<

Frauenarzt therapiert mit schädlichen Mitteln Und keiner tut was

© Screenshot www.dr-hofmann.net/krebsbehandlung.html

Eine Leserin fragt, warum ein Frauenarzt für Therapien mit nicht zugelassenen Substanzen werben darf. Bundesbehörden haben bereits vor Jahren Warnungen für diese ausgesprochen. Der Fall zeigt, welche systematischen, gesundheitsgefährlichen Lücken es im System gibt.

Der kafkaeske Weg durch die Behörden und Kammern beginnt mit einem Tweet. Uns erreicht die Zuschrift einer Leserin, ein Frauenarzt aus Hessen biete auf seiner Website „komplementäre Krebstherapien“ an – darauf würden allerlei nicht zugelassene und gesundheitsgefährliche Mittel beworben. Darf der das?

Ein Blick ins Netz zeigt: Der Frauenarzt Ingo H. bietet auf seiner Praxishomepage nicht nur Leistungen in den Bereichen „moderne Frauenheilkunde“, „Ästhetik“ oder „Schwangerschaft“ an. Unter dem Menüpunkt „Kompl. KrebstherapieKrebstherapie Eine Krebstherapie ist immer spezifisch auf die jeweilige Tumorart angepasst, da Krebs keine spezifische Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen ist, die auf gleichen Grundlagen beruhen. Auch ist der Verlauf einer bösartigen Tumorerkrankung von Mensch zu Mensch individuell. Es existieren neben weiteren Methoden drei zentrale Säulen in der Krebsbehandlung: Operation, Strahlen- und Chemotherapie.“ wirbt er für den Einsatz verschiedener fragwürdiger Mittel und Therapien. Vor einigen von ihnen warnen das Bundesinstitut für ArzneimittelArzneimittel Arzneimittel sind Stoffe oder Zubereitungen aus Stoffen, die angewandt werden, um Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder Beschwerden zu heilen, zu lindern oder zu verhüten. Es kann sich hierbei ebenfalls um Mittel handeln, die dafür sorgen, dass Krankheiten oder Beschwerden gar nicht erst auftreten. Die Definition beinhaltet ebenso Substanzen, die der Diagnose einer Krankheit nutzen oder seelische Zustände beeinflussen. Die Mittel können dabei im Körper oder auch am Körper wirken. Das gilt sowohl für die Anwendung beim Menschen als auch beim Tier. Die gesetzliche Definition von Arzneimitteln ist im § 2 Arzneimittelgesetz (AMG) enthalten. und MedizinprodukteMedizinprodukte Medizinprodukte sind z.B. Implantate, Katheder, Infusionen, Herzschrittmacher und Co. Sie definieren sich durch eine vom jeweiligen Hersteller bestimmte medizinische Zweckbestimmung für die Anwendung beim Menschen. Anders als bei Arzneimitteln entfaltet sich ihre Hauptwirkung auf physikalische Weise. Verschiedenste Vorgaben regeln das Inverkehrbringen und die Inbetriebnahme von Medizinprodukten. Dadurch soll für die Sicherheit und Eignung der Medizinprodukte gesorgt werden. Es geht hierbei zudem um den Schutz von Patienten, Anwendern und Dritter. (BfArMBfArM Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist zuständig für die Zulassung und Registrierung von Arzneimitteln, Arzneimittelsicherheit (Pharmakovigilanz) sowie für die Risikoerfassung und -bewertung von Medizinprodukten. Es regelt sowohl das legale Inverkehrbringen von Betäubungsmitteln und ihren Ausgangsstoffen als auch deren Herstellung, Anbau und Handel. Das BfArM agiert ebenso dafür Forschung und regulierende Tätigkeiten miteinander zu vernetzen.) oder das Bundesinstitut für RisikobewertungBundesinstitut für Risikobewertung Das BFR, das Bundesinstitut für Risikobewertung, ist eine Bundesbehörde die dem BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) zugeordnet ist. Sie soll unabhängig von wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Interessen z.B. die Sicherheit von Lebensmitteln, Chemikalien, Bioziden, Pflanzenschutzmitteln, Textilien, Lebensmittelverpackungen, Kosmetika und Tabakerzeugnisse bewerten. Auch die Bewertung gentechnisch veränderter Organismen in Lebens- und Futtermitteln, Pflanzen und Tieren zählt hier dazu. Die wissenschaftsbasierte Risikobewertung geschieht als Grundlage für den gesundheitlichen Verbraucherschutz innerhalb und außerhalb von Deutschland. (BfRBfR Das BfR, das Bundesinstitut für Risikobewertung, ist eine Bundesbehörde die dem BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) zugeordnet ist. Sie soll unabhängig von wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Interessen z.B. die Sicherheit von Lebensmitteln, Chemikalien, Bioziden, Pflanzenschutzmitteln, Textilien, Lebensmittelverpackungen, Kosmetika und Tabakerzeugnisse bewerten. Auch die Bewertung gentechnisch veränderter Organismen in Lebens- und Futtermitteln, Pflanzen und Tieren zählt hier dazu. Die wissenschaftsbasierte Risikobewertung geschieht als Grundlage für den gesundheitlichen Verbraucherschutz innerhalb und außerhalb von Deutschland.) jedoch schon seit längerer Zeit.

