Krankes System Wie „Online-Kongresse“ Geld mit fragwürdigen Inhalten machen

Nicht erst seit Corona sind digital veranstaltete Kongresse beliebt. Die Inhalte sind teils gesundheitsgefährlich – und die Anbieter arbeiten mit problematischen Marketing-Tricks.

„Guten Morgen und einen wunderbaren Start ins Wochenende!“, begrüßt mich „meine Susann“. Gemeinsam mit mir möchte sie in den Endspurt des „Autoimmun Online Kongresses“ gehen. Noch bis Montag 10 Uhr sei noch Zeit, sich „ganz viel neues Wissen zur ursächlichen Behandlung meiner Autoimmunerkrankung(en)“ anzueignen. Dann endet das Kongresspaketangebot für nur 57 Euro statt 197 Euro.

Seit neun Tagen werde ich jeden Morgen von „meiner Susann“ begrüßt und manchmal schreibt sie mir auch noch mal am Abend. Sie jubelt, der Auftakt des Kongresses sei super gelaufen. Dass es soooo viele Fragen aus der Community gebe. Die Resonanz auf Facebook sei überwältigen gewesen.

Falls du es also nicht geschafft hast, ALLE VIDEOS ZU SEHEN, oder dir einige Informationen jederzeit noch mal anschauen willst, lege ich es dir ans Herz, einmal die folgenden Details über das umfangreiche Kongress-Paket zu lesen.

Das umfangreiche Kongress-Paket ist natürlich verlinkt:

Auftakt zum Autoimmun-Kongress: „…schön dass Du es gewagt hast Dich zu diesem einzigartigen Event anzumelden”, heißt es am 20. November 2019.

Seit neun Tagen habe ich nach kostenloser Anmeldung zum „Online-Kongress“ Vorträge zu Therapien und Lebenskonzepten bei Autoimmunerkrankungen präsentiert bekommen. Empfohlen wurde mir etwa Yoga, eine „Paleo-Ernährung“, schlafen, bewegen, fermentieren, bestimmte Vitamine oder die Keto-Ernährung – eine sehr kohlenhydratarme, dafür aber fettreiche Kost. Diese „wertvollen Informationen“ soll ich mir nun unbedingt lebenslang sichern.

Das System bleibt immer das gleiche. Die Macher des Kongresses laden mich natürlich zur Folgeveranstaltung ein. Es geht um „Entgiftung“, dem folgt ein „Schuppenflechte-Onlinekongress“, im April kommt einer zu Corona. Wer sich für die Online-Veranstaltungen anmeldet, kann gern zuschauen und hören, wer die Videos und Beiträge langfristig haben möchte, muss zahlen. Alle diese Veranstaltungen sind wissenschaftlich äußerst fragwürdig. Wer aber steckt eigentlich hinter den Online-Kongressen? Welche Ärzte, Heilpraktiker und Gesundheits-Coaches senden ihre Videobotschaften an ein zahlungswilliges Publikum? Wir haben uns das Geschäft mit der Online-Gesundheit einmal genauer angesehen.   

Ganzheitlicher Abnehmcoach: Keine Angaben zur Qualifikation der Sprecher

Beim „Autoimmunkongress“ haben die Veranstalter sich Krankheiten herausgesucht, bei denen das Immunsystem zu stark auf körpereigene Stoffe reagiert. So etwa bei Schuppenflechte, rheumatoider Arthritis oder Multiple Sklerose. Viele Autoimmunerkrankungen sind bislang nur unzureichend verstanden und nicht therapierbar. Oft bleibt die Krankheit lebenslang bestehen, ist schmerzhaft und für den Menschen stark belastend bis gesundheitsgefährlich.

Für alles dies präsentiert der Gesundheitskongress einen Mix von Empfehlungen, aus denen sich die MS-Patientin genauso etwas ableiten soll wie eine Frau mit Schuppenflechte, wundert sich die Wissenschaftsjournalistin Claudia Liebram. „Auf der Internetseite zu den Kongressen sind kaum Angaben zur Qualifikation der Speaker zu finden, das würde ich bei solchen großen Themen eigentlich erwarten.“ Liebram hat in der vergangenen Zeit immer mal wieder Einladungen zu den Online-Gesundheitskongressen erhalten, berichtet sie im Gesundheitsmagazin „Gute Pillen, schlechte Pillen“ (Anmerkung: Auch Hinnerk Feldwisch-Drentrup und ich schreiben für diese Verbraucherzeitschrift). Seit zwanzig Jahren betreibt Liebram die Plattform „Psoriasis-Netz“: Die Seite bietet Menschen, die an Schuppenflechte erkrankt sind, evidenzbasiere Informationen rund um ihre Krankheit an. In einem zugehörigen Forum tauschen sich mittlerweile 28.000 Patienten aus.

