWatch: Warum beschäftigen Sie sich über so viele Jahre mit dem anthroposophischen Geschehen?

Rautenberg: Es begann tatsächlich im Privaten. Als meine Frau schwanger war, suchten wir nach einer Alternative, nach einem schönen Krankenhaus für die Geburt. Da sind wir bei den Anthroposophen gelandet. Wir waren nicht richtig angetan von den normalen Krankenhäusern, die waren so ein bisschen kalt und irgendwie herzlos und bei den Anthroposophen war es sehr warm und gefühlig und farbig und nett. Die machten auch einen sehr, sehr netten Eindruck auf uns. Die Geschichte geht so, dass auch mein zweites Kind dann im anthroposophischen Krankenhaus geboren wurde. Das ist ja auch ein ganz besonderer Ort, die Menschen dort verzichten ganz auf Fernseher, auf Radios. Sie verzichten auch auf rechte Winkel in ihren Gebäuden. Es ist also ein krummer, bunter Bau, der wie so eine kleine abgeschlossene Höhle ist, das findet man vielleicht ganz gut, wenn man Kinder kriegt. Nur beim zweiten ist es leider so gewesen, dass meine Frau nach der Geburt Komplikationen hatte, und da war die Gemütlichkeit dann ganz schnell vorbei. Das Krankenhaus hat wirklich ausschließlich mit anthroposophischer Medizin versucht, die Komplikation zu behandeln.

MedWatch: Was war das Problem?

Rautenberg: Als wir bei den Einführungsveranstaltungen in diesem Krankenhaus waren, hieß es noch, geboten würde „das Beste aus allen Welten“, also die sogenannte „Schulmedizin“ und die Alternativmedizin. Als es dann hart auf hart kam, wurde leider nur pseudowissenschaftlich vorgegangen. Und leider hat das alles nicht funktioniert. Da gab es spezielle Mittelchen und Einreibungen und Tees und alternativmedizinische Verfahren. Nach einer Woche war keine Besserung da. Ich hatte den Eindruck, dass man sich gewünscht hätte, dass wir mehr an die Dinge glauben, die da passieren und dass sie ein bisschen enttäuscht waren, dass unser Glaube nicht stark genug war. Nach einer Woche haben die meine Frau und mich achtkantig rausgeworfen.

Wir sind dann zu einem echten Mediziner gegangen und zu einer sehr, sehr guten Hebamme. Da waren die Beschwerden auch schnell wieder abgeklungen.

MedWatch: Warum war das Thema Anthroposophie für Sie dann nicht beendet?

Rautenberg: Ich war damals regelrecht schockiert. Das war mein erstes Erlebnis auf der Suche nach einer besseren Medizin, wir waren sehr enttäuscht. Ich habe mich dann eingelesen. Warum ist das alles so schräg bei denen? Warum hängt da überall dieser Rudolf Steiner an der Wand? Warum setzen die rein auf ihre eigenen Methoden und bewerten die höher als andere? Wenn man den Steiner dann liest, dann kommt man aus dem Staunen nicht raus. Ich bin dann weiter eingestiegen und habe gemerkt, wo überall in unserer Gesellschaft Esoterik drinsteckt und Anthroposophie. Es ist eine sehr, sehr verbreitete Glaubenslehre.

Am anthroposophischen Denken und Handeln hängt ein ganzer Rattenschwanz von Dingen dran. Etwa völkische Bauern, die die Anthroposophie ins Nationalistische drehen.

MedWatch: Sie berichten gerade viel über Anthroposophen, die sich kritisch zu Corona-Schutzmaßnahmen äußern. Ist das typisch, auch dass sie bei Querdenker-Demonstrationen mitrennen?

Rautenberg: Es ist absolut naheliegend. Die Querdenker-Szene hat ja ganz viele verschiedene Gruppierungen. Darunter die wirklich besorgten Menschen, die einfach unsicher sind aufgrund der Schwierigkeiten, die wegen der Pandemie auf sie zukommen. Es sind aber auch Verschwörungsideologen dabei, die grundsätzlich Verschwörungen anhängen. Es sind Esoteriker dabei. Und natürlich auch Rechtsextreme. Ich glaube, dass sie alle so eine ideologische Klammer eint: Sie sind alle im Kern wissenschaftsfeindlich und verschwörungsgläubig. Und das ist ein Kernelement der Anthroposophie, die für mich selber ein Verschwörungsmythos ist. Die Anthroposophie ist so eng verwoben mit Alternativmedizin, mit Impf-Skepsis, mit einem Glauben an den Zusammenhang von allem mit allem, einer Weltordnung, hinter die man schauen kann, wenn man weiß, wer da die Strippen zieht. Das sind alles Punkte aus der DNA der Anthroposophie. Und genau die Punkte treffen wir jetzt auch wieder bei den Querdenker-Demos. Deswegen ist es naheliegend, dass ein antiwissenschaftlicher oder verschwörungsnaher Glaube auch dazu führt, dass man sich gegen die Corona-Maßnahmen positioniert.

MedWatch: Mit derartigen Aussagen machen Sie sich nicht nur Freunde.

Rautenberg: Nein, absolut nicht. Ich polarisiere vielleicht auch mehr, als andere das machen würden. Es gibt durchaus Leute, die schreiben, sie würden mich gerne irgendwo  am Baum hängen sehen. Manche glauben, ich wäre von einem Dämon geschickt, um ihren Glauben zu testen, oder sie vermuten, ich würde von irgendeiner Lobby bezahlt, um Esoterik schlecht zu machen. Wenn jemand fragt, warum ich die Anthroposophie „so sehr hasse“, antworte ich mit Douglas Adams: „Nur weil ein Garten schön ist, muss man nicht daran glauben, dass Feen darin hausen.“ Ich hasse auch Feen nicht.

MedWatch: Die Anthroposophie behauptet für sich selbst, dass sie anders sei als die ganzen anderen vermeintlich ganzheitlichen Systeme wie Ayurveda oder TCM. Man beschreibe die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall. Dabei berufe sich Gründer Rudolf Steiner nicht auf alte Traditionen.

Rautenberg: Ich persönlich bin mir sicher, dass Steiner nichts originär Neues erfunden hat. Steiner hat ganz, ganz oft mit Versatzstücken gearbeitet und tausende Dinge vermischt. Der kommt aus der Weltanschauung der Theosophie, da hatte er quasi sein erstes Zuhause – leider eine auch antisemitische, rassistische und spirituelle Ideologie. Dann hat Steiner noch Gedanken der spirituellen Gemeinschaft der Rosenkreuzer aus dem 17. Jahrhundert und indische Lehren reingebaut und sich beim Buddhismus bedient. Dazu hat er aus Science-Fiction-Romanen zitiert und das dann als seine Forschung ausgegeben. Das heißt, er hat alles einfach bunt vermixt.

Dem anderen wird vorgeworfen, dass er die Größe des Werkes Steiners nicht erfasst habe. Tatsächlich gibt es 350 Bücher von Steiner. Mehr als 50 weitere Bücher, größtenteils Mitschriften seiner Vorträge, sind gerade in Vorbereitung.

MedWatch: Es heißt aber auch, Steiner beschreibe einen Erkenntnisweg, auf dem jeder selber die Möglichkeit entwickeln kann, sich mit seinem Wahrnehmungs- und Denkvermögen an spirituellen Quellen anzuschließen. Was halten Sie von dieser Weg-Idee?

Rautenberg: Eigentlich versteht die Anthroposophie sich als einen Art Schulungsweg. Es gibt neben unserer normalen Realität und der materiellen Welt zusätzliche Welten, höhere Welten. Die nennen das geistige Welten. Die kann nicht jeder wahrnehmen.

MedWatch: Können Sie das näher erklären?

Rautenberg: Zugang erlangen könne man durch den Schulungsweg von Steiner: Wenn er selbst in diesen Welten unterwegs war, sagte er immer: „Ich habe geschaut“ – und auch du und ich, wir können schauen, behauptete er. Da gibt es ein Buch von ihm, „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“. Es finden sich viele Anleitungen, Meditationsaufgaben, wie man das schafft, diese höheren Welten zu erkennen. Dann wäre man hinterher fähig, etwa die Aura eines Menschen zu sehen. Unsere Welt ist angefüllt von allerlei Engeln und Fabelwesen und Zwergen. Die kann man alle wahrnehmen, aber da muss man erst diese Schulung machen, diese anthroposophische Schulung, die Steiner „okkulten Unterricht“ nannte, Geheimunterricht.

MedWatch: Das klingt nun alles seltsam. Aber was genau stört Sie daran?

Rautenberg: Das Schwierige ist, dass kaum einer hinkam in diese Welten, außer Steiner. Die Anthroposophie sagt zwar: „Ja, das kann jeder lernen, macht das so, wie der Steiner das sagt, halte dich daran und dann wirst du auch zu einem Eingeweihten, dann wirst du auch dieses Geheimwissen haben und dann kannst du vielleicht wie Steiner auch Prophet sein, kannst in die Zukunft und in die Vergangenheit sehen“. Steiner konnte 400 Jahre in die Zukunft gucken und er wusste alles, Corona hatte er vorausgesehen. Alles, was heute passiert, wusste er schon. Und jeder könne sich auch über diesen Weg machen. So sind die Anthroposophen auf dem Weg, so ein okkulter Meister zu werden wie ihr Steiner. Ich weiß nicht, ob es vielen gelingt. Manche glauben das, dass sie das könnten.

MedWatch: Ist dies mit Kosten und intensiven Schulungen verbunden?

Rautenberg: Nein, nicht mal so sehr. Das Schwierige ist da mit Arbeit, vielleicht sogar wirklicher körperlicher Arbeit verbunden. Erst mal sind die Anthroposophen sehr streng, wer in ihre Gesellschaft überhaupt reinkommt und wer mitreden darf. Sie haben das exklusive Wissen, sie sind eine gewisse Elite, die anderen sind die Nicht-Eingeweihten. Die sind nicht doof, die anderen, aber das ist, als wolle man dem Blinden etwas von Farbe erzählen. Da reinzukommen in diesen Zirkel ist sehr, sehr schwierig und meiner Meinung nach geht das durch Arbeit, durch Engagement. Sie sehen das ja gern, wenn in ihren Institutionen kräftig mitgearbeitet wird und wenn die Lehre möglichst kritikfrei verinnerlicht wird.

MedWatch: Damit man nach den Vorstellungen der Anthroposophen die sogenannten kristallinen Strukturen des Körpers spürt? Dazu soll es einen „mineralisch erscheinenden Leib“, den „physischen Leib“, und den „Ätherleib“ geben, weil ohne das blaue Himmelslicht kein Licht auf der Erde möglich wäre. Es wirkt kompliziert. Wer kritisiert, hat es vielleicht nur nicht richtig verstanden?

Rautenberg: Ja, das ist natürlich immer die gute Ausrede. Es gibt diesen Kampf auch innerhalb der anthroposophischen Gemeinde. Dem anderen wird vorgeworfen, dass er die Größe des Werkes Steiners nicht erfasst habe. Tatsächlich gibt es 350 Bücher von Steiner. Mehr als 50 weitere Bücher, größtenteils Mitschriften seiner Vorträge, sind gerade in Vorbereitung. Steiner ist vor allem als Vortragsredner berühmt geworden, er hat über 6000 Vorträge gehalten, und zwar zu allen Themen. Und wenn ich sage, „allen“, dann meine ich alles, was es gibt. Der eine hat ihn gefragt: Was ist denn mit den Kühen, mit der Landwirtschaft? Der nächste fragte ihn zu Krebs und Medizin – oder über Schulen. Er glaubte, zu allem etwas zu wissen. Dabei war vieles nichts beweisbar von dem, was er gesprochen hat.

