Dubioser Schwingungsmesser Bioresonanz-Geräte von Gericht als Betrug verurteilt

Ob Mensch oder Leberkäs: Bioresonanz-Geräte der Marke Bioscan spuckten immer die gleichen Ergebnisse aus. (Foto: Jorge Ramirez)
Ob Mensch oder Leberkäs: Bioresonanz-Geräte der Marke Bioscan spuckten immer die gleichen Ergebnisse aus. (Foto: Jorge Ramirez)

Bioresonanz-Geräte der Marke „Bioscan“ standen in Reformhäusern, bei Heilpraktikern und einigen Ärzten. Kunden bekamen nach einem kurzen Test schwarz auf weiß die Ergebnisse von vielen Vorgängen im menschlichen Körper. 200 medizinische Daten sollten ausgelesen werden können, beispielsweise der Cholesterin- oder der Testosteronwert. Kostenpunkt: 29 Euro, zumindest in Reformhäusern, verbunden mit einer Empfehlung, welche Nahrungsergängzungsmittel den soeben ermittelten Mangel ausgleichen könnten.

Wer auf diese Weise alles über seinen Gesundheitszustand wissen wollte, musste zwei Messfühler in die Hand nehmen. Kabel führten in einen Kasten und weitere von dort zu einem Laptop. Gemessen werden sollten Schwingungen im menschlichen Körper

Bioresonanz-Messung: Mensch oder Leberkäse, egal

Für die Sendung „report München“ testete der Allergologe Professor Walter Dorsch die Geräte, die immerhin zwischen 4000 und 5000 Euro kosteten. Heraus kam, dass die Bioresonanz-Geräte immer Ergebnisse ausspuckten – egal, ob da gerade ein Mensch angeschlossen war oder zum Beispiel ein Leberkäse. Bei ein und demselben Probanden gab es unterschiedliche Ergebnisse, wenn in der Software nur das Geburtsdatum verändert wurde.

Der Gutachter veröffentlichte seine Untersuchungsergebnisse mit einem Kollegen später auch in der Fachzeitschrift „Allergo Journal“. In Publikationen dieser Art dürfte ihre Beschreibung der Methoden ihresgleichen suchen:

Neun freiwillige Probanden (vier Frauen, fünf Männer), zwei männliche Patienten, eine Leiche, jeweils frischer Leberkäse (Fleischbrät) und ein feuchtes Tuch nahmen teil.

Bei den Ergebnissen wurde es ernster:

Bestehende Diagnosen schwer erkrankter Patienten wurden nicht erkannt, der Leiche beste Gesundheit neben einer Fülle potenzieller Gesundheitsrisiken attestiert, ebenso wie allen Probanden.

Hersteller zu zwei und drei Jahre Haft verurteilt

Das alles mündete in Ermittlungen gegen den Hersteller und einer Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Verstößen gegen das Heilmittelwerbegesetz. Ein Fernsehbeitrag darüber ist (noch) auf den Seiten des Bayerischen Rundfunks zu finden. Im Prozess bestätigte ein weiterer Gutachter die Ergebnisse von Walter Dorsch.

Jetzt kam das Gericht in Reutlingen zu einem Urteil: Die beiden Geschäftsführer des Herstellers wurden zu zwei beziehungsweise drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Außerdem sollen sie eine Strafe in Millionenhöhe zahlen. Laut Bayerischem Rundfunk wurden sie noch im Gerichtssaal verhaftet. Einer ehemaligen Mitarbeiterin steht eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen ins Haus. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Unbeeindruckt von alledem werden auch jetzt noch auf eBay sowohl Bioscan-Geräte als auch Messungen damit angeboten.


Redaktion: Nicole Hagen

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