Die meisten der auftretenden Experten seien abseits der wissenschaftlichen etablierten Medizin unterwegs, es sprechen etwa oft Ernährungsberater mit Berufsbezeichnungen, die nicht geschützt sind, die also jeder verwenden kann, erklärt Liebram. „Es gibt auch Heilpraktiker und Ärzte unter den Dozenten, die nur in Privatpraxen behandeln.“

Unter den 25 angekündigten „Top-Experten Deutschlands“ des Autoimmun-Kongresses finden sich tatsächlich einige Heilpraktiker. Dazu kommen eine „ganzheitliche Abnehmcoach“, Ärzte und ein „Ernährungs- und Lifestyle-Experte“. Auch dabei ist Anja Leitz – sie ist nichts von alledem, sie besitzt ein Hotel. Laut Kongress spricht sie aber über „Biohacking – Durch Licht und chronobiologische Optimierung zurück zur Gesundheit“. Ihre medizinische Qualifikation ist nicht angegeben. Im Netz wirbt sie damit, dass sie das „einzige Biohacking“-Hotel Europas betreibt, wo sie ihren Gästen stets das richtige Umfeld zur Genesung biete.

In einem Podcast berichtet Leitz, was sie schon durch ein einzelnes Telefonat über den Gesundheitszustand ihrer Gäste erfahren kann:

Es gibt ja verschiedene Stimmanalyse-Geräte. Ich kann das auch über die Ohren machen, ich habe ein sehr geschultes Gehör“, sagt Leitz. Sie habe festgestellt, „dass du sehr einseitige Frequenzspektren in deiner Stimme hast“. Aus diesem und aus der Geschwindigkeit, in der der andere rede, könne sie „sehr schnell ableiten a) wie du tickst und b) we wohl dein EEG aussehen würde. (..) Das heißt, ich kann mir vorstellen, wo dein Gehirn optimal läuft und wo es nicht optimal läuft, wo man etwas verbessern könnte und wo die Vernetzung nicht so gut ist.

In ihrem Hotel werden „effektive Stoffwechseloptimierungsprogramme“ angeboten, etwa die Energizing Light Therapie (ELT). Wissenschaftliche Studien finden sich dazu nicht, vielmehr ist diese Beleuchtungspraxis auch bei Sonnenstudios sehr beliebt, die diese wortreich bewerben.

In einem Kombiangebot gibt es die ELT zusammen mit der sogenannten Vibrokymatiktherapie – hierzu findet sich immerhin ein kleiner Aufsatz, erschienen in der Zeitschrift „Erfahrungsheilkunde“. Das Magazin richtet sich an Naturheilkundler, Leser erhalten Rabatt auf Eintrittskarten für den „größten Kongress für Komplementärmedizin“. Der Autor der Studie ist Alexander Wunsch – der ebenfalls ein Redner auf dem Autoimmun-Kongress ist und als Arzt angekündigt wird.

In dem Aufsatz beschreibt Wunsch die „Vibrokymatiktherapie“ – die an Musiktherapie per Matratze erinnert – und wie er diese erfolgreich mittels einer sogenannten „Klangliege“ eingesetzt hat.

Klangliege, Ausschnitt aus dem Ausatz „Körperhören – Erfahrungen mit der systemischen Vibrokymatik“ von Alexander Wunsch.

Getestet hat Wunsch die Liege zum Beispiel während der letzten zwölf Jahre auf Kongressen der alternativmedizinischen „Gesellschaft für biologische Krebsabwehr.“ Dort stellte er die Klangliege offenbar in einen Wellnessraum.

„…die Auswertung von 188 Fragebögen aus den Jahren 2000, 2002 und 2004 ergab, dass 172 Anwender die Erfahrung gerne wiederholt hätten – was einer Akzeptanz von über 90 % entspricht,“ schreibt Wunsch. Dass es auf Kongressen angenehm sein kann, sich hinzulegen, ist durchaus erwartbar – völlig offen ist jedoch, ob es irgendeinen medizinischen Nutzen gibt: Für eine anerkannte wissenschaftliche Studie in einem renommierten Fachmagazin wäre eine derart zufällige Sammlung von Probanden nicht verwertbar. Zudem hat der Autor des Aufsatzes einen deutlichen Interessenskonflikt: Er verdient offenbar an der Therapie selbst.