MedWatch: Was meinen Sie hier konkret?

Rautenberg: Steiner ist immer vom Hundertsten ins Tausendste gekommen, hat alles miteinander vermischt. Seine Sicht der Medizin zum Beispiel ist eine kosmologische Sicht. Er verbindet die die Entstehung des Kosmos, der Planeten mit der Entstehung des Menschen, zieht da Parallelen. Er behauptet, der Mensch sei ein kleines Abbild des Kosmos und der Kosmos sei ein Abbild des Menschen. Deswegen gehen die anthroposophischen Mediziner hin und sagen: Du hast es am Herzen? Kein Problem, dann nimmst du einfach Gold. Gold ist das Element, das der Sonne zugeordnet ist und die Sonne ist dem Herzen zugeordnet und deswegen – das ist alles auf irgendwelchen ätherischen Ebenen miteinander verwoben und verknüpft – wird das eine schon das andere heilen. Dann gibt es sieben Körperhüllen und dazu noch verschiedene Entwicklungsstadien.

Und alle großen Bio-Verbände in Deutschland schreiben Homöopathie als Erstgabe bei Tierkrankheiten vor. Ist das dann wirklich noch Tierschutz oder wird vielmehr dogmatisch festgehalten an einer nicht beweisbaren 220 Jahre alten Lehre?

MedWatch: Was bedeutet das alles für die Definition von Medizin?

Rautenberg: Anthroposophen sagen von sich: Wir berücksichtigen nicht nur den Körper, sondern wir haben eine erweiterte Medizin, wir schauen auf die nicht-materiellen Teile des Körpers. Was ist denn nicht materiell? Und dann sagen sie: Ja, alle sieben Jahre entwickelt der Mensch eine neue Aura. Erst hast du keine, dann bist du nur ein Mensch, mit sieben bekommst du deinen Ätherleib und mit 14 bekommst du deinen Astralleib. Alle sieben Jahre – in magischen Siebenerschritten – kriegst du immer eine neue Aura. Und wenn diese Auren untereinander in Disharmonie geraten, wenn die nicht richtig entwickelt sind, dann entstehen verstärkt Krankheiten, die schon durch dein Karma angelegt sind. Also, wenn ich es richtig verstehe, hat ein Mensch eine Aura, mehrere sogar. Und wenn die nicht richtig harmonieren, dann wird der Mensch krank. Dazu muss ich kein Mediziner sein, um das wirr zu finden.

Weil die Mistel also schmarotzt auf einer Pflanze, als Schmarotzer oben drauf wächst – genau wie der Krebs das tut – hat Steiner den Analogieschluss gemacht, dann helfe sie auch gegen Krebs.

MedWatch: Es gibt doch einige Ärzte, die zusätzlich zu ihrer normalen Fachausbildung das Anthroposophische noch mit reinnehmen.

Rautenberg: Es gibt die Gesellschaft anthroposophischer Ärzte. Es sollen 4.500 Arztpraxen in Europa sein und dazu Krankenhäuser, allein zehn davon in Deutschland. Viele Mediziner erklären, sie arbeiteten medizinisch, die Anthroposophie wäre nur ein Zusatz. Ich bin da aufgrund meiner persönlichen Erfahrung voreingenommen und kann das nicht recht glauben. Ganz furchtbar hört es bei mir auf, wenn es um die Misteltherapie geht. Dafür ist die anthroposophische Medizin ja vor allem bekannt.

MedWatch: Sie meinen, wenn Misteln gegen Krebs eingesetzt werden?

Rautenberg: Ja. Und es versterben Menschen daran, wenn sie in ihrer Krebstherapie plötzlich teils evidenz-basierte Medizin verweigern oder verzögern, und sich pseudomedizinischen Verfahren anschließen. Rudolf Steiner hat gesagt, er habe mal eine Mistel und deren Aura gesehen. Die Aura war halb Tier, halb Pflanze. Daran hat er schon erkannt, dass die irgendwie in ihrer kosmischen Evolution auf dem Mond gewachsen sein muss. Da hört es ganz auf mit der Logik. Weil die Mistel also schmarotzt auf einer Pflanze, als Schmarotzer oben drauf wächst – genau wie der Krebs das tut – hat Steiner den Analogieschluss gemacht, dann helfe sie auch gegen Krebs. Und so behandeln Anthroposophen seit hundert Jahren mit Misteln Krebs. Und das finde ich ein unethisches, ein verrücktes Verfahren, das traurigerweise dann noch keines wirklich wissenschaftlichen Nachweises bedarf, weil es Sondergesetze gibt, die den Anthroposophen dies erlauben. Dann schlägt es von wirr zu gefährlich um.

MedWatch: Wo steckt noch Anthroposophie drin?

Rautenberg: Das ist meine Faszination. Als ich habe mich mit der Anthroposophie zu beschäftigen. Ich wusste, die machen ihre Medizin, sie hatten diesen selbsterklärten Propheten – und von da geht es weiter: In die Waldorf-Pädagogik, in die Landwirtschaft bei den Demeter-Höfen und noch ein paar anderen Anbauverbänden, die sind ganz dick im Biomarkt. Marken wie Alnatura kommen aus der Anthroposophie, dann Biomärkte wie Denn’s, dann Marken wie Dennree, Voelkel, Holle, Naturata. Dazu der Medizin-Kosmetik-Kosmos mit Wala, Weleda, Dr. Hauschka, teilweise auch Helixor, das ist alles anthroposophisch.

Dazu dann die DM-Drogerie-Märkte. Deren Eigentümer ist Milliardär und ein großer Förderer der Anthroposophie. Diese Firmen sind auch durchdrungen davon. Das heißt, Anthroposophen sind ganz oft Marktführer in alternativen Szenen, der „alternativen“ Landwirtschaft, in Medizin, Pädagogik. Die mischen ihre Esoterik überall darunter.

MedWatch: Wo sehen Sie die größten Probleme?

Rautenberg: Wir wollen alle bessere Schulen haben, wir wollen besser und nachhaltiger essen. Wir wollen eine sanftere Medizin. Mit diesen Bedürfnissen werden wir dann abgeholt von den Anthroposophen, die das anbieten, die dann teilweise auch zu Recht Marktführer sind, weil sie auch viel richtig machen. Aber man kauft immer ein Gesamtpaket. Du kaufst bei Demeter einen Demeter-Apfel und somit auch Kult und Esoterik mit und stützt damit im Endeffekt auch dieses System.

MedWatch: Bis zu einem gewissen Grad kann man doch einfach sagen: Das ist Esoterik, was soll es?

Rautenberg: Viele sagen das. So nach dem Motto: „Ist mir doch egal, ob der bei Vollmond nackt um den Apfelbaum tanzt – solange der die Tiere gut behandelt und nicht alles mit Glyphosat kaputt spitzt.“ Das ist eine legitime Meinung. Ich gestehe das auch absolut jedem zu, der sagt, er habe das abgewogen, aber will statt des Massentierhalters, lieber den Demeter-Bauern. Der spinnt vielleicht ein wenig, aber da erwachsen gute Dinge draus.

Überall, wo man die Anthroposophie ernst nimmt und streng nach ihren Grundsätzen handelt, besteht die Gefahr, dass Dinge dabei rauskommen, die Menschen oder Tiere schädigen.

MedWatch: Was sollten Menschen Ihrer Meinung nach wissen, um fundiert zu entscheiden?

Rautenberg: Am anthroposophischen Denken und Handeln hängt ein ganzer Rattenschwanz von Dingen dran. Etwa völkische Bauern, die die Anthroposophie ins Nationalistische drehen. In der Waldorf-Pädagogik sind „Karma“ und „Reinkarnation“ Grundlagen der Pädagogik. Wenn man das wirklich ernst nimmt, dann führt es im schlimmsten Fall dazu, dass zum Beispiel Mobbing an Waldorfschulen nicht unterbunden wird oder Kindern mit Behinderungen nicht die nötige Hilfe zuteilwird, weil man davon ausgeht, der oder die wird das schon verdient haben durch Verfehlungen im vorherigen Leben. Dann werden Kindern Lernerfahrungen verweigert, weil sie angeblich spirituell noch nicht „so weit seien“. In der Medizin gibt es die dogmatische Verwendung von Pseudomedizin. Überall, wo man die Anthroposophie ernst nimmt und streng nach ihren Grundsätzen handelt, besteht die Gefahr, dass Dinge dabei rauskommen, die Menschen oder Tiere schädigen.

Dass ist erstmal eine überlegte Entscheidung.  Aber viele Menschen wissen kaum etwas über die Anthroposophie und können keine aufgeklärte Entscheidung treffen. In der Welt der Anthroposophen gibt es wirklich gute Sachen, wie bei Demeter: Auf dem Papier steht, die Kühe brauchen so und so viel Auslauf, alles top. Aber: Verfechter von „alternativer“ Medizin haben es auch geschafft, Homöopathie bei Tierkrankheiten in der EU-Gesetzgebung zu verankern. Das heißt, in der EU-Ökoverordnung steht, dass man vorrangig homöopathische oder „ähnliche“ naturmedizinische Mittel einsetzen soll, wenn ein Tier krank ist. Es sei denn, die wirken nicht, dann braucht man es nicht, dann kann man was Richtiges geben. Das ist natürlich schon wieder eine kleine Lücke, die sie sich da gebaut haben. Und alle großen Bio-Verbände in Deutschland schreiben Homöopathie als Erstgabe bei Tierkrankheiten vor. Ist das dann wirklich noch Tierschutz oder wird vielmehr dogmatisch festgehalten an einer nicht beweisbaren 220 Jahre alten Lehre? Impfskeptiker gibt es auch unter Demeter-Bauern: Sie wollen dann nicht gegen die Blauzungen-Krankheiten impfen, weil Impfen ja böse ist.

oliver schwarz Stammtisch

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30 Kommentare zu „„Die Anthroposophie ist ein Verschwörungsmythos“

  1. Anthroposophie hat eine generelle Unterwanderungs-, ja Indoktrinationstendenz. Schon Steiner selbst riet dazu, dies nicht plakativ-öffentlich zu betreiben.

    Bei der Diskussion im Vorfeld des Arzneimittelgesetzes 1978 war es eine Gruppe von Anthroposophen, die direkt und unmittelbar ihren Einfluss bei den Parlamentariern geltend gemacht hatten, Sonderregelungen für die sogenannte “Erfahrungsmedizin” zu schaffen. Was sich dann später auf EU-Ebene sozusagen selbst reproduziert hat. Man kann in den ersten Entwürfen und Begründungen zum AMG noch finden, dass Homöopathika und Anthroposophika auf den Status von Nahrungsergänzungsmitteln herabgestuft werden sollten. Das wäre das Aus für beide Richtungen gewesen, denn sie hätten für die Arzneimitteleigenschaft Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Standards nachweisen müssen (was der Sinn und Zweck des AMG 1978 war). Sie müssen das bis heute nicht!

