Globuli-Lehre an Unis und in Apotheken Medizinstudierende fordern Ende der Sonderregeln für Homöopathie

(Foto: ElliRakete / Pixabay)

Während Ärzteverbände sich bislang oftmals für den Erhalt homöopathischer Leistungen ausgesprochen haben, setzt der Nachwuchs nun ein Zeichen: Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland spricht sich „gegen eine Anwendung in der medizinischen Therapie aus“.

Dass es keine Evidenz für die Wirksamkeit homöopathischer Therapien gibt ist klar, schreibt die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) in einem kürzlich beschlossenen Grundsatzpapier. „Sie sieht deswegen den bestehenden Umgang mit der Homöopathie in der Arzneimittelzulassung, medizinischen Versorgung, Öffentlichkeit und der medizinischen Lehre kritisch“, heißt es. „Die bvmd fordert, dass die Sonderstellung der homöopathischen Arzneimittel im Arzneimittelgesetz genauso wie die Apothekenpflicht durch den Gesetzgeber aufgehoben werden und die Homöopathie aus dem Leistungsangebot der gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen wird.“ Letztere versprächen sich „vor allem einen Gewinn an Versicherten, nicht jedoch eine wirksame Therapiealternative“.

Auch bei der ärztlichen Aus- und Weiterbildung sollte eine kritische Auseinandersetzung auf wissenschaftlicher Grundlage mit der Thematik erfolgen, fordern die Studierenden – denn homöopathische Behandlungen beruhten nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen. Die Anerkennung im Rahmen ärztlicher Weiterbildungen fördere den Eindruck, Homöopathie sei evidenzbasiert.

Präsident der Bundesärztekammer schwärmte von Homöopathie

Es sei „sehr problematisch“, dass sie in immer noch vielen Bundesländern als Zusatzbezeichnung geführt wird – wie andere Therapiemöglichkeiten, die evidenzbasiert sind. „Es ist eine Tatsache, dass Homöopathie vielen Menschen hilft“, hatte der langjährige Bundesärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery behauptet – sein Nachfolger Klaus Reinhardt hat bislang nicht explizit in die Debatte eingemischt.

Die Anerkennung der Homöopathie durch die Bundesärztekammer könne bei Patienten „einen falschen Eindruck“ erwecken, kritisieren die Studierenden. An Universitäten sollte sie daher nur im Kontext der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie oder Geschichte auf der Basis des aktuellen Forschungsstandes gelehrt werden. 15 von 39 medizinischen Fakultäten in Deutschland nutzten die in der ärztlichen Approbationsordnung geschaffene Möglichkeit, Homöopathie als Wahlfach anzubieten. Dass die für die Homöopathie lobbyierende Carstens-Stiftung und der Zentralverein Homöopathischer Ärzte dies finanziell unterstützt, sei problematisch, erklärt die bvmd: „Durch die Mitbeteiligung dieser Interessenverbände an der universitären Lehre kommt es zu Interessenkonflikten und eine evidenzbasierte Auseinandersetzung mit der Homöopathie kann nicht in ausreichendem Umfang gewährleistet werden.“

Gefährdung der Patienten

Zwar sei der geschätzte Umsatz mit homöopathischen Arzneimitteln von rund 670 Millionen Euro relativ gering – es würden aber über 54 Millionen Arzneimittelpackungen abgegeben, „für welche kein Wirksamkeitsnachweis vorliegt. Die Medizinstudierenden sprechen sich „stark für eine evidenzbasierte Behandlung unserer Patient_innen aus“ – der bisherige Umgang mit Homöopathika müsse daher grundlegend überdacht werden. Die Sonderregelung zur Markteinführung von homöopathischen Arzneimitteln ohne die Pflicht eines Wirksamkeitsnachweises stelle „eine Täuschung und damit potentielle Gefährdung“ der Patienten dar. Anstatt das Homöopathika erstattet werden, sollte die sprechende Medizin mehr Wertschätzung erfahren – so auch mehr finanzielle Wertschätzung, fordern die Medizinstudierenden.

Nach Ansicht der Studenten soll auch die Apothekenpflicht von Homöopathika aufgehoben werden, wodurch sie etwa auch in Supermärkten verkauft werden dürften. Eine Beratung in der Apotheke stelle „keine Garantie für evidenzbasierte Entscheidungen dar“, argumentieren sie: Eine Studie hatte etwa ergeben, dass Apotheken ihre Kunden oft nicht nach dem Stand der Wissenschaft über Homöopathika aufklären.

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4 Kommentare zu „Medizinstudierende fordern Ende der Sonderregeln für Homöopathie

  1. Damit treffen die Studierenden vom bvmd den Nagel auf den Kopf.

    Wenn die ärztliche Kommunikation weiterhin mit lächerlichen 4,36 € vergütet wird, so wird es weiterhin viele Menschen geben, die sich in der “albernen Homöopathie” wohler fühlen als in der Medizin.

    Ein erster Schritt heraus aus dieser fatalen Situation könnte sein – analog zur Regelung in der PKV :

    Einführung einer Position “Intensivberatung” – z.B. 100.- € / 45 Min. für

    Tumorerkrankung
    V.a. Depression
    Polymorbidität

  2. Was ist die Quelle dafüe: “Zwar sei der geschätzte Umsatz mit homöopathischen Arzneimitteln von rund 670 Millionen Euro relativ gering”?
    Und übrigens: Am Ende des Texts sind es dann doch wieder “Studenten”?

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