H. hat laut seiner Website etwa das Protein „GcMAFGcMAF GcMAF – Gc-protein derived macrophage activating factor – wird im Internet als Allheilmittel angeboten. So soll es Krebserkrankungen, Autismus, diverse Virusinfektionen (verursacht z.B. durch HIV und Hepatitis-Viren) und Autoimmunerkrankungen heilen können. GcMAF ist ein im Körper natürlich vorkommender Proteinkomplex. Grundlage für den angepriesenen Behandlungserfolg der kostenintensiven Therapie mit GcMAF soll die Aktivierung von Makrophagen sein. Makrophagen sind ein essenzieller Bestandteil des angeborenen Immunsystems und so für die unspezifische Immunantwort gegenüber körperfremden Stoffen und Organismen verantwortlich. Die bisherigen Publikationen zu diesem Thema weisen jedoch erhebliche Unstimmigkeiten auf und wurden von den entsprechenden Journalen größtenteils zurückgezogen.“ im Portfolio. Dieses soll als sogenannte „Immuntherapie“ nicht nur gegen KrebsKrebs Statt eine spezifische Krankheit zu benennen, handelt es sich bei Krebs um einen Sammelbegriff für verschiedene Krankheiten. Ihnen allen gemeinsam ist jedoch das unkontrollierte Wachstum von Körperzellen, aufgrund eines Ungleichgewichts zwischen Zellwachstum und Zelltod. Die Folge daraus ist – außer bei Blutkrebsarten – eine Geschwulst ohne organspezifische Funktion. Dringt diese in das umliegende gesunde Gewebe ein, spricht man von bösartigen Tumoren; ausschließlich bösartigen Tumore werden als Krebs bezeichnet. Krebs kann zudem metastasieren, d.h. er breitet sich im Körper aus, indem die Krebszellen über Blut- und Lymphbahnen wandern und infolgedessen in anderen Organen Tochtergeschwülste bilden., sondern etwa auch gegen HIVHIV HIV – Human Immunodeficiency Virus; zu Deutsch: »Humanes Immundefizienz-Virus« ist ein Virus, welches AIDS auslösen kann. AIDS ist die Abkürzung für Acquired Immunodeficiency Syndrome, was mit »Erworbenes Immunschwächesyndrom« übersetzt werden kann. Durch eine Infektion mit dem HI-Virus kommt es zu einer Schwächung des körpereigenen Immunsystems, so dass zumeist unproblematisch verlaufende Krankheiten zu einem Problem werden. Eine Infektion mit HIV wurde zum ersten Mal 1981 diagnostiziert und hat sich seitdem zu einer Pandemie entwickelt. Die Therapie wurde in den letzten Jahren massiv verbessert, so dass Infizierten ein wesentlich längeres Leben mit hoher Qualität ermöglich wird. und AutismusAutismus Autismus ist ein Sammelbegriff, der verschiedene Entwicklungsstörungen benennt: die sog. Autismus-Spektrum-Störungen. Dabei handelt es sich um tiefgreifende neurologische Entwicklungsstörungen, die das soziale Leben erschweren, zu Problemen mit sozialen Kontakten führen, und auch Einfluss auf die Kommunikation und Sprache haben. Sie wirken sich ebenso auf das Verhaltensrepertoire aus uns führen zu stereotypen Handlungen. Autismus äußert sich in Art, Ausprägung und Schwere sehr individuell. Manche entwickeln nur leichte Symptome, andere sind schwer beeinträchtigt. Es gibt z.B. den frühkindlichen Autismus, das Asperger-Syndrom und den atypischen Autismus. Es kann zu Intelligenzminderung oder zu Inselbegabungen (Savant-Syndrom) kommen. helfen. Für dieses Mittel warb auch die Fernsehmoderatorin Miriam Pilhau, die an BrustkrebsBrustkrebs In Deutschland ist Brustkrebs die zurzeit häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Das Risiko für ein Mammakarzinom steigt mit zunehmendem Alter. Bei Männern tritt er nur selten auf. Wird er frühzeitig erkannt bestehen sehr gute Heilungschancen durch operative Entfernung, Bestrahlung und Chemotherapie. Risikofaktoren sind auf der einen Seite das Geschlecht, auf der anderen Seite spielen Alter, genetische Veranlagung hormonelle Faktoren oder ein ungesunder Lebensstil eine wichtige Rolle. erkrankt war und vor vier Jahren verstarb.1https://scilogs.spektrum.de/lifescience/gcmaf-krebs-und-immuntherapie-unterstuetzen-predatoryjournals-den-glauben-an-scharlatanerie/ GcMAF ist in Deutschland nicht zugelassen. Studien in renommierten Fachmagazinen, die eine Wirkung von GcMAF belegen sollten, sind längst zurückgezogen. Dennoch sind Kliniken bekannt, in denen Patienten bis zu 28.600 Euro für eine Behandlung zahlen müssen. Pilhau hatte viel Hoffnung in dieses Mittel gesetzt, eine weitere ChemotherapieChemotherapie Die Chemotherapie ist, neben OP und Strahlentherapie, eine der zentralen Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs. Sie umfasst die zyklische Behandlung mit chemischen Substanzen – Zytostatika – in Form von Infusionen, Spritzen oder Tabletten. Die zumeist systemisch wirkenden Medikamente richten sich auch gegen gesunde Zellen, was die typischen Nebenwirkungen wie Haarausfall, Blutarmut, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Infektionen im Mund erklärt. dafür abgelehnt.