    Die Anthroposophen haben die Homöopathie und die Phytotherapie damals sozusagen “mitgenommen” bei ihrem Streit für Sonderrechte. Weil sie methodisch auf beide für sich selbst zurückgreifen. An sich sind Homöopathie und Anthroposophie unvereinbar, denn sie beruhen auf einer völlig unterschiedlichen Vorstellung von Krankheitsursachen und Krankheitsverläufen, schließen sich also im Grunde logisch gegenseitig als Methode aus. Aber in der Abwehr gegen den gemeinsamen Gegner, in diesem Falle Vernunft und Rationalität, vereint sich eben auch Unvereinbares. Was man derzeit, wo die Kritik an der Homöopathie sich energischer denn je bemerkbar macht, wieder erleben kann: Anthroposophen treten der Homöopathie zur Seite und verfassen für sie aus der universitären Steiner-Welt heraus “wissenschaftliche Gutachten” gegen die Kritik. Im Wissen, dass, wenn der gesetzliche Schutzraum für die Homöopathie fällt, er sicher nicht für die Anthroposophie erhalten bleibt.

    Man möge die Durchdringung des Alltags mit der Esoterik und dem Okkultismus der Anthroposphie nicht unterschätzen, zumal sie über erhebliche wirtschaftliche Macht verfügt. Dank an den Anthroblogger für seine Aufklärungsarbeit.

  2. Erstaunlich wie einseitig diese Form der „Aufklärung“ von Oliver Rautenberg unter die Blogs gebracht wird. Keine Spur Dialektik oder eine Chance für einen offenen Dialog mit Menschen die eine aufgeklärte Anthroposophie vertreten
    Ich bringe mich trotzdem ein als ein wissenschaftlich und kritisch denkender Mensch der gerade wegen der Einseitigkeit der Wissenschaft heute mit ihren Lobbyisten eine Ergänzung sieht in der Anthroposophie
    Nehmen wir als Beispiel die Medizin da habe ich selber erfahren wie hilfreich die spitzenmedizin sein kann und sich hilfreich ergänzt mit der anthroposophischen Medizin und wie ich als mündiger und kritischer Patient von beiden Seiten ernst genommen wurde
    Wenn Oliver Rautenberg eine andere Erfahrung machte vor Jahren und nun daraus seit Jahren nur die negativen Seiten dieser ganzheitlichen Medizin sieht ist es aus seiner subjektiven Sicht verständlich aber für fundierte Recherchen braucht es eine andere wissenschaftliche seriöse arbeitshaltung
    Dr. Phil. Thomas Stöckli

    1. @ Dr thomas Stöckli

      “Bringen Sie sich ein”, und werden Sie nur ein einziges Mal konkret:

      – Was stellt Oliver Rautenberg falsch dar? Ich bitte um ein Beispiel und Begründung …

      – worin besteht konkret die “anthroposophische Ergänzung” der Medizin?

      Die Pro-Anthroposophie-Propaganda können Sie ruhigen Gewissens der ARD überlassen: “Werbeunterbrechung für Waldorfschulen in den Tagesthemen”, https://hpd.de/artikel/werbeunterbrechung-fuer-waldorfschulen-den-tagesthemen-17166

      Wer Caren Miosga nach seinen Anweisungen tanzen lässt, muss wohl einen gewissen Einfluss haben …

    2. – Eine “Dialektik” zwischen Spekulation und Ratio? Die Gewinnung “höherer Erkenntnis” aus beiden Positionen erinnert mich an einen mit Senf dekorierten Apfelkuchen.

      – Was ist “aufgeklärte Anthroposophie”? Bitte mit Steiner-Zitat antworten!

      – Was ist “Einseitigkeit der Wissenschaft”? Die kritisch-rationale Methode ist offen für jeden rationalen Diskurs, steht aber nicht für Spekulationen “jenseits der realen Welt” (Prof. Otto Prokop) zur Verfügung. Ich kenne das. Wissenschaft wird als “einseitig”, als “monopragmatischer Reduktionismus” oder auch kurz und knapp als “Wissenschaftsdogmatismus” etikettiert, um die eigene Beliebigkeit für einen Diskurs unter wissenschaftlichem Etikett zu legitimieren.

      Oliver Rautenberg zeigt die “Effekte” und Auswirkungen der Anthroposophie in dieser unserer realen Welt auf, die der Schauplatz der Bewältigung unserer ganz realen Probleme ist. Das ist in sich legitim und ein aus humanistischer Sicht begründeter Standpunkt. Ihn mit dem Vorwurf der “Einseitigkeit” in die Terminologie einer geisteswissenschaftlich vielleicht begründbaren Beliebigkeitsheuristik zu drängen (Gadamer: “Der andere könnte auch Recht haben”), geht fehl.

    3. Sie schreiben von »aufgeklärter Anthroposophie« Was soll das sein? Anthroposophie ist ein Geflecht lebensreformerischer, völkischer und okkulter Ideensplitter. All diese Zutaten hat Rudolf Steiner zu einer kosmologischen Evolutionserzählung verwurstet, einem gnostischen Narrativ, das auf einer Art universeller Reinkarnationslehre basiert. Universell, weil laut Steiner unser gesamtes Planetensystem und mit ihm die komplette Menschheit eine Reihe von Wiederverkörperungen durchläuft. Weltentwicklungsstufen nennt er das. Der Clou der Geschichte heißt Selbstvergottung. Der Mensch, der ursprünglich rein geistig existiert, verdichtet sich zunächst zu Materie, um dann den Wiederaufstieg hin zu reiner Geistigkeit anzutreten. Am Ende wird aus dem einstigen Geschöpf göttlicher Mächte selbst ein Schöpferwesen.
      Insgesamt sieben Weltentwicklungsstufen müsse der Mensch in diesem Prozess absolvieren, geführt von allerlei wohlmeinenden, aber auch verführt von übelwollenden Geistwesen. Zurzeit spiele die Musik auf Stufe vier. Dort durchlaufe die Evolution sieben Wurzel»rassen« mit jeweils sieben Unter»rassen«. Wobei jeder »Rasse« und jedem Volk eine spezielle historische Mission zukäme. Aktuell zur Führung der Menschheit berufen, sei die fünfte Wurzel»rasse«, die weiße Kulturmenschheit.
      Völker und »Rassen«, die ihre historische Aufgabe erfüllt hätten, werden von Steiner als dekadent, psychisch verhärtet und unfähig zur Weiterentwicklung stigmatisiert. Seien es Afrikaner, Indianer, Japaner. Oder eben Juden, deren Denkweise nur ein weltgeschichtlicher Anachronismus ohne Existenzberechtigung sei. An den Deutschen hingegen sei es, die göttliche Natur des Menschen zu entdecken und so die Respiritualisierung einzuleiten, die die Menschheit dereinst auf die Erdverkörperung Nr. 5 katapultieren werde … den neuen Jupiter.
      Das gravierende Problem dieser Erlösungsvorstellung ist, dass sie absolute Wahrheiten über Ziel und Weg verkündet. Das ist eine im Kern eine totalitäre Vorstellung. Und es liegt die Frage nahe, was ein solch Konstrukt für Menschen parat hält, die nicht auf Linie sind. Zwei Steiner-Zitate helfen weiter.
      Nummer eins: »Ein Mensch, der tief verwoben ist mit dem bloß Sinnlichen, dem bloß Triebhaften, der verbindet sich immer mehr mit dem, was Schlacke werden soll. Das wird dann sein, wenn die Zahl 666 erfüllt sein wird, die Zahl des Tieres. Dann kommt der Moment, wo sich die Erde herausbewegen muss aus der fortlaufenden Evolution der Planeten. Wenn dann der Mensch sich zu sehr verwandt gemacht hat mit den sinnlichen Kräften, die heraus sollen, dann geht das, was damit verwandt ist und nicht den Anschluss gefunden hat, um zum nächsten Globus hinüberzugehen, mit der Schlacke mit und wird Bewohner dieser Schlacke, so wie jetzt solche Wesen Bewohner des heutigen Mondes sind.«(1)
      Zitat Numero zwei: »Dieser neue Jupiter wird begleitet sein wie von einem Trabanten von denjenigen, die ausgeschlossen sind von dem Leben im Geistigen, die den zweiten Tod erlebt haben, die daher keine Möglichkeit haben, das Jupiterbewusstsein zu erlangen.« (2)
      Das sind Segregationsvorstellungen, die Erleuchteten ab in die nächste Erdinkarnation auf den Jupiter, die Unbelehrbaren, Ex-und-hopp hinauf auf die Schlacke und in die Umlaufbahn.
      Aufgeklärte Anthroposophie ist also ein Widerspruch in sich selbst. Das okkult-völkische Entwicklungsprinzip ist der intime Wesenskern der ganzen Chose. Wenn Sie den streichen, kollabiert das gesamte Gedankengebäude. Eben weil alles mit allem verbunden ist … So wie die Mistel mit dem Karzinom und der vorigen Inkarnation.

      (1) Rudolf Steiner: Vierzehnter Vortrag, Berlin, 9. Oktober 1905. GA 93a, Seite 112
      (2) Steiner, Rudolf: Die Apokalypse des Johannes. Ein Zyklus von zwölf Vorträgen mit einem einleitenden öffentlichen Vortrag, gehalten in Nürnberg vom 17. bis 30. Juni 1908. GA 104, Seite 248

  3. Herr Dr. Stöckli,
    Ihre Chance für einen offenen Dialog haben Sie ja gerade wahrgenommen, dafür vielen Dank. Niemand nimmt ihnen ihre persönlichen, guten Erfahrungen mit der anthroposophischen „Medizin“. Nur funktionieren meines Wissens medizinische Forschung, in dem man Studien macht – das Argument „mir hat es aber geholfen“, wie man es von Homöopathie-Anhängern kennt, bringt die Sache leider nicht weiter. Fakt bleibt, dass die Mittel der Anthroposophen seit rund 100 Jahren keinen Wirknachweis über Placebo hinaus erbringen. Dank der gesetzlichen Ausnahme durch den Binnenkonsens müssen sie das auch nicht. Finden Sie nicht auch, auf dieses Sonderrecht könnte man mit geschwellter Brust verzichten, hätte man wirklich Nachweise an der Hand? Ohne teure Studien lebt es sich natürlich besser, was sich auch in der Gewinnmarge niederschlägt. Die von Ihnen kritisierten „Lobbyisten“ wie Veronica Carstens haben die Ausnahmeregeln für Homöopathika und Anthroposophika übrigens erst möglich gemacht – vielleicht war das aber nicht die Art Lobbyismus, die sie im Sinn hatten. Hersteller anthroposophischer „Medizin“ sind ein bedeutender Teil der Pharmaindustrie und verfolgen selbstverständlich ihre Interessen mit eigenen Lobbyorganisationen wie ELIANT.

    Ich finde nicht, dass Strohmann-Argumente ihre Position stärken, denn an keiner Stelle habe ich behauptet, Anwender der AM wären keine kritisch denkenden Menschen – meine Familie hat diese ja selbst im guten Glauben angewandt. Was Menschen fehlt sind vielmehr Informationen über die Hintergründe. Solange Placebos wirksamen Mitteln gesetzlich gleichgestellt sind, erscheint die AM medizinischen Laien eben wie Medizin. Wer sich trotz Aufklärung über die Hintergründe zwischen Hellseherei und Okkultismus dazu entschließt, auf diese Mittel zu setzen, der soll das – wie bei der Homöopathie – auch in Zukunft tun können. Das sollte allerdings privat geschehen und beispielsweise nicht als Kassenleistung abgerechnet werden dürfen. Ich persönlich finde die Todesfälle nach Anwendung der okkultistisch begründeten Mistelpräparate übrigens wenig „hilfreich“.

