Iberogast Staatsanwalt ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung gegen Ex-Mitarbeiter von Bayer

Starb ein Mensch, weil der Pharmakonzern Bayer jahrelang wichtige Warnhinweise zu seltenen aber schweren Leberschädigungen auf dem Beipackzettel von Iberogast nicht erwähnt hat? Seit Sommer 2019 hat die Staatsanwaltschaft Köln den Anfangsverdacht geprüft, nun hat sie Ermittlungen auch zum Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung in anderen Fällen aufgenommen.

Die Staatsanwaltschaft Köln hat gegen zwei frühere Verantwortliche der Bayer Vital GmbH Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung in einem Fall sowie der fahrlässigen Körperverletzung in zehn Fällen aufgenommen, wie ein Sprecher gegenüber MedWatch mitteilte. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob in dem Beipackzettel des Arzneimittels Iberogast im nicht verjährten Zeitraum bis September 2018 ein Warnhinweis auf mögliche Leberschädigungen sorgfaltspflichtwidrig unterblieben ist und ein ursächlicher Zusammenhang mit der Einnahme des Arzneimittels sowie entsprechenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Konsumenten besteht. Weitere Nachfragen wollte die Staatsanwaltschaft zum derzeitigen Zeitpunkt nicht beantworten, die Ermittlungen würden noch weitere Zeit in Anspruch nehmen.

In den Ermittlungen geht es um das Magenmittel Iberogast, das seit 2013 durch den Pharmahersteller vertrieben wird. Bis 2018 geschah dies ohne zusätzlichen Vermerk auf seltene Nebenwirkungen, den das Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) aber seit 2008 verlangt aber nicht durchgesetzt hatte.

Im September 2018 hatte sich Bayer dann bereit erklärt, die zusätzlichen Warnhinweise vor sehr seltenen Nebenwirkungen auf den Beipackzettel seines Magenmittels zu drucken. Zuvor war es bei einem Patienten zu einem Leberversagen mit Lebertransplantation gekommen, der auch Iberogast eingenommen hatte. Der Patient starb. Klar ist, dass das in Iberogast enthaltene Schöllkraut lebertoxisch wirken kann – unklar jedoch, ob der Todesfall ursächlich mit der Einnahme von Iberogast in Verbindung steht. Dies wird die Staatsanwaltschaft nun prüfen.

Bayer hat stets gegen die Ergänzungen des Beipackzettels argumentiert, das man das Nutzen-Risiko-Verhältnis als positiv einschätze. Dabei blieb der Konzern auch, nachdem 2019 die Hinweise umgesetzt wurden.

Update (19.9.): Die Ermittlungen wegen des Todesfalls, der möglicherweise mit der Einnahme von Iberogast in Verbindung steht, richten sich nur noch gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des Arzneimittelkonzerns Bayer, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa) am Freitagnachmittag: https://www.wz.de/nrw/magenmittel-verfahren-gegen-ex-bayer-mitarbeiter-eingestellt_aid-53444073

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