Blausäure kann zu Vergiftungen führen

H. erklärt auf seiner Website, das auch als vermeintliches Vitamin B17 beworbene „AmygdalinAmygdalin Aus Amygdalin kann durch enzymatische Spaltung giftige Blausäure freigesetzt werden. Es findet sich in größeren Mengen in Mandeln, Aprikosenkernen sowie in Samen und anderen Steinfrüchten.“ – das etwa in Aprikosenkernen vorkommt – biete die Chance, Krebszellen selektiv zu schädigen, während gesunde Zellen durch den „natürlichen Mechanismus unbetroffen“ blieben.

Tatsächlich setzt Amygdalin im Körper Blausäure frei, was zu Vergiftungen führen kann. Behörden warnen vor dem Konsum des angeblichen Heilmittels – zumal keine positiven Wirkungen der Kerne bekannt sind.2https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Gremien/RoutinesitzungPar63AMG/76Sitzung/pkt-3-2-4.pdf?__blob=publicationFile&v=1 Die Deutsche Krebsgesellschaft weist darauf hin, dass in einer klinischen Studie zu Amygdalin bei Patienten sehr hohe Blausäurespiegel bis hin zur tödlichen Dosis beobachtet worden sind. Zudem würde Vitamin C die Giftwirkung des Amygdalins verstärken.