    Es ist interessant, dass Sie als Anthroposoph, Rudolf-Steiner-Anhänger und esoterischer Pädagoge „Wissenschaft“ einfordern. „Wissenschaftlich seriös“ scheint mir hier ein Argument zu sein, um eine Gleichwertigkeit zwischen evidenzbasierter Medizin und Pseudomedizin einzufordern. Ob mich ein Erlebnis von vor mehr als 10 Jahren heute noch jeden Tag umtreibt, alles so schrecklich negativ zu sehen? Ich bitte Sie, das zu behaupten wäre ja Küchenpsychologie. Bleiben wir doch lieber bei der Sache: Glaube darf Glaube bleiben, hat aber in Pädagogik oder Medizin keinen Raum zu bekommen.

    Sollten Sie Fehler in meiner Recherche finden, so bitte ich freundlich um einen hilfreichen Hinweis.

    Oliver Rautenberg

  4. Herr Rautenberg,
    ich bin seit vielen Jahren Waldorflehrer in Salzburg. Die Salzburger Rudolf Steiner Schule ist offiziell anerkannte UNESCO Schule, Klimabündnisschule und Umweltzeichenschule, weil wir uns eben nicht auf eine “ausgedachte Waldorfselbstgefälligkeit” zurückziehen wollen, sondern uns hineinstellen in die Aufgaben unserer Zeit. Reinkarnation und Karma spielt im pädagogischen Alltag überhaupt keine Rolle. Vielmehr bekommen Kinder, die sich etwa im Lernverhalten schwer tun, die beste uns mögliche Förderung. Und jede kleinste Regung von einem möglichen Mobbing wird – von SchülerInnen und KollegInnen – ernst genommen. Dadurch entsteht eine Grundstimmung von Anerkennung und Wertschätzung bei Klein und Groß, eben als beste Voraussetzung, dass es nicht zu Machtmissbrauch oder Mobbing kommt.
    Vielleicht könnte dieser Kurzbericht helfen, dass Sie Ihre einseitigen Bilder über Waldorfschule hinterfragen und nicht zu schnell in Allgemeinurteile kommen, die niemandem weiterhelfen.

    1. @ Michael Walter

      Möglicherweise ist an Ihrer Waldorfschule “alles anders”: Wie kann ich das WISSEN? Das Problem Ihrer Darstellung ist, dass Sie sie nicht belegen.

      Was Sie sagen, widerspricht dem, was ich in den verschiedensten Waldorfschulen kennenlernte. Meine Ausbildung zum Waldorflehrer liegt schon sehr lange zurück, 2001 – 2002, aber ich besuche immer wieder Waldorfschulen, um meinen Eindruck zu aktualisieren.

      Fazit: Waldorfschulen sind nach wie vor zutiefst anthroposophisch geprägt.

      Henning Kullak-Ublick, Sprecher und Vorstand des „Bundes der Freien Waldorfschulen“, stellte in unserem Gespräch im Jahre 2019 die herausragende Bedeutung der “Allgemeinen Menschenkunde“ Rudolf Steiners als Grundlage der Waldorfpädagogik heraus. Auf der Homepage der “Erziehungskunst” finden sich dazu unzählige Beiträge: https://www.erziehungskunst.de/suche/ bei „Suche“ „Allgemeine Menschenkunde“ eingeben …

      Dazu mein Artikel:

      “100 Jahre Waldorfschule 2019: 100 Jahre Pädagogik aus dem Esoterik-Baukasten

      Im Jahr 2019 wird die Waldorfschule hundert Jahre alt. Gibt es eine andere Schulform, die so starr an den Vorgaben ihres Begründers festhält, wie die Waldorfpädagogik an der Anthroposophie Rudolf Steiners?

      In der sich nach außen hin fortschrittlich präsentierenden, anthroposophischen “Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft” ist noch immer Rudolf Steiners esoterische “Allgemeine Menschenkunde” aus dem Jahr 1919 im Programm (…)“ – weiter: https://hpd.de/artikel/100-jahre-paedagogik-dem-esoterik-baukasten-15645

  5. Herr Walter,

    danke für die Nachricht. Sie werden es sicher gelesen haben: “….dann führt es im schlimmsten Fall dazu, dass zum Beispiel Mobbing an Waldorfschulen nicht unterbunden wird”. Daraus lesen Sie vielleicht ein “einseitiges Bild” und “Allgemeinurteil”, wo doch explizit “schlimmster Fall” dort steht. Von mir stammt die Deutung “es ist überall so” jedenfalls nicht.

    Sollten Sie nicht glauben können, dass es dergleichen an Waldorfschulen überhaupt gibt, empfehle ich den heutigen Bericht der Zeit (https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2020-11/waldorfschule-weimar-gewalt-lehrer-ohrfeigen-ermittlungen-staatsanwaltschaft/komplettansicht). Mehr als ein Dutzend Lehrer hat Schüler 15 Jahre lang massiv gedemütigt und verprügelt – ohne, dass jemand den Kindern jemals zu Hilfe kam. Wer das als schrecklichen Einzelfall abtun will, dem zeige ich noch viele andere ähnliche gelagerte Fälle auf.

    In einem sind wir uns sicher einig: #NichtAlleWaldorfschulen sind gleich! Die Bandbreite geht von gemäßigt esoterisch bis dogmatisch esoterisch.

    Sie wollen mir sagen, dass “Karma und Reinkarnation” in ihrem pädagogischen Alltag keine Rolle spielen? Nun, dann halten Sie sich offenbar nicht an den Lehrplan des Bundes der Waldorfschulen, der eben diese Dinge berücksichtigen will. Sicher gehört es zu ihrer pädagogischen Freiheit, manches anders auszulegen, als viele im Waldorfbund es wollen.
    Man spricht vor Schülern zumindest nicht über die Grundlagen, das zumindest will ich gerne glauben. Dass der Lehrplan die von Steiner erdachten, euro-zentrischen “Kulturstufen” oder den Stand der Reinkarnation des Kindes usw. usf. berücksichtigt, hat sicher auch nichts mit der Anthroposophie zu tun?

    Leider ist der deutsche Lehrplan nicht für jeden frei zugänglich, um das nachzuprüfen, aber der aus Österreich steht beispielsweise frei im Netz. Darin wird 45 x auf die Anthroposophie verwiesen, der Esoteriker Rudolf Steiner 200x zitiert. Daneben finden sich rund 30x wörtlich die von Anthroposophen angenommenen “Wesensglieder” wie Ätherleib, Astralleib oder das “Ich”. Diese Wesensglieder sollen die magischen Sieben-Jahres-Stufen der Reinkarnation des Kindes auf Erden repräsentieren, wie sie wissen.

    Wie schafft es eine Steiner-Schule, vorgeblich ganz ohne Steiner auszukommen? Ich freue mich auf Ihre Erklärung.

