Der US-Amerikaner Jim Humble wird der Stargast sein, wenn Anfang März in Berlin der umstrittene Kongress „Spirit of Health“ eröffnet wird. Der Rentner, früher bei Scientology, hat sich das vermeintliche Wundermittel „Mineral Miracle Supplement“ (MMS) ausgedacht, das er zur Heilung vieler auch ernster Erkrankungen anpreist. Bei „Krebs und anderen chronischen Krankheiten“ habe er es Kranken gegeben – „seine Erfolge gingen um die Welt“, heißt es im Kongressband. Auch andere Referenten wollen offenbar ebenfalls dieses Mittel anpreisen, obwohl Behörden bereits seit langem vor MMS warnen: Es handele sich in Wahrheit nicht um ein Wundermittel, sondern um eine Substanz, die zu ernsten Verätzungen führen kann.

Das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) hatte sich auf Nachfrage den Bundesbehörden angeschlossen, was die „Gefahr schwerer gesundheitlicher Schädigungen“ bei der Einnahme beworbener Substanzen angeht. „Informationen zu alternativen Therapieverfahren müssen auf nachprüfbaren, wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Dies scheint hier nicht der Fall zu sein“, erklärte ein Pressesprecher gegenüber MedWatch. Die Behörde sehe jedoch noch keinen Anlass, einzuschreiten – sondern behalte sich Kontrollen an den Kongresstagen vor.

Bei früheren Quacksalber-Kongressen im In- und Ausland war es zu erheblichen Protesten gekommen, etwa vor drei Jahren in Kassel. Der Inhaber eines dortigen Hotels, in dem Gäste und Redner untergebracht waren, hatte daraufhin den Veranstaltern die Zusammenarbeit aufgekündigt. Wohl auch deshalb hat der Veranstalter des nun geplanten Kongresses den Tagungsort lange geheim gehalten. Erst seit dieser Woche ist auf der Webseite zu lesen, dass das Event in einem Hotel in der Nähe der Haltestelle Friedrichsstraße in Berlin stattfinden soll. „Tagen Sie im größten Konferenzzentrum in Berlins Mitte“, wirbt es auf der eigenen Website und stellt sich als „ausgezeichneter Veranstaltungsort für Kundenevents der Pharmaindustrie und Ärztefortbildungen“ dar.

Spiel mit der Hoffnung: Im Maritim proArte

„Es ist richtig, dass am 3./4. März 2018 ein Kongress Spirit of Health im Maritim proArte Hotel gebucht ist“, erklärte eine Sprecherin der Hotelkette auf Nachfrage von MedWatch. Maritim wirbt damit, ein „inhabergeführtes Familienunternehmen“ zu sein, das sich nach dem hauseigenen „Code of Conduct“ abverlangt, ein „in jeder Hinsicht sozial und ethisch verantwortungsbewusstes Verhalten“ an den Tag zu legen. An die Richtlinien will die Hotelkette nach eigenen Angaben auch Geschäftspartner binden: Jeder Verstoß „wird als wesentliche Vertragsverletzung seitens des Lieferanten beziehungsweise sonstigen Geschäftspartners betrachtet“, erklärt das Unternehmen.

Die Pressesprecherin will weder die Kongressinhalte bewerten – noch erklären, inwiefern diese mit dem Code of Conduct in Einklang zu bringen sind oder welche Konsequenzen die Hotelkette gegebenenfalls daraus ziehen wird. „Sicher haben Sie Verständnis, dass wir als privatwirtschaftliches Unternehmen und Anbieter von Kongress- und Tagungsräumlichkeiten dies nicht bewerten können“, erklärt sie lapidar.

Maritim: Aus AfD-Eklat nichts gelernt?

Vor gut einem Jahr hatte die Hotelkette starke Kritik einstecken müssen, da sie in Köln ihr Haus für den Bundesparteitag der AfD geöffnet hatte. Damals hatte das Unternehmen zwar dem AfD-Rechtsaußen Björn Höcke ein Hausverbot erteilt, doch den Vertrag mit der Partei nicht gekündigt – da sie sich innerhalb des demokratisch legitimierten Spektrums bewege. Die Polizei verwandelte das Hotel damals aufgrund von Protesten in eine Festung, die mit Wasserwerfern und Hundertschaften verteidigt wurde. Die Veranstaltung sei für die Mitarbeiter „sehr stressintensiv“ gewesen, erklärte Hoteldirektor Hartmut Korthäuer damals, und äußerte auch deutliche Kritik an den angereisten AfD-Mitgliedern. „Ich danke meinen Mitarbeitern, die sich trotz der schwierigen Lage und Gäste professionell verhalten haben“, sagte er. Gleichzeitig zog Korthäuer einen Schlussstrich. „Wir werden aus großer Sorge um unsere Mitarbeiter künftig der AfD keine Räumlichkeiten mehr für größere Veranstaltungen anbieten“, erklärte er.

In Sachen „Spirit of Health“ bleibt es nun jedoch bei den spärlichen Antworten. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns darüber hinaus zu unseren Kunden nicht öffentlich äußern werden“, erklärte die Pressesprecherin auf Rückfragen gegenüber MedWatch. Da sind die Veranstalter der Spirit of Health deutlich redseliger: „MMS ist eine tolle Sache“, jubeln sie überschwänglich in der Kongressbroschüre.

„Verbraucher, die MMS besitzen, sollten die Anwendung sofort einstellen und es wegwerfen“, erklärte hingegen die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA. Im Jahr 2010.

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