Nierenversagen durch GermaniumGermanium Germanium ist ein chemisches Element, welches erstmals 1886 nachgewiesen wurde und beitrug Mendelejews Einordnung der Elemente in dem Periodensystem wie wir es heute kennen zu untermauern. Es gehört zu den Halbmetallen und wird in der Elektronik verwendet. Bis in die siebziger Jahre war es das führende Material im Bereich der der Dioden-Herstellung. Heute wird es für die Solarzellen-Produktion, Nachtsichtgeräte und Wärmebildkameras eingesetzt. Als Nahrungsergänzungsmittel soll es gegen Krankheiten wie Krebs, AIDS, Arthritis etc. wirken, wissenschaftlich bestätigt werden konnte dies jedoch nicht. Ganz im Gegenteil gibt es Hinweise auf Vergiftungen und Todesfälle durch die Einnahme von Germanium-Verbindungen.

Das Element Germanium – ein Halbmetall – wiederum verfüge laut Doktor H. über „eine anti-tumorale Wirkungsweise, die mit verschiedenen Mechanismen arbeitet“. Es komme in Nahrungsmitteln wie Goji-Beere, Shiitake Pilzen, Knoblauch, Gingsengwurzeln, Zwiebeln, Beinwellkraut, Brokkoli und Sellerie vor.

Auch hier: Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat bereits vor vielen Jahren vor Germanium gewarnt. Das Element ist in der Natur weit verbreitet, auch wenn es in sehr geringen Konzentrationen vorkommt. Über Pflanzen und tierische Produkte nimmt der Mensch täglich rund 1,5 Milligramm auf, berichtet das BfR. Germanium gehöre aber nicht zu den lebenswichtigen Spurenelementen. Mangelerscheinungen, die auf eine Unterversorgung mit Germanium zurückzuführen wären, seien nicht bekannt. Aber:

Germanium kann schon bei geringen täglichen Aufnahmemengen Lunge, LeberLeber Die Leber ist ein Stoffwechselorgan im menschlichen Körper. Als Hauptentgiftungsstelle verantwortet sie die Verwertung von Nahrungsbestandteilen, den Abbau und die Ausscheidung von Stoffen. Sie baut, zusammen mit anderen Organen, alte oder beschädigte Blutkörperchen ab. Auch die Produktion lebenswichtiger Proteine gehört zu ihren Aufgaben. Sie speichert Vitamine und Spurenelemente und stellt mit Hilfe von Vitamin K Eiweiße her, die für die Blutgerinnung wichtig sind. Die Leber steuert zusätzlich den Blutzuckerspiegel und stellt Ausgangsprodukte für die Hormonproduktion her. Sie nimmt eine wichtige Rolle im Fettstoffwechsel ein. Eine Besonderheit der Leber ist, dass sie sich nach Verletzungen zu einem Großteil regenerieren kann, was für andere Organe nicht der Fall ist., Nerven und insbesondere die Niere schädigen. Hierbei kommt es über entzündliche Prozesse zum Nierenversagen.

Und weiter schreibt das BfR:

In JapanJapan Japan ist ein ostasiatischer Inselstaat im Pazifik und erstreckt sich über vier große und viele kleine Inseln. Sein heimatsprachlicher Name Nippon heißt sehr passend: Land der aufgehenden Sonne. Japan ist eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt und zugleich Erdbebengebiet, da in hier vier tektonische Platten aufeinandertreffen. Dies führte 2011 sogar zur Zerstörung eines Atomkraftwerkes in Fukushima. werden Germanium-Präparate auch als Elixier angeboten. In mehreren Fällen kam es nach längerer, regelmäßiger Zufuhr von Germanium im Milligrammbereich (49-588 mg/Tag) zu schweren Gesundheitsschäden und in mindestens 5 Fällen zum Tod. Die Patienten berichteten von Appetitlosigkeit, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen über Muskelschwäche und Muskelschmerzen bis hin zur verminderten Harnproduktion in Folge der Nierenschädigung und Abmagerung. Auch Taubheitsgefühl in den Gliedern und Hautbrennen wurden beschrieben.

