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Homöopathie-Weiterbildung Baden-Württembergs Gesundheitsminister kündigt Ärzteschaft fachliche Überprüfung an

Globuli aus einem Fläschchen
Zwölf von 17 Landesärztekammern sind sich einig: Homöopathie gehört nicht länger in medizinische Weiterbildungsordnungen. © Bruno Germany / Pixabay

Baden-Württembergs Ärztekammer spricht sich gegen Homöopathie in der Weiterbildungsordnung aus. Baden-Württembergs Gesundheitsminister widerspricht. Wer hat das letzte Wort, wenn es um die Homöopathie-Weiterbildung geht?

Zwölf von 17 Landesärztekammern sind sich einig: Homöopathie gehört nicht länger in medizinische Weiterbildungsordnungen. Zusatzweiterbildungen müssen auf Evidenz basieren. Schließlich existiert nach jahrelanger Forschung für homöopathische Verfahren kein einziger Wirksamkeitsnachweis, der über einen Placebo-Effekt hinausgeht. Auch die Landesärztekammer Baden-Württemberg entschied im Juli 2022, künftig keine Homöopathie-Weiterbildungen mehr anzubieten.

Was bedeutet diese Entscheidung konkret? Homöopathische Verfahren bleiben Ärzten und Ärztinnen in Anamnese, Diagnostik und Therapie erlaubt. Haben sie sich in Homöopathie weitergebildet, dürfen sie auch zukünftig im Internet und auf ihrem Praxisschild mit der Zusatzbezeichnung werben. Hilfesuchende können sich weiterhin frei für oder gegen Homöopathika entscheiden und sich Kosten von gesetzlichen Krankenkassen erstatten lassen.

Für angehende Ärzte und Ärztinnen allerdings bieten Ärztekammern in Zukunft keine Homöopathie-Weiterbildungen mehr an. Mediziner und Medizinerinnen können in diesem Bereich keine Zusatzbezeichnung mehr erlangen. Der Anstrich evidenzbasierter Praxis wird homöopathischen Verfahren weiter entzogen.

Beim Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg stieß diese Entscheidung auf wenig Gegenliebe. Gesundheitsminister Manfred Lucha – Unterstützer des Wirtschaftsstandorts großer Homöopathie-Hersteller – kündigte der Landesärztekammer öffentlich eine umfangreiche Kontrolle der Änderungssatzung an. Sein Ministerium werde den Beschluss „fachlich und rechtlich genau überprüfen“, erklärte er.

Können politische Entscheidungsträger Beschlüsse einer Landesärztekammer fachlich prüfen und vielleicht sogar für nichtig erklären?

Tatsächlich bedürfen Änderungen einer Weiterbildungsordnung der Genehmigung durch die jeweilige Aufsichtsbehörde. Im Fall einer Landesärztekammer handelt es sich dabei um das Gesundheitsministerium des Bundeslandes. Doch das Heilberufe-Kammergesetz von Baden-Württemberg stellt in §8 Abs. 3 klar: „Die Aufsicht [ist] darauf beschränkt, die Einhaltung dieses Gesetzes und der auf Grund seiner Bestimmungen erlassenen Vorschriften zu überwachen.“ Das baden-württembergische Gesundheitsministerium kann also ausschließlich prüfen, ob die Landesärztekammer alle rechtlichen Vorgaben eingehalten hat. Eine fachliche Prüfung steht ihm – entgegen den Worten von Gesundheitsminister Lucha – nicht zu.

Ohne Zweifel ist es kein Rechtsverstoß, eine evidenzlose Zusatzqualifikation aus einer Weiterbildungsordnung entfallen zu lassen. Erst im Januar 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht eine entsprechende Änderung der Weiterbildungsordnung der Bremer Ärzteschaft. Die Überprüfung der Satzungsänderung durch das baden-württembergische Gesundheitsministerium kann also nur zu einem Ergebnis kommen – der Genehmigung.


Redaktion: Nicole Hagen, Martin Rücker


Korrektur

Eine frühere Version des Textes behauptete, Mediziner und Medizinerinnen könnten im Bereich Homöopathie keine Facharztanerkennung mehr erlangen. Den Satz haben wir korrigiert.