Wunsch selbst betreibt mehrere Internetseiten zum Thema „Lichtbiologie“ und „Gesundes Licht“. Auf der einen schreibt er über angeblich schädliche Folgen des Verbots von Glühbirnen: So sei nicht absehbar, welche Folgen es habe, wenn der Mensch „nur noch mit Kaltlichtquellen konfrontiert sei“.

Auf der anderen Seite können dann Produkte zur „Lichttherapie“ erworben werden, etwa eine „Spektralbrille“, mit der das Spektrum einer jeden Lichtquelle betrachtet und beurteilt werden könne.  

Wunsch selbst wirbt für eine „Farbtherapie nach Dinshah“, die im vergangenen Jahrhundert durch einen Polizisten aus Indien begründet worden sein soll.

Deren Wirkung ist aber nicht durch wissenschaftliche Studien belegt, anders als etwa die Lichttherapie bei saisonal depressiver Störung. Auch letztere wird nicht durch die Krankenkassen erstattet, sondern ist eine Individuelle Gesundheitsleistung: Sie muss also selbst bezahlt werden.

Alexander Wunsch berichtete am siebten Kongresstag über „Lichttherapie bei Autoimmunerkrankungen“, an Tag vier hielt bereits ein weiterer in der Szene bekannter Redner einen Vortrag: Jörg Spitz, der als die „absolute Vitamin D Koryphäe Deutschlands“ angekündigt wurde.

In seinem Vortrag erklärte er „weshalb das Sonnenvitamin sowohl Grundlage zur Prävention als auch zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen ist“. Dies ist auch Thema vieler seiner Bücher, als selbsternannter „hochinfektiöser Gesundheitserreger“ kalauert er sich regelmäßig durch kleinere und größere Veranstaltungssäle. Auf der Internetseite einer Akademie für „menschliche Medizin“ veröffentlicht er regelmäßig selbstgedrehte Clips und Videos.

Vortrag Jörg Spitz im September 2019, er sei ein „Hochinfektiöser Erreger“ .

Dass Spitz eigentlich ein emeritierter Nuklearmediziner und offenbar kein Ernährungsspezialist ist, stört offenbar niemanden. Genauso wenig, dass er für jedermann gern die Einnahme von Vitamin D empfiehlt. Nach Ansicht von Experten nehmen die Menschen aber bereits ausreichende Mengen des Vitamins über die Nahrung und durch das Tageslicht zu sich, nur spezielle Gruppen mit bestätigtem Vitaminmangel sollten Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Eine andauernde Überdosierung mit Vitamin-D-Präparaten, die eine Dosis von über 100 Mikrogramm pro Tag enthalten, kann unerwünschte Nebenwirkungen wie Nierensteine oder Nierenverkalkungen hervorrufen.

Passend zu Spitz sprach am vierten Kongresstag auf dem „Autoimmunkongress“ auch Christina Kiening über das sogenannte Coimbra-Protokoll. Bei dieser Therapie werden nicht nur hohe, sondern sehr hohe – Kiening nennt es „supraphysiologische Dosen Vitamin D“ – gegeben: Das soll angeblich Autoimmunerkrankungen stoppen. Einige Menschen mit Multiple Sklerose setzen viel Hoffnung auf das „Coimbra-Protokoll“.

Christina Kiening ist davon überzeugt, sie selbst gründete im Sommer 2019 die offenbar als gemeinnützig anerkannte Unternehmergesellschaft „Coimbraprotokoll UG“,

 … um dem Coimbraprotokoll in Deutschland eine professionelle Stimme zu verleihen. Wir sind zwei Patientinnen mit Multipler Sklerose, die durch das Coimbraprotokoll ins Leben zurückgefunden haben. (…) Uns liegt am Herzen, dass möglichst viele Patienten mit Autoimmunerkrankungen die gleiche Chance bekommen wie wir selbst: Die Chance auf einen Stopp der Erkrankung und eventuell noch eine teilweise Heilung.