Dessen ungerührt klärt Doktor H. seine Besucherinnen auf: Krebs sei eine Krankheit mit vielen Ursachen, deren TherapieTherapie Therapie bezeichnet eine Heil- oder Krankenbehandlung im weitesten Sinn. Es kann hierbei die Beseitigung einer Krankheitsursache oder die Beseitigung von Symptomen im Mittelpunkt stehen. Ziel einer jeden Therapie ist die Widerherstellung der physischen und psychischen Funktionen eines Patienten durch einen Therapeuten. Soweit dies unter den jeweiligen Bedingungen möglich ist. oft mit viel körperlichem Leid verbunden sei. Daher bietet er als „onkologisch verantwortliche Arztpraxis“ seit fünf Jahren zusätzlich den Schwerpunkt „Komplementäre Krebstherapie“. Diese arbeite nicht nach dem „Gießkannen-Prinzip“, sondern erfordere ein hohes Maß an Präzision, Kompetenz und Erfahrung im Umgang mit biologischen Heilverfahren: Daher habe er sich darauf spezialisiert.

Ärztekammer Hessen entscheidet hinter verschlossenen Türen

Bevor ich ihn hierzu befrage, bitte ich Behörden und Kammern um eine Einschätzung. Die zuständige Ärztekammer in Hessen antwortet, dass man…

…die Website und die Werbung von Herrn Dr. H. [Anm.: Name von der Redaktion gekürzt] berufsrechtlich überprüfen und, sofern Verstöße gegen das BerufsrechtBerufsrecht Das Berufsrecht regelt durch Rechtsvorschriften den Zugang und die Ausübung eines selbstständig ausgeübten Berufes. Die (Muster-)Berufsordnung-Ärzte enthält die berufsrechtlichen und ethischen Grundlagen des ärztlichen Berufs. Auf diese Muster-Berufsordnung stützen sich die Regelungen der jeweiligen Ärztekammern. Die Berufsordnung regelt z.B. die Pflichten eines Arztes oder einer Ärztin gegenüber seinen und ihren Patienten. Des Weiteren sieht sie Bestimmungen zur Schweigepflicht, Aufklärung und Dokumentation vor. Auch finden sich darin Regelungen zur Haftpflichtversicherung, Werbung, Dokumentation etc. Ärztekammern sorgen für die Einhaltung der Berufspflichten und überprüfen Beschwerden über Ärzte und deren Verstöße gegen das Berufsrecht. zu erkennen sind, die gebotenen berufsrechtlichen Maßnahmen ergreifen wird. Da berufsrechtliche Verfahren jedoch nicht öffentlich sind, können wir nicht über das Ergebnis informieren.

Ob die Ärztekammer Hessen ihr Mitglied jemals kontaktiert und auf dessen gesundheitsgefährliche Praxis hingewiesen hat – die Öffentlichkeit wird es nicht erfahren. Offenbar hat die Kammer aber keine effektiven Schritte eingeleitet ­– denn die Werbung für die nicht zugelassenen Mittel und Therapien steht praktisch unverändert auf der Website des Frauenarztes. Unsere erste Anfrage an die Kammer erfolgte im August 2019, wir haben mehrfach nachgefragt. Bis heute ist die Seite nicht überarbeitet.

Auch das Regierungspräsidium Hessen will nicht aktiv werden. Auf unsere Anfrage hin winkt der Sprecher ab, hier sei die Ärztekammer zuständig. Auf Nachfrage verweist es uns auch an das lokale Gesundheitsamt. Doch auch hier erklärt man sich für nicht zuständig. Vielleicht doch das BfArM? Als Bundesbehörde könne man nichts tun, heißt es hier. Das gehe erst, wenn die Landesbehörde aktiv werde. Aber da waren wir ja schon. Offenbar fällt die Behandlungspraxis des hessischen Gynäkologen in eine Grauzone.