    Oliver Rautenberg

    1. Lieber Oliver Rautenberg,
      mit ihrer Ablehnung Rudolf Steiners unterliegen Sie einer grotesken Selbsttäuschung. Grotesk insofern, als Sie ihm in Ihrem Suchen nach Wahrheit viel näher stehen, als Sie glauben. Um darauf zu kommen, müssten Sie allerdings wenigstens eine seiner frühen Schriften lesen – oder noch einmal in Ruhe lesen – (manchmal hat man diese Bücher ja, wie ein Halbverhungerter besinnungslos in sich hinein geschlungen.) Wahrheit und Wissenschaft, Von Seelenrätseln oder noch klarer: Die Philosophie der Freiheit.
      Ihre nachvollziehbare Wut über die Anthroposophen macht sie blind, so wie einst den wütenden Christenverfolger Saulus, bevor er sein Erlebnis vor Damaskus hatte und zum Paulus wurde. Ihr Suchen nach der Wahrheit achte ich hoch. Besonders heute in den gesellschaftlichen Umwandlungen durch Corona müssen wir uns aber vor einem neuen Hexenwahn vorsehen. Unser vom naturwissenschaftlichen Denken befeuertes Jahrhundert ist nicht automatisch immun gegen solche Abirrungen, wie Sie vielleicht wissen. Ich denke an die 1950er Jahre in den USA, mit der Mc Carthy-Ära und ihren Kommunisten-Verfolgungen. Beim amerikanischen Theaterdichter Arthur Miller können Sie die Stimmung der damaligen Zeit, in seinem Stück HEXENJAGD, das im 17. Jahrh. spielt, anschaulich miterleben. Diese Art Hexenverfolgung erreicht augenblicklich ihre Neuauflage mit der Verunglimpfung aller Kritiker der Corona Massnahmen, als sog. Impfgegner, Aluhüte, Querdenker, Rechte und was weiß ich noch.
      In Ihrem Interview kehren Sie wirklich alle bekannten Vorurteile über Anthroposophie auf einen Haufen und picken sich das passende daraus. Wo sind die Quellen für Ihre Behauptungen: wo sind die völkischen Bauern, wo die, die Anthroposophie ins Nationalistische drehen. Wo das Mobbing an Waldorfschulen. Wo die Verschwörungsideologen. Wo die mörderische Homöopathie, die spinnerten Demeterbauern.
      Haben Sie schon einmal einen Urlaub auf einem Demeterbauernhof verbracht?
      Die waren schon immer Steiners Antwort auf die Tendenzen, die sich schon damals in den Zwanzigerjahren des Neunzehnten Jahrhunderts in der Land- und Tierwirtschaft abzeichneten und die uns bis heute zu den Auswüchsen in Legefarmen und Fleischzuchtbetrieben geführt haben. Von der Zerstörungen der Böden, Tier- und Pflanzenwelt durch eine konventionelle Landwirtschaft, die heute allmählich sichtbar werden ganz zu schweigen. Unsere so aufgeklärte Welt hat offenbar immer noch nicht eine Einsicht in die enorme Zerstörung gewonnen, die sie mit Ihrem Denken, über den ganzen Globus hin verursacht hat, sonst wäre Sie heute bescheidener in Ihrem Anspruch, die Welt zu erklären.
      Ich habe übrigens selber auch Erfahrungen mit einem anthroposophischen Krankenhaus gemacht, und genau gegenteilige Erfahrung wie Sie. Ich war damals dort mit einem blutenden Zwölffingerdarm Geschwür, halbtot wg. hohem Blutverlust eingeliefert worden und auf die Intensivstation gekommen. Dort versuchte der Internist eine Woche lang die Blutung zu stillen. Ein sehr um mich besorgter, guter Bekannter von mir, Krankenhauschirurg an einem „weltlichen“ KH, erregte sich ungeheuer über den Dilettantismus der dort am Gemeinschaftskrankenhaus herrsche: „Standardbehandlung sei, die Entfernung des Zwölffingerdarms und 1/3 des Magens!“
      Heute 35 Jahre später habe ich dank dieses „Dilettanten“ immer noch meinen Magen samt Zwölffingerdarm und kann ohne Tabletten oder sonstige diätetische Einschränkungen weiter gut bis heute leben.
      Damals war jenes Gemeinschafts-Krankenhaus Herdecke eines der ersten Krankenhäuser, wo mit den Krebspatienten neben ihrer eigentlichen Behandlung zur besseren Genesung therapeuthisches Malen und Heil-Eurythmie mit sehr wohltätigen seelisch geistigen Wirkungen gemacht wurden. Auch bei Nichtanthroposophen. Das weiß ich von meiner Frau, die dort behandelt wurde und die sich davon in ihrem Innersten zutiefst angesprochen fühlte. Dass sie vier Jahre später doch am Krebs starb, kreide ich nicht den Ärzten dort an. Natürlich gab es auch dort, wie überall, menschliche Schwächen. Trotz oder gerade wegen der menschenfreundlichen Architektur und Athmosphäre auf den Fluren und im Cafe beim Empfang.
      Diese Gemeinschafts-Krankenhaus in Herdecke besteht seit 1969. Es war übrigens nicht die einzige kollegial geführte Einrichtung in ganz NRW, selbstverwaltet, nur mit einem Geschäftsführer! Nennen Sie mir bitte, bitte eine Einrichtung, wo es heute so etwas gibt! Selbstverwaltung! In den vielgeschmähten Waldorfschulen ist das übrigens genau so selbstverständlich. Die Pädagogik wird von den Lehrern selbständig gestaltet. Und sie verzichtet auf Leistungsdruck. Erst seit etwa 1980 werden ab der 10. -11. Klasse Noten gegeben, (geschuldet den Abitursvorschriften und Ihrer Anerkennung durch die entsprechende Schulbehörde – wg. Ihrer teilweisen finanziellen Abhängigkeit davon.) Die Waldorfschulen kennen nur einen sog. Geschäftsführer, der sich um die Finanzen kümmert. Alle pädagogischen Fragen entscheidet die Lehrerkonferenz, zu der alle Lehrer regelmäßig wöchentlich zusammenkommen. Alle Schulen haben eine solidarisches Schulgeldsystem, sodass keiner, nur auf Grund seiner Einkommensverhältnisse vom Schulbesuch ausgeschlossen wird. Ist das denn nichts? Alles den Ideen Steiners und dessen Ideen zur Dreigliederung und einem freien Geistesleben aus den 20-er Jahren des vorletzten Jahrhunderts folgend.
      In „Die Philosophie der Freiheit“, die sie womöglich schon einmal überflogen haben, setzt sich Steiner mit der herrschenden wissenschaftlichen Philosophie und Anthropologie des neunzehnten Jahrhunderts und ihren Erkenntnisgrundlagen und Grenzen gedanklich auseinander. Da können Sie ihm m. E. sehr genau in seiner Gedankenführung Schritt für Schritt folgen. Seinen Anschauung über das Denken und dem was geschieht, indem man sich Vorstellungen über das Denken als Ideen bildet, kurz seine Auseinandersetzung mit Kant und dem Positivismus- seinem Denken über das Denken und der Vorstellungsbildung.
      Und mehr als dieses helle, klare Denken ist von Steiner mit Hellsichtigkeit nicht gemeint. Dem sich auszusetzen, sollten sollten Sie sich nicht scheuen. Das, was Sie als Hellsichtigkeit verstehen und Steiner andichten, hat er nie gemeint. Geistersehen ist seine Sache nie gewesen! Das bekämpfte er in der damaligen theosophischen Gesellschaft, oder wo immer es sich betätigen wollte.
      Ihre Aussage: „Ich persönlich bin mir sicher, dass Steiner nichts originär Neues erfunden hat.“ Erfunden sicher nicht aber G e – funden. Und das soll es heute auch noch geben, dass Menschen etwas finden, was vor Ihnen noch niemand entdeckt hat. Und dass das meist verlacht wird, ist eher die Regel, als die Ausnahme. Wenn Sie den Gedankengängen, die er in seinen grundlegenden Büchern darlegt, wirklich folgen, werden Sie feststellen, dass es bis heute und nach zwei Weltkriegen, keinen originelleren Denker gibt, und sie können froh sein, solchen Gedanken zu ihren Lebzeiten noch zu begegnen.
      Das ist gar nicht so verständlich in unserer heutigen gedanklich so verrammelten Welt. Kosmos ist schnell gesagt. Der Urknall, einmal päng und alles ist da, ist natürlich eingängiger, als die Entstehungsgeschichte des materiellen Kosmos bei Steiner in seiner Geisteswissenschaft. Ein Lichtblick in der miefigen Welt unseres heutigen Pop-Kulturlebens, einer Welt in der junge sensible Menschen, um überhaupt irgend einen Form von Be – Achtung zu erleben, schon zur Waffe greifen müssen und ihre Mitschüler und Lehrer ermorden, um überhaupt irgend eine Art von Beachtung zu finden.
      Auch Steiners letzte schriftliche Äußerungen von 1925, über die er leider verstarb, worin er seinen Lebens- und Bildungsgang beschreibt, sollten Sie sich zu Gemüte führen, und zwar in der Ausgabe von Irene Diet im IGNIS VERLAG. Darin sind sie in ihrer ursprünglichen Erscheinungsform als wöchentlichen Schreiben abgedruckt, und nicht so dösig, wie in der Gesamtausgabe in Buchform wiedergegebenen. Da können Sie seinem außergewöhnlichen Lebensgang folgen und eine Ahnung entwickeln, worum es ihm ging und was für alle Menschen von heute von großer Bedeutung ist: Unbevormundet zu denken und sich als Schöpfer unter Schöpfern zu erleben. Es würde mich wundern, wenn Sie nach der Lektüre immer noch diese miefigen Ansichten wie in Ihrem Interview vertreten.

    2. Lieber Oliver Rautenberg,

      mit Ihrer Ablehnung Rudolf Steiners unterliegen Sie einer grotesken Selbsttäuschung. Grotesk insofern, als Sie ihm in Ihrem Suchen nach Wahrheit viel näher stehen, als Sie glauben. Um darauf zu kommen, müssten Sie allerdings wenigstens eine seiner frühen Schriften lesen – oder noch einmal in Ruhe lesen – (manchmal hat man diese Bücher ja, wie ein Halbverhungerter besinnungslos in sich hinein geschlungen.) Wahrheit und Wissenschaft, Von Seelenrätseln oder noch klarer: Die Philosophie der Freiheit.

      Ihre nachvollziehbare Wut über die Anthroposophen macht sie blind, so wie einst den wütenden Christenverfolger Saulus, bevor er sein Erlebnis vor Damaskus hatte und zum Paulus wurde. Ihr Suchen nach der Wahrheit achte ich hoch. Besonders heute in den gesellschaftlichen Umwandlungen durch Corona müssen wir uns aber vor einem neuen Hexenwahn vorsehen. Unser vom naturwissenschaftlichen Denken befeuertes Jahrhundert ist nicht automatisch immun gegen solche Abirrungen, wie Sie vielleicht wissen. Ich denke an die 1950er Jahre in den USA, mit der Mc Carthy-Ära und ihren Kommunisten-Verfolgungen. Beim amerikanischen Theaterdichter Arthur Miller können Sie die Stimmung der damaligen Zeit, in seinem Stück HEXENJAGD, das im 17. Jahrh. spielt, anschaulich miterleben. Diese Art Hexenverfolgung erreicht augenblicklich ihre Neuauflage mit der Verunglimpfung aller Kritiker der Corona Massnahmen, als sog. Impfgegner, Aluhüte, Querdenker, Rechte und was weiß ich noch.

      In Ihrem Interview kehren Sie wirklich alle bekannten Vorurteile über Anthroposophie auf einen Haufen und picken sich das passende daraus. Wo sind die Quellen für Ihre Behauptungen: wo sind die völkischen Bauern, wo die, die Anthroposophie ins Nationalistische drehen. Wo das Mobbing an Waldorfschulen. Wo die Verschwörungsideologen. Wo die mörderische Homöopathie, die spinnerten Demeterbauern.

      Haben Sie schon einmal einen Urlaub auf einem Demeterbauernhof verbracht?
      Die waren schon immer Steiners Antwort auf die Tendenzen, die sich schon damals in den Zwanzigerjahren des Neunzehnten Jahrhunderts in der Land- und Tierwirtschaft abzeichneten und die uns bis heute zu den Auswüchsen in Legefarmen und Fleischzuchtbetrieben geführt haben. Von der Zerstörungen der Böden, Tier- und Pflanzenwelt durch eine konventionelle Landwirtschaft, die heute allmählich sichtbar werden ganz zu schweigen. Unsere so aufgeklärte Welt hat offenbar immer noch nicht eine Einsicht in die enorme Zerstörung gewonnen, die sie mit Ihrem Denken, über den ganzen Globus hin verursacht hat, sonst wäre Sie heute bescheidener in Ihrem Anspruch, die Welt zu erklären.

      Ich habe übrigens selber auch Erfahrungen mit einem anthroposophischen Krankenhaus gemacht, und genau gegenteilige Erfahrung wie Sie. Ich war damals dort mit einem blutenden Zwölffingerdarm Geschwür, halbtot wg. hohem Blutverlust eingeliefert worden und auf die Intensivstation gekommen. Dort versuchte der Internist eine Woche lang die Blutung zu stillen. Ein sehr um mich besorgter, guter Bekannter von mir, Krankenhauschirurg an einem „weltlichen“ KH, erregte sich ungeheuer über den Dilettantismus der dort am Gemeinschaftskrankenhaus herrsche: „Standardbehandlung sei, die Entfernung des Zwölffingerdarms und 1/3 des Magens!“

      Heute 35 Jahre später habe ich dank dieses „Dilettanten“ immer noch meinen Magen samt Zwölffingerdarm und kann ohne Tabletten oder sonstige diätetische Einschränkungen weiter gut bis heute leben.

      Damals war jenes Gemeinschafts-Krankenhaus Herdecke eines der ersten Krankenhäuser, wo mit den Krebspatienten neben ihrer eigentlichen Behandlung zur besseren Genesung therapeuthisches Malen und Heil-Eurythmie mit sehr wohltätigen seelisch geistigen Wirkungen gemacht wurden. Auch bei Nichtanthroposophen. Das weiß ich von meiner Frau, die dort behandelt wurde und die sich davon in ihrem Innersten zutiefst angesprochen fühlte. Dass sie vier Jahre später doch am Krebs starb, kreide ich nicht den Ärzten dort an. Natürlich gab es auch dort, wie überall, menschliche Schwächen. Trotz oder gerade wegen der menschenfreundlichen Architektur und Athmosphäre auf den Fluren und im Cafe beim Empfang.

