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Pharmakologe und Gesundheits­wissenschaftler Gerd Glaeske ist tot

Gerd Glaeske, Pharmazeut und Mitglied des MedWatch-Beirats. Foto: Raphael Huenerfauth / dpa
Gerd Glaeske, Pharmazeut und Mitglied des MedWatch-Beirats. Foto: Raphael Huenerfauth / dpa

Der Pharmakologe Gerd Glaeske ist am Freitag nach langer Krankheit gestorben. Er wurde 77 Jahre alt. Glaeske war Mitglied des Beirats von MedWatch.

Gerd Glaeske hat in Aachen und Hamburg Pharmazie studiert. Seit 1999 hatte
er an der Universität Bremen eine Professur für Arzneimittelforschung inne. Er
gab den Arzneimittelreport heraus (bis 2015), war Mitarbeiter des
Nachschlagewerks „Bittere Pillen“ und Talkgast in vielen Fernsehsendungen. In
der BILD bewertete er diverse Nahrungsergänzungsmittel, etwa gegen Erkältung –
was ihm durchaus die Kritik nicht weniger seiner Kollegen einbrachte. Zwischen
2003 und 2010 war Glaeske Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung
der Entwicklung im Gesundheitswesen. Zu seinen letzten Forschungsschwerpunkten
gehörte die Suchtgefahr von Opiaten.

Als der Hersteller Hevert in 2019 Kritiker homöopathischer Produkte mit
Abmahnungen aufforderte, ihre Äußerungen zu unterlassen, gehörte neben Natalie
Grams-Nobmann auch Gerd Glaeske zu den Adressaten. Er hatte in einer ARDARD Die ARD ist die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland. Im gesetzlichen Auftrag produzieren die Landesrundfunkanstalten der ARD mithilfe des Rundfunkbeitrages nationale und regionale Programme für Hörfunk und Fernsehen, Videotext- und Onlineangebote.-Sendung
erklärt „bei homöopathischen Mitteln fehlt bisher grundsätzlich bei allen
Mitteln, die homöopathisch daherkommen, ein Wirksamkeitsnachweis“. Zugleich
hatte er in der „Süddeutschen Zeitung“ erklärt , wissenschaftlich gesehen sei
ein Zirkelschluss als Wirksamkeitsnachweis nicht akzeptabel. Glaeske hat die
Unterlassungserklärung damals unterschrieben.

Seit Beginn der Corona-Pandemie verfasste er mit weiteren Gesundheits- und
Politikwissenschaftlern Stellungnahmen, in diesen wurde die epidemiologische Problemlage
wissenschaftlich betrachtet und Methoden zur Krisenbewältigung kritisch
behandelt. Diese Papiere wurden teils widersprüchlich eingeschätzt.

Gerd Glaeske, der als Experte auch für die Stiftung Warentest tätig gewesen
ist, war MedWatch-Unterstützer der ersten Stunde und Mitglied unseres Beirats.
Wenn ihm ein Thema sehr wichtig war, rief er an. Wenn es etwas Zeit hatte,
schrieb er eine Mail. Wir danken ihm für seine Unterstützung.