Ein letzter Versuch: Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen. Auch hier sei man nicht zuständig. Kritik am System gibt es aber. „Es gibt leider keine verbindlichen Vorgaben im Gesetz, dass Ärzte nur evidenzbasierte MedizinEvidenzbasierte Medizin Evidenzbasierte Medizin (EbM) agiert auf Basis empirisch zusammengetragener und bewerteter wissenschaftlicher Erkenntnisse. Das Wort Evidenz bezeichnet eine unumstößliche Tatsache, eine faktische Gegebenheit. Die evidenzbasierte Medizin stellt aktuelle und wissenschaftlich geprüfte Informationen zu den verschiedenen medizinischen Möglichkeiten mit eigens dazu entwickelten Methoden bereit. Das EbM-Netzwerk erarbeitet Leitlinien für die Bereitstellung solcher Daten. Die Cochrane Collaboration liefert u.a. systematische Übersichtsarbeiten für Entscheidungsfindungen zu Gesundheitsfragen auf Basis hochwertiger, relevanter und aktueller wissenschaftlicher Evidenz. anwenden dürfen“, sagt Frank Dasytch, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Wenn es kritisch werde, stehe die Therapiefreiheit des Arztes über allem – auch wenn unwirksame und vielleicht sogar gefährliche Wirkstoffe oder dubiose Verfahren etwa mittels angeblicher „Bioresonanz“ zum Einsatz kämen.

Vertrauen der Patientinnen verspielt

Dasytch hält dies für hochproblematisch. „Die Patientinnen und Patienten kommen schließlich mit einem großen Vertrauensvorschuss in die Praxen.“ Viele bisherige Anstrengungen, die evidenzbasierte Medizin zu stärken, seien bislang leider erfolglos verlaufen.

Was aber sagt Ingo H. zu dem Ganzen? Warum setzt er auf gesundheitsgefährliche Mittel, vor denen Bundesinstitute warnen, und behauptet Dinge auf seiner Website, die nicht mit Studien belegt sind? Auf unsere Anfragen reagiert er nicht. Weder per E-Mail noch telefonisch. Wir erreichen stets verschiedene Mitarbeiter. Alle wimmeln ab. „Der Doktor H. [Anm.: Name von der Redaktion gekürzt] will nicht“, erfahren wir zuletzt. Es könne ihn ja niemand dazu zwingen, uns zu antworten.

So reiht sich H. ein in eine lange Liste von Fällen,3https://medwatch.de/in-eigener-sache/natuerlich-oder-zuverlaessig-wie-versandapotheken-auf-fragwuerdige-weise-fuer-homoeopathie-werben/, 4https://medwatch.de/alternativmedizin/wenn-aerzte-unsinn-behaupten-und-kammern-wegschauen/, 5https://medwatch.de/alternativmedizin/wenn-aerzte-unsinn-behaupten-und-kammern-wegschauen/ bei denen die zuständigen Aufsichtsbehörden trotz gefährlicher Behandlungsmethoden nicht ausreichend eingreifen. Auch hat das vergangenes Jahr beschlossene „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ nur wenige Therapiearten verboten – große Lücken bleiben:


  • 1
    https://scilogs.spektrum.de/lifescience/gcmaf-krebs-und-immuntherapie-unterstuetzen-predatoryjournals-den-glauben-an-scharlatanerie/
  • 2
    https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Gremien/RoutinesitzungPar63AMG/76Sitzung/pkt-3-2-4.pdf?__blob=publicationFile&v=1
  • 3
    https://medwatch.de/in-eigener-sache/natuerlich-oder-zuverlaessig-wie-versandapotheken-auf-fragwuerdige-weise-fuer-homoeopathie-werben/
  • 4
    https://medwatch.de/alternativmedizin/wenn-aerzte-unsinn-behaupten-und-kammern-wegschauen/
  • 5
    https://medwatch.de/alternativmedizin/wenn-aerzte-unsinn-behaupten-und-kammern-wegschauen/
2 comments
  1. Es gab in letzter Zeit so manchen Anlass, die Kammern aufzufordern, endlich die ihnen von staatlicher Seite im Rahmen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen übertragenen Aufsichtsaufgaben (die sich hier unter dem Schlagwort “berufsrechtlich” verstecken) effektiv und zum Wohle der Patientenschaft auszuüben – und nicht im Sinne eines Schutzraumes für die eigene Mitgliedschaft aufgrund eines verfehlten Standesdenkens. Wenn die Kammern ihrer Schutzpflicht gegenüber der Patientenschaft nicht nachkommen, möge der Staat eben darüber nachdenken, ob das Modell der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vielleicht der einen oder anderen Drehung an einer Stellschraube bedarf. Hier jedenfalls eher als bei der Arzneimittelzulassung, wo Herr SpahnSpahn Spahn, Jens; Bankkaufmann und Politologe, war 2018 bis 2021 Bundesminister für Gesundheit. Seit 2002 ist er Mitglied des Bundestages. es ja schon mal für angebracht hielt, Befugnisse des G-BA an sich zu ziehen.