      Diese Gemeinschafts-Krankenhaus in Herdecke besteht seit 1969. Es war übrigens nicht die einzige kollegial geführte Einrichtung in ganz NRW, selbstverwaltet, nur mit einem Geschäftsführer! Nennen Sie mir bitte, bitte eine Einrichtung, wo es heute so etwas gibt! Selbstverwaltung! In den vielgeschmähten Waldorfschulen ist das übrigens genau so selbstverständlich. Die Pädagogik wird von den Lehrern selbständig gestaltet. Und sie verzichtet auf Leistungsdruck. Erst seit etwa 1980 werden ab der 10. -11. Klasse Noten gegeben, (geschuldet den Abitursvorschriften und Ihrer Anerkennung durch die entsprechende Schulbehörde – wg. Ihrer teilweisen finanziellen Abhängigkeit davon.) Die Waldorfschulen kennen nur einen sog. Geschäftsführer, der sich um die Finanzen kümmert. Alle pädagogischen Fragen entscheidet die Lehrerkonferenz, zu der alle Lehrer regelmäßig wöchentlich zusammenkommen. Alle Schulen haben eine solidarisches Schulgeldsystem, sodass keiner, nur auf Grund seiner Einkommensverhältnisse vom Schulbesuch ausgeschlossen wird. Ist das denn nichts? Alles den Ideen Steiners und dessen Ideen zur Dreigliederung und einem freien Geistesleben aus den 20-er Jahren des vorletzten Jahrhunderts folgend.

      In „Die Philosophie der Freiheit“, die sie womöglich schon einmal überflogen haben, setzt sich Steiner mit der herrschenden wissenschaftlichen Philosophie und Anthropologie des neunzehnten Jahrhunderts und ihren Erkenntnisgrundlagen und Grenzen gedanklich auseinander. Da können Sie ihm m. E. sehr genau in seiner Gedankenführung Schritt für Schritt folgen. Seinen Anschauung über das Denken und dem was geschieht, indem man sich Vorstellungen über das Denken als Ideen bildet, kurz seine Auseinandersetzung mit Kant und dem Positivismus- seinem Denken über das Denken und der Vorstellungsbildung.

      Und mehr als dieses helle, klare Denken ist von Steiner mit Hellsichtigkeit nicht gemeint. Dem sich auszusetzen, sollten sollten Sie sich nicht scheuen. Das, was Sie als Hellsichtigkeit verstehen und Steiner andichten, hat er nie gemeint. Geistersehen ist seine Sache nie gewesen! Das bekämpfte er in der damaligen theosophischen Gesellschaft, oder wo immer es sich betätigen wollte.

      Ihre Aussage: „Ich persönlich bin mir sicher, dass Steiner nichts originär Neues erfunden hat.“ Erfunden sicher nicht aber G e – funden. Und das soll es heute auch noch geben, dass Menschen etwas finden, was vor Ihnen noch niemand entdeckt hat. Und dass das meist verlacht wird, ist eher die Regel, als die Ausnahme. Wenn Sie den Gedankengängen, die er in seinen grundlegenden Büchern darlegt, wirklich folgen, werden Sie feststellen, dass es bis heute und nach zwei Weltkriegen, keinen originelleren Denker gibt, und sie können froh sein, solchen Gedanken zu ihren Lebzeiten noch zu begegnen.

      Das ist gar nicht so verständlich in unserer heutigen gedanklich so verrammelten Welt. Kosmos ist schnell gesagt. Der Urknall, einmal päng und alles ist da, ist natürlich eingängiger, als die Entstehungsgeschichte des materiellen Kosmos bei Steiner in seiner Geisteswissenschaft. Ein Lichtblick in der miefigen Welt unseres heutigen Pop-Kulturlebens, einer Welt in der junge sensible Menschen, um überhaupt irgend einen Form von Be – Achtung zu erleben, schon zur Waffe greifen müssen und ihre Mitschüler und Lehrer ermorden, um überhaupt irgend eine Art von Beachtung zu finden.

      Auch Steiners letzte schriftliche Äußerungen von 1925, über die er leider verstarb, worin er seinen Lebens- und Bildungsgang beschreibt, sollten Sie sich zu Gemüte führen, und zwar in der Ausgabe von Irene Diet im IGNIS VERLAG. Darin sind sie in ihrer ursprünglichen Erscheinungsform als wöchentlichen Schreiben abgedruckt, und nicht so dösig, wie in der Gesamtausgabe in Buchform wiedergegebenen. Da können Sie seinem außergewöhnlichen Lebensgang folgen und eine Ahnung entwickeln, worum es ihm ging und was für alle Menschen von heute von großer Bedeutung ist: Unbevormundet zu denken und sich als Schöpfer unter Schöpfern zu erleben. Es würde mich wundern, wenn Sie nach der Lektüre immer noch diese miefigen Ansichten wie in Ihrem Interview vertreten.

  6. Herr Rautenberg,
    ich habe nicht gesagt, dass wir uns nicht nach der Allgemeinen Menschenkunde von R.Steiner richten. Aus der Arbeit an diesen Texten kommt eben die Wertschätzung den SchülerInnen gegenüber, und eben die Verantwortung für unsere Zeit in Form einer ausgeprägten Umwelt- und Friedenserziehung. Kennen Sie folgendes Zitat von R. Steiner: “Man hat in der Menschheitsentwicklung nicht das Recht, sich als Individualität zu fühlen, wenn man sich nicht zu gleicher Zeit auch als Angehöriger der ganzen Menschheit fühlt.”
    Alles kann ich hier nicht ausführen. Schauen Sie gerne auch auf unserer Schulhp, die ich ja angegeben habe.
    Auch wenn nur ein Teil stimmen sollte, was in der “Zeit” zu lesen ist, ist so ein Verhalten der Lehrer durch nichts zu rechtfertigen. Überall gibt es schwarze Schafe, und wenn jemand aus der Anthroposophie eine rechtsradikale Gesinnung oder eine Verschwörungstheorie ableitet, dann benützt er eben die Anthroposophie für seine Anschauung wie jemand anders eine Religion benützt. Genauso ist durch nichts zu entschuldigen, wenn in einem Krankenhaus schleißig gearbeitet wird.
    Wenn in einem Gymnasium in Hintertupfing ein Lehrer einen Schüler schlägt, ist es allein das Problem dieses Gymnasiums in Hintertupfing. Wenn in einer Waldorfschule in Vordergrumpen dasgleiche passiert, ist nicht entscheidend, was in dieser Schule passiert, sondern dass dieser Skandal in einer Waldorfschule ist, ganz gleich wo diese steht. So “objektiv” sind in der Regel die heutigen Medien. Entscheidend ist aber alleine, dass es da und dort ein unmöglicher Zustand ist. Und mir wird immer ganz schlecht, wenn ich ein solches Verhalten von einer Waldorfschule höre…
    Sie zitieren oben: Die Wesensglieder sollen die magischen Sieben-Jahres-Stufen der Reinkarnation des Kindes auf Erden repräsentieren. Ich würde an der Stelle die Wörter “magisch” und das”Re” bei “Reinkarnation” weglassen. Dass man einen Siebenjahresrhythmus bei einem Kind und jungen Menschen entdecken kann, was soll da verwerflich sein? Da kann ich einige wichtige Entwicklungsschritte gut erkennen, wenn ich ganz unbefangen hinschaue.
    Und wenn ich persönlich von der Reinkarnation überzeugt bin, dann muss ich gar nicht hinüber in den Hinduismus oder Buddhismus schauen. Ich fühle mich in dieser Sache eins mit Persönlichkeiten wie Empedokles, Platon, G.Bruno, Lessing, Goethe, Schopenhauer u.v.a. Unter den erwähnten sind sicher Persönlichkeiten darunter, die Sie schätzen können.
    Hingegen finde ich jeden Fanatismus, jede Dogmatik, jede Verletzung der Menschenwürde verwerflich – ganz gleich, wo dies passiert. Vielleicht können wir zumindest in diesem Punkt übereinstimmen.
    MFG

    1. @ Michael Walter

      Michael Walter, Zitat: “Die Wesensglieder sollen die magischen Sieben-Jahres-Stufen der Reinkarnation des Kindes auf Erden repräsentieren. Ich würde an der Stelle die Wörter “magisch” und das”Re” bei “Reinkarnation” weglassen. Dass man einen Siebenjahresrhythmus bei einem Kind und jungen Menschen entdecken kann, was soll da verwerflich sein? Da kann ich einige wichtige Entwicklungsschritte gut erkennen, wenn ich ganz unbefangen hinschaue.”

      Erst behaupten Sie, an Ihrer Waldorfschule sei “alles anders” , und dann präsentieren Sie sich als folgsamer Steiner-Jünger …

      Aus meinem Interview mit Prof. Dr. Stefan T. Hopmann, Bildungswissenschaftler an der Universität Wien:

      “Lichte: noch einmal zur Jahrsiebtelehre – von 0–7 Jahre wird der physische Leib entwickelt, von 8–14 Jahre der Ätherleib, von 15–21 Jahre der Astralleib, vom 21 Lebensjahr an endlich das „Ich“ – erst dann ist der Mensch ein Mensch. Was sagen Sie zu Steiners Mensch aus dem Esoterik-Baukasten?

      Hopmann: Wir leben in einer freien Gesellschaft. Also hat jede/r das Recht, jeden Unfug zu glauben. Nur sollten sich Eltern, die ihr Kind einer Waldorfschule anvertrauen, darüber im klaren sein, dass sie dann einer Pädagogik vertrauen, die ein heilloses Gebräu esoterischer Glaubenssätze über Drüsen, Zahnentwicklung, astrologischen Einflüsse und ähnliches ist, das von der modernen Kinderpsychologie und der aktuellen Lehr-Lern-Forschung durchweg als durch nichts begründbarer Unsinn abgelehnt wird. Entschiedene Waldorfianer wird das nicht anfechten: Wie alle Sekten sind sie gegen widersprechende Wissenschaft immun.”

      zum vollständigen Interview mit Prof. Hopmann: “Man kann nicht nur ein ‘bisschen’ Waldorf sein”, https://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-„man-kann-nicht-nur-ein-»bisschen«-waldorf-sein“/30117

  7. „Interview

    Anthroposophie und Antisemitismus

    Auf den Querdenker-Demonstrationen der vergangenen Monate traten Anthroposophen Seite an Seite mit Rechten auf. Tipps gegen den hierdurch entstandenen Imageschaden holte sich die “Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland” beim Antisemitismus-Beauftragten der baden-württembergischen Landesregierung Dr. Michael Blume. Und das obwohl Anthroposophie-Begründer Rudolf Steiner selbst als Antisemit gilt. hpd-Autor Andreas Lichte sprach hierüber mit dem Religionsphilosophen und Anthroposophie-Experten Ansgar Martins.

