Auf der Homepage der Charité-Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie fand sich bis zum gestrigen Montag ein Text, der die Homöopathie stark bewarb: „Aus empirischer Sicht ist die Wirkung homöopathischer Höchstpotenzen unbestritten hieß es dort. Diese Aussage steht in völligem Widerspruch zum Stand der heutigen Wissenschaft. In der langen Abhandlung fanden sich dann beispielsweise Aussagen, homöopathische Medizin könne „auch bei schwersten Krankheitszuständen Heilung oder eine Verbesserung der Beschwerden bieten“ oder Patienten würden die „homöopathische Wirkung“ als „sanfte Verbesserung der Beschwerden“ erleben.

Wie kann es sein, dass auf der Webseite einer angesehenen Uniklinik wie der Charité derart unwissenschaftliche Aussagen getätigt werden können – und das auch noch im Bereich der Kinderonkologie? Ende vergangener Woche wurde der Beitrag in den Sozialen Medien stark kritisiert: Der Alternativmedizin-Experte Edzard Ernst fragte etwa, wer für den „Mega-Bullshit“ verantwortlich sei.

Rund eine Stunde, nachdem MedWatch bei der Pressestelle der Charité nachfragte, welche Belege sie für die zweifelhaften Aussagen zur Homöopathie hätte, war der Eintrag nicht mehr erreichbar. „Wir können uns zurzeit noch nicht erklären, wie dieser Online-Beitrag entstanden ist“, sagt eine Pressesprecherin. Offenbar war der Beitrag zwar über Google zu finden, nicht aber von anderen Charité-Seiten verlinkt. „Es ist kein Beitrag, der aktiv über die Seite auffindbar war“, sagt die Sprecherin.

Sie betont außerdem, dass die Charité als Uniklinik für „wissenschaftsbasierte Therapiekonzepte“ stehe. Der Beitrag zur Homöopathie sei dauerhaft vom Webauftritt der Kinderonkologie genommen. „Wir distanzieren uns ganz klar“, sagt die Sprecherin.

Die Seite zur Homöopathie war bislang dem Bereich der Arbeitsgruppe „Integrative Medizin in der pädiatrischen Onkologie“ zugeordnet. Deren Leiter Georg Seifert habe von dem Beitrag nichts gewusst, erklärt die Charité-Sprecherin. „Wir finden es sehr ärgerlich, dass so etwas passiert ist.“

„Das ist ja ein ganz sensibles Thema“, erklärt der Kinderarzt Seifert auf Nachfrage. Er wollte auf die Fragen zunächst nicht antworten, sondern verwies lediglich auf die Pressestelle. „Wir werden oft instrumentalisiert von verschiedenen Seiten“, sagte er. Näher erläutern wollte Seifert dies jedoch nicht.

Die Charité will in den nächsten Tagen herausfinden, wie der Homöopathie-Beitrag entstanden ist. „Wie dieser den Weg ins Internet geschafft hat, versuchen wir gerade noch intern zu klären“, sagt die Kliniksprecherin.

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