„Wissenschaftlich ist nicht bewiesen, ob und wie das Coimbra-Protokoll hilft“, sagt Peter Flachenecker. Er ist Chefarzt eines auf Multiple Sklerose (MS) spezialisierten neurologischen Rehabilitationszentrums. „Was hochdosiertes Vitamin D bewirkt, wenn man bereits an MS erkrankt ist, das ist bisher nicht klar. Es sind zwar Studien auf dem Weg, diese sind aber entweder noch nicht abgeschlossen oder haben diesbezüglich ein negatives Ergebnis gehabt wie beispielsweise die großangelegte SOLAR-Studie.“ Das Robert Koch-Institut warnt: Bei einer übermäßig hohen Einnahme von Vitamin D entstünden im Körper erhöhte Kalziumspiegel, die akut zu Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfen, Erbrechen oder in schweren Fällen zu Nierenschädigung, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit und Tod führen können.

Im Universum der Gesundheitskongresse

Zwischenfazit: Verlässlich und evidenzbasiert ist vieles von dem, was die Sprecher des „Autoimmun-Kongress“ berichten, nicht. Das Prinzip der Kongresse wird allerdings stets fortgeführt: Wer einmal im Universum der Online-Gesundheitskongresse gelandet ist, dem werden fortlaufen Informationen über weitere Krankheiten und Aktionen angeboten. Laut Impressum steht die „Salutem Solutions OHG“ dahinter, – ehemals „Benedens, Goldau, Goldau, Seelhorst GBR“ mit Sitz in Berlin.

Die Unternehmer sind durchaus aktiv: Nach dem Autoimmun-Kongress (November bis Dezember 2019) gab es den Entgiftungskongress (Januar 2020), einem Schuppenflechte-Onlinekongress (Februar), einen Hashimoto-Kongress (Februar 2020). Zwischendurch veranstaltete Medumio eine „Vitamin D-Kampagne“, bei der zum Kauf des Jahresvorrats des Vitamins aufgerufen wurde. Es folgte ein Migräne-Kongress (März 2020), ein Krebs-Kongress (Februar2020), natürlich auch einen zu Corona (April 2020), im Juni einen zum „Gesunden Schlaf“, im August dann den „Keto“-Kongress.

Die Macher der Kongresse würden immer professioneller: Sie setzten geschickt Krankheitsthemen dort, wo sie viele Leute erreichen, sagt Claudia Liebram. „Die Veranstalter denken offenbar: Wenn einer erstmal auf einer Kongress-Webseite ein solches Paket heruntergeladen und angehört hat, also den Experten bei einem Vortrag gefolgt ist, dann ist der auch empfänglich, mehr zu kaufen oder in eine Privatpraxis zu gehen.“ Die Menschen würden dabei einseitig informiert: „Es werden Methoden, Therapien abseits der Medizin propagiert, alles aus einem alternativen, esoterischen Bereich, der kaum oder gar nicht kontrolliert wird.“ Den Teilnehmenden würden Bedürfnisse eingeredet nach irgendwelchen Nahrungsergänzungsmitteln oder Therapien, die zu oft reine Phantasieprodukte seien.

Werde “Botschafter” der Online-Kongresse: Ausschnitt einer Mail, in der 50 Prozent Erfolgsbeteiligung angekündigt wird.

„Wir wurden auch direkt angefragt, sozusagen als Patientenvertretung, ob wir unsere Leserinnen und Leser nicht auf die Kongresse hinweisen wollen“, sagt Liebram im Magazin „Gute Pillen, schlechte Pillen“. „Wenn die dann Kongress-Pakete abschließen, würden wir Provision bekommen. Irgendwelche Rabatte gibt es obendrauf. Und wir würden 50 Prozent aller Umsätze erhalten.“

Zwei der Gesundheitskongress-Macher – Paul Seelhorst und Leon Benedens – sind offenbar besonders geschäftstüchtig, sie gründeten 2015 ein weiteres Unternehmen, dessen Thema wiederum auch bei den Online-Veranstaltungen immer wieder eine Rolle spielt: Fermentation. Nach eigener Aussage gründeten sie die erste „Bio-Raw-Kombucha-Brauerei“ Deutschlands. Das selbsternannte Ziel: Fermentation soll so normal wie Kochen und Backen werden. Im Interview mit einem Lifestyle-Magazin der Tageszeitung „Die Welt“ dürfen die beiden im August 2019 Werbung für ihr Unternehmen machen:

Ausschnitt: Interview mit Paul Seelhorst und Leon Benedens, ICONIST

Wenn Sie möchten, können Besucher fortlaufend im Universum der Online-Gesundheits-Kongresse verbleiben, nach einiger Zeit werden sie per Mail gefragt, ob sie auch „Botschafter“ eines Kongresses werden möchten. Über einen eigenen „Affiliate-Link“ könne man nicht nur anderen Menschen helfen, sondern werde „am Erfolg mit 50% beteiligt“. Wer mitmacht, bekommt dann Bildmaterial und Werbetexte zur Verfügung gestellt: Material, das er auf seinen eigenen Kanälen nutzen kann, um Werbung für die Online-Veranstaltung zu machen.

Auch einzelne Redner begegnen dem Zuhörer der Kongresse immer wieder. So etwa Jörg Spitz. Der darf nicht nur auf dem „Autoimmun-Kongress“ im vergangenen Dezember sprechen, später hört man ihn auch auf dem „Krebs-Kongress“. Hier erzählt er am 28. Februar 2020 zunächst, dass er zwar ein emeritierter Nuklearmediziner sei, aber danach „durch Lesen alles über Prävention herausgefunden habe“. Er habe aufgrund der „neuesten Forschungsergebnisse ein ganzheitliches Grundkonzept entwickelt, Krankheiten nicht nur zu verhindern, sondern zu behandeln“, behauptet er.

Seine Überlegungen führen dann im weiteren Verlauf zu gesundheitsgefährlichen Aussagen wie dieser, dass es nicht nötig sei, Krebs herauszuschneiden, denn wenn man den Körper wieder richtig ernähre, „dann ist dieser Spuk vorbei“. Auch sagt Spitz, Vitamin D würde den Krebs in Schach halten – eine Aussage, die durch mehrere große wissenschaftliche Studien wiederlegt wurde.

Fragen zum Geschäftsmodell werden nicht beantwortet

Was ist eigentlich die Qualifikation von Benedens, Goldau, Goldau und Seelhorst, derartige Kongresse zu schweren Erkrankungen der Menschen zu veranstalten? Wir fragen schriftlich bei der „Salutem Solutions OHG“ an und erkundigen uns, wie die Qualitätssicherung erfolgt, wie Interessenkonflikte unterbunden werden, oder wie sichergestellt wird, dass es eine Trennung zwischen dem kommerziellem Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln und neutralem Info-Angebot gibt. 

Hier begrüßt Nadia Schwirtzek die normalen Teilnehmer des Krebs-Kongresses. Und hier….

„Salutem Solutions“ beantwortete unsere Fragen nicht. Im Impressum ist als Vertretung eine Anwaltskanzlei angegeben. Wir fragen dort nach – und erhalten durch Nadia Schwirtzek, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht, eine wenig freundliche Antwort: Sie wolle sich erst „ein Bild von der Qualität unserer Fragen“ machen.

Wir erklären, dass „Salutem Solutions“ die Fragen ja bereits vorliegen – daraufhin erfolgt die endgültige Absage: „Wir erteilen Ihnen keine Auskünfte“, schreibt Schwirtzek. „Bitte nehmen Sie von weitere Anfragen Abstand.“

 Die Anwältin ist übrigens Gastgeberin des „Krebs-Kongresses“ des Medimo-Teams.

die „Botschafter“ des Kongresses. (Alle Screenshots: MedWatch)

Freundlich begrüßt sie die Teilnehmer, wie auch die “Botschafter” des Affiliate-Systems. Man rechne mit 7.000 bis 15.000 Teilnehmern und mindestens 30.000 Euro Umsatz. Fragt sich nur: Für wen.

Redaktionsteam

Um unabhängig recherchieren zu können, brauchen wir Ihre Hilfe.

Unterstützen Sie jetzt unser Crowdfunding auf der Plattform Steady.

Wir freuen uns über kritische Kommentare, Feedback und Vorschläge. Wir bitten darum, Kommentare sachlich zu halten und auf Beleidigungen zu verzichten – und behalten uns vor, Kommentare ansonsten nicht zu veröffentlichen. Bitte belegen Sie Ihre Aussagen nach Möglichkeit auch mit Links oder anderen Verweisen. Wir prüfen alle Kommentare vorab und schalten sie frei - insbesondere am Abend oder am Wochenende geschieht dies teils zeitverzögert. Besten Dank und schöne Grüße vom MedWatch-Team!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.