    (…)“

    weiter: https://hpd.de/artikel/anthroposophie-und-antisemitismus-18761

  8. Menschen wie Herrn Rautenberg, der, wie man bei medwatch lesen kann, seit acht Jahren nach dem Bösen und Gefährlichen der Anthroposophie suchen muss, kann man wegen dieses offenbar schwierigen Karmas schon ein bisschen bedauern!
    Ohne Ironie kann man aber auch sagen, dass es schön ist, dass Herr Rautenberg seine Anthroposophie-Kritik nicht mit Schaum vor dem Mund äußert. Steiner und die Anthroposophie scheinen Herrn Rautenberg ja offenbar viel interessanten Stoff für sein “Ehrenamt” zu liefern! Einem meiner sehr guten Bekannten geht es da besser, denn er hat einen relevanten Teil seiner akademischen Karriere mit Kritik an Anthroposophie aufgebaut, wenn auch nicht ehrenamtlich, ein wissenschaftlich offenbar sehr ergiebiges Arbeitsfeld!
    Zu der von Herrn Rautenberg bestrittenen Wissenschaftlichkeit hat er vielleicht übersehen, dass es z.B. die von Christian Clement herausgegebenem “Steiner Kritischen Ausgabe SKA” gibt, die ebenfalls einer Reihe von anthroposophischen und nicht-anthroposophischen Wissenschaftlern genügend Stoff für die nächsten 20 Jahre verschafft. Nimmt man die wissenschaftlichen Kongresse noch dazu, auf denen es um anthroposophische Medizin, biologisch-dynamische Landwirtschaft, Pädagogik, Ökonomie etc. geht, muss sich Herr Rautenberg um die Wissenschaftlichkeit der Beschäftigung mit Anthroposophie keine Sorgen machen. Stoff ist genug da, Forscher auch, Mittel weniger, aber trotzdem.
    Herr Rautenbergs fester Glaube an die Wissenschaftsfeindlichkeit und den Verschwörungsglauben und die Impffeindlichkeit der Anthroposophen ist die eine Sache, Wissen wäre aber z.B. im Falle von angeblich völkischen Bauern und wissenschaftsfeindlichen Anthroposophen wirklich hilfreich und ich frage mich, ob er überhaupt Menschen aus diesem Umfeld persönlich kennt, ob er außer in dem (nicht benannten) „Krankenhaus“ schon mal in anthroposophischen Einrichtungen war (ich lade ihn gerne ein), ob er überhaupt versucht hat in diesen „Zirkel“ rein zukommen, was angeblich „sehr sehr schwierig“ sei, oder ob er nur wiederholt, was man bei z.B. google search finden kann, wenn man entsprechende Stichwörter eingibt. Fakten oder Nachweise führt er im Interview ja keine an (und die Interviewerin ist offenbar damit zufrieden).
    Insgesamt lohnte sich nur auf Herr Rautenbergs fröhlichen Stichwörtermix intensiver einzugehen, wenn er den Eindruck vermitteln könnte, er hätte sich auch mal ernsthaft mit Steiners Schriften befasst. Rautenberg behauptet, Steiner komme von Hundertsten ins Tausendste. Das ist offenbar Herrn Rautenbergs eigene Methode, wenn von der Esoterik bis zu einer nicht näher ausgewiesenen „EU-Ökoverordnung“ kommt und damit zeigt, dass er z.B. die mehrtägigen Kurse Steiners zu Medizin. Pädagogik, Landwirtschaft, Ökonomie nicht kennt, in denen ausführlich, intensiv und fokussiert ausschließlich das Thema behandelt wird.
    Es ist vielleicht auch nach acht Jahren Beschäftigung nicht so leicht, das umfangreiche Werk Steiners genau zu kennen, interessieren würde mich aber sehr, wo Herr Rautenberg eine Aussage Steiners gefunden hat, in der er sich zum Propheten erklärt haben soll.
    Bezüglich des Themas Esoterik könnte Herrn Rautenberg auch schon aufgefallen sein, dass es dazu inzwischen sogar Lehrstühle gibt. Erstaunlich ist auch, dass niemand die zahlreichen theologischen Lehrstühle und Fakultäten und kirchlichen Hochschulen als unwissenschaftlich angreift, obwohl ihr Lehrinhalt mehr oder weniger ausschließlich esoterisch ist. Vermutlich kann auch Herr Rautenberg nicht sicher sein, ob diese Esoteriker-Gruppe, Gott, Jesus, die Engel, den Himmel oder ähnliche esoterische Phänomene über die lehren und forschen, tatsächlich schon mal exoterisch wahrgenommen und naturwissenschaftlich vermessen haben. Anders als die anthroposophische Esoterik ist die amtskirchliche Esoterik und deren exoterische Organisationen gut in unserer Gesellschaft verankert.
    Ich ganz persönlich finde es ärgerlich, dass Herr Rautenberg den auch durch ewige Wiederholung nicht wahrer werdenden Antisemitismusvorwurf in seinen Glaubensinhalte aufnimmt und offenbar nichts weiß davon, dass es seit mindestens 40 Jahren pädagogische, therapeutische und organisationsgestaltende Einrichtungen in Israel gibt, deren Anzahl laufend steigt und die von Anfang an wichtige Vermittlungsarbeit zwischen jüdischen und palästinischen Menschen gleistet haben. Ich zumindest muss auch dies nicht glauben, sondern weiß das, durch eigene mehrfache exoterische Anschauung.
    Nach der offenbar langjährigen Fahndung Herrn Rautenbergs nach bösen esoterischen und anthroposophischen Phänomenen und ihrer ganzen Unwissenschaftlichkeit wäre es doch erfreulich und für alle Seiten erkenntnisfördernd, wenn er z.B. die Falsifizierungsthese Karl R. Poppers, die die aktuelle und selbstverständlich auch die anthroposophische wissenschaftliche Forschung nach wie vor methodisch bestimmt, auf seine eigenen Beobachtungen und Analysen anwenden, diese empirisch durch Fakten zu untermauern und sie damit der Wahrheit, d.h. dem aktuellen Stand der Erkenntnis etwas näher bringen würde.
    Ich bin sehr gespannt, ob medwatch, auch mal jemand aus dem anthroposophischen Bereich dazu interviewt, denn „falsche Berichterstattung“ möchte man ja dem eigenen Anspruch nach korrigieren.
    Dr. Gerhard Herz

    1. @ Gerhard Herz

      Zitat Gerhard Herz: “Zu der von Herrn Rautenberg bestrittenen Wissenschaftlichkeit hat er vielleicht übersehen, dass es z.B. die von Christian Clement herausgegebenem “Steiner Kritischen Ausgabe SKA” gibt (…)”

      Herr Herz, kennen Sie schon diesen Artikel:

      “Christian Clements ‘kritische Ausgabe der Schriften Rudolf Steiners’ (SKA): Des Steiners neue Kleider

      Die Anthroposophie versucht seit Jahren, Rudolf Steiner ein neues, positives und neutrales Image zu geben: weg vom “verstörenden” Esoteriker Steiner, hin zum bedeutenden Philosophen Steiner. Dass sich ein nach aussen hin renommierter Verlag, der “Frommann-Holzboog Verlag”, an dem anthroposophischen Betrug beteiligt, überrascht (…)”, https://hpd.de/artikel/11618

  9. Guter Herr Herz,

    Sie bedauern mich, sorgen sich gar um mein „Karma“? Ich muss dankend ablehnen. Das wäre, als wollten sie einem Atheisten mit der Hölle drohen – uns Ungläubige ficht das nicht an. Ihre Einlassungen sind ein Musterbeispiel dafür, wie einige Menschen anthroposophischen Glaubens mit Kritikern ihrer Lehre umgehen. Da findet sich der persönliche Angriff per Argumentum ad hominem, einige Unterstellungen, beispielsweise in Form des Strohmann-Arguments, der Kein-Wahrer-Schotte-Trugschluss – und so weiter. Dazu Ihre denkwürdige Fixierung auf die Person des Kritikers, anstatt auf seine Argumente – immerhin haben Sie meinen werten Namen gleich 14-mal in ihren Text eingebaut. Ich fühle mich geschmeichelt! Sie werden dennoch bitte verstehen, dass ich mich zu einer Diskussion nicht auf dieses Niveau herablasse.

    Herzlichst Ihr
    Oliver Rautenberg

  10. Bravo, Herr Rautenberg, auch dazu, dassSie alles so ruhig und sachlich vortragen.
    Mich bestürzt seit langem, dass sich so viele Menschen von Quacksalbern einfangen lassen. Ich verstehe die Ursache so, dass es für die meisten Menschen schwer ist, seriöse Wissenschaft als das zu begreifen, was sie tatsächlich ist: ein arbeitsintensiver Suchprozess mit Versuch und Irrtum, Zweifel und mitunter auch ziemlich hoher Zuverlässigkeit. Der Nicht-Wissenschaftler kann aber an der technischen Oberfläche erkennen, dass die Physik und nicht anthroposophische “Geisteswissenschaft” zur Deutung der Welt taugt: wäre es anders, würde kein Handy, kein Laser, keine Genanalyse und keine Impfung und und und funktionieren.
    Von Steiner ist keine Forschungsarbeit überliefert, die Beobachtungen mit Daten dokumentiert, die Theoriebildung durch Experimente überprüft etc – also keine Arbeit, kein Beweis, nur Geschwätz – wie bei Hahnemann oder Osteopathie, Bachblüten und Granderwasser.

  11. “Uns Ungläubige ficht das nicht an.” “Ein Agnostiker” also. Einer der glaubt, dass er nicht glaubt. Lieber Oliver Rautenberg, statt mich an Waldorfeinrichtungen abzuarbeiten, würde ich erst einmal Steiners “die Philosophie der Freiheit” l e s e n, um zu verstehen, was das ist: eine Wissenschaft vom Geist und was Freiheit. Und es dann Ihrem Anspruch gemäß (zusammen mit anderen Menschen), Wirklichkeit werden zu lassen.
    Sie dürfen auch 100 Jahre nach der Erstveröffentlichung noch gespannt sein!

    Hartmut Gehrke-Tschudi

    1. @ Hartmut Gehrke-Tschudi

      Rudolf Steiner als Philosoph und die Anthroposophie als “Wissenschaft vom Geist” zu verkaufen, haben schon viele versucht.

      Im Jahr 2019 profilierte sich Prof. Hartmut Traub von der anthroposophischen Alanus Hochschule mit einem ganz speziellen Versuch …:

      „Die Alanus Hochschule erfindet einen neuen Steiner

      „Esoteriker“, „Rassist“, „Scharlatan“ sind heute übliche Bezeichnungen für Rudolf Steiner. Das möchte die anthroposophische Alanus Hochschule ändern: „Philosoph“ oder „Wissenschaftler“ hört sich einfach besser an und verkauft sich auch viel leichter. Ein Dialog über den neuen Steiner.

      „Kannst Du ’sachadäquat multiperspektivieren‘?“

      (…)“

      weiter: https://hpd.de/artikel/alanus-hochschule-erfindet-einen-neuen-steiner-18488

      1. Sie scheinen Gedankenbildungen nur im Sinne von Verkaufen denken zu können. Da erhebt sich die Frage, was Sie zu verkaufen haben?

        1. @ Hartmut Gehrke-Tschudi

          Was meinen Sie mit “Gedankenbildungen”? Etwa auch die Phantasmagorien Rudolf Steiners? Soll man so etwas “verkaufen”, wie es die Anthroposophie tut? Zitat Rudolf Steiner:

          “Wie wir Vorrichtungen haben, um die in den Steinkohlen schlummernde Kraft in unseren Lokomotiven in Bewegungskraft umzubilden, so hatten die Atlantier Vorrichtungen, die sie – sozusagen – mit Pflanzensamen heizten, und in denen sich die Lebenskraft in technisch verwertbare Kraft umwandelte. So wurden die in geringer Höhe über dem Boden schwebenden Fahrzeuge der Atlantier fortbewegt. Diese Fahrzeuge fuhren in einer Höhe, die geringer war als die Höhe der Gebirge der atlantischen Zeit, und sie hatten Steuervorrichtungen, durch die sie sich über diese Gebirge erheben konnten.

