Knapp eineinhalb Jahre hat die Ärztekammer Thüringen ein Verfahren gegen den Arzt Lutz R. geführt: Dieser hatte nach Recherchen von MedWatch und dem ARD-Politikmagazin „Kontraste“ das vermeintliche Wundermittel Miracle Mineral Solution (MMS) Patienten empfohlen – und verkauft. Nachdem die Staatsanwaltschaft kürzlich ein Ermittlungsverfahren gegen R. eingestellt hat, das sie nach den Recherchen aufgenommen hatte, wird sich nun das Verwaltungsgericht Meiningen mit dem Fall beschäftigen. An diesem ist das Berufsgericht angesiedelt.

Der Verkauf von Arzneimitteln ist Ärzten nicht gestattet – außerdem wurden MMS-Produkte zuvor vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als bedenklich und zulassungspflichtig eingestuft. Im Rahmen der Recherche hatte Hausarzt R. MMS bei einem jungen Testpatienten gegen Autismus empfohlen, dem Kind sollte die reizende und gefährliche Substanz per Einlauf gegeben werden. Außerdem bezeichnete der Arzt – der bei einem Kongress zuvor von anderen Anwendungen von MMS berichtet hatte – Kinderurin als heilsam bei Krebs. „Eine gewissenhafte Ausübung des Berufs erfordert insbesondere die notwendige fachliche Qualifikation und die Beachtung des anerkannten Standes der medizinischen Erkenntnisse“, heißt es hingegen in der Berufsordnung der Ärztekammer Thüringen.

Wenn das Berufsgericht am Verwaltungsgericht Meiningen das Verfahren eröffnet, schließt sich ein wahrscheinlich mehrmonatiges Verfahren gegen R. an. Dieses ist entsprechend des Heilberufegesetzes in Thüringen nicht öffentlich. Falls R. nicht freigesprochen wird, ist das Spektrum möglicher Sanktionen breit: Möglich ist eine Verwarnung – oder auch die Feststellung der so genannten Berufsunwürdigkeit, was wiederum einen Widerruf der Approbation zur Folge haben könnte.


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