  2. Die Diskrepanz verwundert: Einerseits wird vor allem Möglichen gewarnt. Zucker, Fett, Salz, Fleich, zu wenig Bewegung und was auch immer. Aber warum können Aprikosenkerne, MMSMMS MMS ist die Kurzform für Miracle Mineral Supplement. Damit wird eine Chlordioxid-Lösung, auch CDL genannt, bezeichnet. Der Begriff geht auf Jim Humble zurück, welcher ein ehemaliges und langjähriges Scientology-Mitglied war und 2010 eine weitere Sekte gründete (Genesis II, Church of Health & Healing). Chlordioxid, ClO2, ist bei Raumtemperatur ein bernsteinfarbenes Gas, welches bei einer Konzentration von über 10% in der Luft explosiv ist. Deshalb wird es zumeist in wässriger, nicht explosiver, Lösung angeboten (MMS / CDL). Chlordioxid besitzt eine oxidative Wirkung, so dient es z.B. als Bleichmittel von Zellstoff (z.B. Papier) oder auch der Desinfektion von Trinkwasser. Auf vielen Foren wird es als Allheilmittel – auch gegen Corona – beschrieben, oft mit verehrenden gesundheitlichen Folgen. Die Anrufe beim Giftnotruf häufen sich und auch die Gabe von CDL / MMS an kleine Kinder wird propagiert. Für die angepriesene Heilung der verschiedensten Krankheiten gibt es aktuell keine wissenschaftliche Grundlage., GermaniumGermanium Germanium ist ein chemisches Element, welches erstmals 1886 nachgewiesen wurde und beitrug Mendelejews Einordnung der Elemente in dem Periodensystem wie wir es heute kennen zu untermauern. Es gehört zu den Halbmetallen und wird in der Elektronik verwendet. Bis in die siebziger Jahre war es das führende Material im Bereich der der Dioden-Herstellung. Heute wird es für die Solarzellen-Produktion, Nachtsichtgeräte und Wärmebildkameras eingesetzt. Als Nahrungsergänzungsmittel soll es gegen Krankheiten wie Krebs, AIDS, Arthritis etc. wirken, wissenschaftlich bestätigt werden konnte dies jedoch nicht. Ganz im Gegenteil gibt es Hinweise auf Vergiftungen und Todesfälle durch die Einnahme von Germanium-Verbindungen., Ayurveda mit Schwermetallen und diverses mehr beworben und vertrieben werden dürfen, ist mehr als verwunderlich.
    und folgender Satz ist ja der pure Hohn, wird leider zu ofr geglaubt: “Komplementäre KrebstherapieKrebstherapie Eine Krebstherapie ist immer spezifisch auf die jeweilige Tumorart angepasst, da Krebs keine spezifische Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen ist, die auf gleichen Grundlagen beruhen. Auch ist der Verlauf einer bösartigen Tumorerkrankung von Mensch zu Mensch individuell. Es existieren neben weiteren Methoden drei zentrale Säulen in der Krebsbehandlung: Operation, Strahlen- und Chemotherapie.“. Diese arbeite nicht nach dem „Gießkannen-Prinzip“, sondern erfordere ein hohes Maß an Präzision, Kompetenz und Erfahrung im Umgang mit biologischen Heilverfahren”.
    Das trifft eher auf onkologische Praxis zu (wenn auch nicht immer) und ist mal wieder ein klassischer Strohmann.