          Man muß sich vorstellen, daß mit der fortschreitenden Zeit sich alle Verhältnisse auf unserer Erde sehr verändert haben. Die genannten Fahrzeuge der Atlantier wären in unserer Zeit ganz unbrauchbar. Ihre Verwendbarkeit beruhte darauf, daß in dieser Zeit die Lufthülle, welche die Erde umschließt, VIEL DICHTER war als gegenwärtig. Ob man sich nach heutigen wissenschaftlichen Begriffen eine solch größere Dichte der Luft leicht vorstellen kann, darf uns hier nicht beschäftigen. Die Wissenschaft und das logische Denken können, ihrem ganzen Wesen nach, niemals etwas darüber entscheiden, was möglich oder unmöglich ist. Sie haben nur das zu erklären, was durch Erfahrung und Beobachtung festgestellt ist. Und die besprochene Dichtigkeit der Luft steht für die okkulte Erfahrung so fest, wie nur irgendeine sinnlich gegebene Tatsache von heute feststehen kann. – Ebenso steht fest aber auch die vielleicht der heutigen Physik und Chemie noch unerklärlichere Tatsache, daß damals das WASSER auf der ganzen Erde viel dünner war als heute. Und durch diese Dünnheit war das Wasser durch die von den Atlantiern verwendete Samenkraft in technische Dienste zu lenken, die heute unmöglich sind.”

          siehe dazu: “Rudolf Steiners rassistischer Science-Fiction-Trash: Aus der Akasha-Chronik”, https://hpd.de/artikel/10883

  12. Ihnen gegenüber hätte Steiner bestimmt nicht aus der Akascha Chronik vorgetragen. Er hatte damals 1910 – und besonders in der theosophischen Gesellschaft – ein anderes Publikum vor sich. Um Rudolf Steiner gerecht zu werden, müssen Sie, was den historischen Kontext, eines von Bismarck gegründeten Nationalstaats und seinem Kulturleben am Ende des 19. Jahrhunderts mit einem Kaiser Wilhelm an der Spitze angeht, glaube ich noch einiges an Phantasie aufbringen. Damals, mit seinem wirtschaftlichen Imperialismus erst am Anfang, waren die Menschen anders „aufgeklärt“ als wir heute zumal in einer Millionenstadt wie Berlin. Obwohl augenblicklich der Umbruch dort nicht weniger heftig ist und sogar gewisse Parallelen hat.

    Ich empfehle Ihnen das Buch von Manfred Kannenberg: „Rudolf Steiner in Berlin“ aus dem Berliner Verlag Für Anthroposophie: ISBN978-3-03769-028-4. Da können Sie ein wenig in die Zeit des damaligen geistigen Umbruchs eintauchen.

    Rudolf Steiner hat seinen Doktor 1892 – 31 jährig – mit dem Thema gemacht: “Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichte. Prolegomena zur Verständigung des philosophierenden Bewusstseins mit sich selbst.“ (Diese Dissertation erscheint später als Buch: „Wahrheit und Wissenschaft. Vorspiel eine Philosophie der Freiheit“!)
    Daran müsste sich doch als Humanist mit mehr Gewinn anknüpfen können.

    1897 in Berlin gibt Steiner das Magazin für Litteratur heraus. Da war er 39 Jahre alt. Es entwickelten sich zahllose Kontakte mit Kulturtätigen aller Geistesrichtungen. 1900 begründete sich mit seiner und Wilhelm Bölsches Mitwirkung in Berlin der Giordano Bruno Bund. Er hatte mit Rosa Luxemburg Kontakte. Von 1899 bis 1905 war er Dozent für Geschichte an Wilhelm Liebknechts “Arbeiterbildungsschule”. Die Vorträge wurden teilweise mitgeschrieben und verteilt. Sie finden sie heute in der Steiner Gesamtausgabe GA 51: “Über Philosophie, Geschichte und Literatur 1901-1905“ und sind immer noch sehr anregend.

    Auch als Vortragsredner war er offenbar sehr geschätzt. 1900, zu Gutenbergs 500. Geburtstag in Berlin, strömten 7000 Drucker und Setzer zu seinem Vortrag über Johannes Gutenberg in den Zirkus Schuhmann! Die Polizei musste den Ansturm stoppen, weil die überfüllten Ränge einzustürzen drohten.

    Vor dieser Zeit, von 1890 bis 97 in Weimar, arbeitete er inmitten der fortschrittlichen Geistesströmungen der damaligen Zeit im Goethe Schiller-Archiv an der Sophien-Ausgabe.

    Wollen sie wirklich bei ihrem abfälligen Urteil über Rudolf Steiner bleiben?

    1. @ Hartmut Gehrke-Tschudi

      Ich habe Rudolf Steiners Doktorarbeit mehrmals gelesen, weil ich darüber einen Artikel schreiben wollte.

      Ich finde dort aber gar keinen Ansatzpunkt für eine Philosophie-Kritik, im Sinne von: „Die Aussage, dass »…«, ist falsch, weil »…«“, so, wie es zum Beispiel Bertrand Russell – auf sehr unterhaltsame Art – in „Philosophie des Abendlandes“ tut (in der Steiner natürlich nicht auftaucht).

      Steiner macht in seiner Doktorarbeit keine falsifizierbaren Aussagen, weil er nicht klar formuliert, keine sauberen philosophischen Hypothesen aufstellt. Die Kritik bestünde dann darin, festzustellen, dass Steiner NICHTS sagt. Aber um das wirklich nachzuweisen, müßte ich 59 Seiten als Zitat bringen, seine gesamte Doktorarbeit …: „seht her, da ist nichts!“

      Rudolf Steiners Doktorarbeit online: “Wahrheit und Wissenschaft“, http://anthroposophie.byu.edu/schriften/003.pdf

  13. Andreas Lichte:
    …: „seht her, da ist nichts!“

    In Deinem NICHTS, lieber Andreas Lichte, hoff` ich das All zu finden!
    Frei nach Goethes Faust: Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 1. Akt, Finstere Galerie, Faust zu Mephistopheles

    Ich kann leider nicht nachvollziehen, wie Sie zu so einem leichtfertigen Urteil über Steiners erkenntnistheoretische Arbeit und seine sonstigen sämtlichen erkenntnistheoretischen philosophischen Werke kommen. Ihre Florettfechtkünste a la „falsifizieren“ und „fehlenden sauberen philosophischen Hypothesen in seiner Doktorarbeit“ erkenne ich an, sie fruchten bei mir nicht. Ich bin in keinem philosophischen Seminar.

    Sollten Sie weiter willens sein, an Steiner Ihr Licht zu entzünden, könnte ich ihnen noch Rudolf Steiners Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften empfehlen. http://anthroposophie.byu.edu/schriften/001.pdf.
    Bei Goethe vollendet sich eine Epoche und beginnt, indem sie in seinen naturwissenschaftlichen Arbeiten über Kant hinausgeht, eine völlig neue Sehweise in der exakten Wissenschaft.

    Wieso ein Bertrand Arthur William Russel, 3. Earl Russel, seit 1908 Fellow der Royal Society, Rudolf Steiner, den deutschen Herausgeber einer Kulturzeitschrift im wilhelminischen Berlin, jemanden, der wie er, Naturwissenschaftler, Mathematiker und Philosoph war, nicht kannte, ist bei Russels sozialem Engagement und Selbstverständnis, eigentlich ein kleines Rätsel. Zumal Steiner schon früh in England Vorträge hielt. Jener Rudolf Steiner war gar Sohn eines Bahnhofwärters im hinteren Österreich, jemand, der sich sein Studium an der Technischen Hochschule in Wien mit dem Unterrichten von Schülern selbst finanzieren musste indem er Gymnasiasten bis zur Studienreife führte und dabei, da er nur eine Realschule besucht hatte, sich auch noch selbst Griechisch und Latein beibringen musste, um seine Hochschulreife zu erlangen! Dass Russel bei seinem immer wieder neu ansetzenden Ringen um Erkenntnisfragen, seinem sozialen Engagement und Eintreten für ähnliche Ziele, wie Pazifismus und Abschaffung der sozialen Ungleichheit durch Sozialismus, seinen Bildungsvorstellungen – er hat zusammen mit seiner Frau sogar eine eigene Schule gegründet – Steiner nicht kannte, geschweige denn, mit dem elf Jahre älteren eine Begegnung herbeiführte, ist vielleicht nur mit dem grossen Standesunterschied der zwischen Ihnen herrschte und nationalen Gesinnungen zu erklären. Ein kleines Rätsel, das Ihrer Aufmerksamkeit und Ihrer Untersuchung wert wäre und für die Menschheit von größerer Bedeutung, als ihr Zetern gegen harmlose, fehlbare Anthroposophen.

    In dem Zusammenhang wäre auch noch das große Rätsel der sozialen Frage im Zusammenhang mit der Frage nach der Ordnung eines Staats- und Wirtschaftswesens zum Nutzen seiner Menschen und nicht irgend einer Herrschaftsgruppe und die Nationalitätenfrage dazu (!) zu lösen!

    Bertrand Russels Buch trägt im Englischen übrigens den Titel: „Eine Geschichte der westlichen Philosophie.“ Der Begriff Abendland, den die deutschen Ausgabe führt, war nie in seinem Kopf. Ein Begriff, der einmal in der Kultur des deutschen Idealismus im Bereich Mitteleuropas noch einmal lebendig wurde und weltweit geachtet war, der aber nach dem ersten Weltkrieg und in den Bombennächten des zweiten Weltkriegs endgültig ausgelöscht wurde.

    1. @ Hartmut Gehrke-Tschudi

      Hartmut Gehrke-Tschudi, Zitat: “Wieso … Bertrand … Russell, …, Rudolf Steiner … nicht kannte, ist … ein kleines Rätsel.”

      Ob Bertrand Russell Rudolf Steiner “nicht kannte”, können wir gar nicht wissen – wir wissen nur, dass Bertrand Russell in seinen Schriften nichts über Rudolf Steiner sagt.

      Man könnte mutmaßen, dass Steiner für Bertrand Russell einfach zu unbedeutend war: eine eigene Philosophie hat Rudolf Steiner ja nicht entwickelt. Worüber sollte Bertrand Russell da schreiben? Siehe meinen Kommentar oben: https://medwatch.de/2020/11/30/die-anthroposophie-ist-ein-verschwoerungsmythos/#comment-675

      1. Freuen Sie sich! Sie haben noch eine große Entdeckung vor sich. Eine, von der Sie noch nicht anfänglich eine Ahnung haben – vergleichbar der Entdeckung eines neuen Kontinents oder, auf heute bezogen, eines neuen Milchstraßensystems – Steiners „Philosophie der Freiheit“ http://anthroposophie.byu.edu/schriften/004.pdf.

        Was es dazu braucht, ist das unbefangene, vorurteilslose Aufnehmen seines Inhalts. Die erste Voraussetzung des Geistesforschers auf dem Weg zur Erkenntnis.

        Was Betrand Russel angeht, vermute ich eher, dass es ihm, dessen Muttersprache ja nicht Deutsch war, schwer gewesen wäre, Steiner in seine Gedankenhöhen überhaupt folgen zu können. Was im gewissen Sinne verhängnisvoll war! Steiners Gedanken hätten ihm und uns (!) auf seiner Suche nach einem Bild des Menschen und der Lösung der sozialen Frage, manchen Umweg erspart und die Weltgemeinschaft einen gehörigen Schritt voran gebracht und wir Alle wären nach dem ersten Weltkrieg, und den vielen, vielen hoffnungsvollen Ansätzen in den zwanziger Jahren, nicht erneut in einen apokalyptischen Weltkrieg hinein getrieben worden.

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