Impfnosoden „Vertrauen auf eine nie eintretende Wirkung“

Nosoden
Nosoden: Kein Stoff im Stoff. Foto: Pixabay

„Impfnosoden“ versprechen die „Ausleitung“ schädlicher Substanzen aus dem Körper. Wie genau dies geschieht und welche Substanzen „ausgeleitet“ werden sollen, ist unklar. Gefährlich werden „Impfnosoden“, wenn Menschen aufgrund des Namens auf eine Impfwirkung hoffen. Denn die gibt es nicht.

Die Corona-Pandemie hat nicht nur in Deutschland zu einem Boom neuer Wirkstoffe geführt. In kürzester Zeit wurden neue Medikamente entwickelt, vorhandene umgewidmet sowie neue Impfstoffe auf den Markt gebracht.

Aber nicht nur die Wissenschaften kämpfen gegen SARS-CoV-2 und COVID-19. Auch die Homöopathie will Unterstützung bei und nach Corona-Infektionen anbieten. Das Portfolio der Globuli und Tinkturen hält für jede Art von Corona-Symptom eine mögliche Lösung bereit.

Allerdings tat sich auch ein – eigentlich gar nicht so – neuer Zweig der alternativen Mittel auf: „Impfnosoden“, und zwar je nach Beschreibung zur „Ausleitung“ einer Impfung, zum Schutz vor ihr oder gar als Impfersatz. Dabei hält die Nosoden-Lehre den einen oder anderen Fallstrick bereit, der es auch Alternativmediziner:innen und Heilpraktiker:innen nicht gerade einfach macht, sich in diesem Wirrwarr zurechtzufinden.

Nosoden sind keine klassische Homöopathie

Das Prinzip der Nosoden geht auf den deutsch-US-amerikanischen Arzt Constantin Hering (1800–1880) zurück. Er gilt als Begründer der Homöopathie in den USA und prägte zudem den Begriff der Nosoden; das altgriechische Wort „nosos“ bedeutet „Krankheit“. Herings Idee: Gleiches mit Gleichem heilen – „Aequalia aequalibus curentur“. „Nosoden basieren also auf einem Gleichheitsprinzip, der Isopathie“, sagt Udo Endruscheit. Er ist einer der Sprecher des Informationsnetzwerks Homöopathie (INH), welches sich kritisch mit der Homöopathie und verwandten alternativen Ansätzen auseinandersetzt. So auch mit Nosoden. „Die Nosoden-Lehre ist streng genommen nicht mit der Homöopathie vereinbar, denn die arbeitet nach dem Ähnlichkeitsprinzip“, sagt Endruscheit.

Samuel Hahnemanns Credo ist „Similia similibus curentur“ oder „Ähnliches möge Ähnliches heilen“. Diesem Prinzip folgend setzt die Homöopathie Globuli oder Tinkturen aus Grundsubstanzen ein, die in einem Gesunden ähnliche Symptome auslösen würden, wie sie Patient:innen mit der Erkrankung zeigen, die geheilt werden soll.

Was sagen die Krankenversicherer zu Nosoden?
MedWatch hat sie gefragt: Hier.

Die Nosoden-Lehre hingegen greift auf Grundsubstanzen zurück, die einen pathologischen oder pathogenen – also kranken – Charakter haben. Dies sind etwa Eiter, Krebszellen oder Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien. Die Ursprungssubstanzen werden gelöst und anschließend – wie auch in der klassischen Homöopathie – durch Verdünnungen potenziert. Die Substanz, mit welcher etwa Tuberculinum bovinum-Globuli benetzt werden, wurde aus dem Lymphknoten eines an Tuberkulose erkrankten Rindes gewonnen und soll auf „Geist und Gemüt, auf die Lungen, die Atemwege, den Kopf und seltener auch auf die Lymphknoten“ wirken. So lässt es sich auf einem Homöopathie-Portal nachlesen. Außerdem: „Mit Tuberculinum Bovinum kann zwar eine Tuberkulose im Frühstadium, nicht aber eine bereits ausgebrochene, akute Tuberkulose behandelt werden.“ Als Globuli gibt es Tuberculinum bovinum beispielsweise in der Potenz C200, 10 Gramm für 17,50 Euro.

Aber wenn sogar Viren oder Bakterien als Ursprungsmaterial für Nosoden herangezogen werden, können sie dann nicht theoretisch zur Ansteckung führen? Die Salvator-Apotheke im österreichischen Eisenstadt stellt eigene Nosoden her und betont auf ihren Seiten: „Alle Ausgangsstoffe werden nach den Vorschriften des Arzneibuches sterilisiert und Krankheitserreger abgetötet, bevor sie homöopathisch aufbereitet werden, damit keine Ansteckungsgefahr besteht.“ Zudem enthalten Nosoden wie auch klassische homöopathische Mittel in hohen Verdünnungen nur noch das Lösungsmittel. Das formuliert die Salvator-Apotheke so: „Potenzen ab C 12 oder D24 enthalten nur mehr die energetische Information des Ausgangsmaterials, Substanz vom Ausgangsmaterial ist ab diesen Potenzen nicht mehr vorhanden.“

Als Globuli, Tinktur oder Injektionen sollen Nosoden dann das Immunsystem oder erkrankte Organe stimulieren und somit die Selbstheilung anregen.

Nosoden: Ungenaue Definitionen

Ganz einig sind sich aber auch die Naturheilkundler:innen und Vertreter:innen alternativer Ansätze nicht, der Begriff Nosode wird inkonsistent verwendet. So gibt es Nosoden auch etwa aus Eigenurin oder Eigenblut, die bei Akne, Atemwegsinfekten oder Asthma helfen sollen. „Handverschüttelte Mutterkindnosoden“ aus Plazenta oder Nabelschnur gibt es im Globuli-Set für 65,80 Euro – inkl. Verpackung und Versand. Streng genommen widerspricht dies dem ursprünglichen Gedanken Herings, denn es handelt sich nicht um „krankes Material“.

Noch schwieriger mit der Definition wird es, wenn nicht körpereigene Substanzen oder „krankes Material“ als Ausgangssubstanzen für Nosoden genutzt werden, sondern evidenzbasierte Impfstoffe. Begründer und Verfechter dieser Idee war der niederländische Homöopath Tinus Smits (1946–2010). Er glaubte, dass mithilfe von potenzierten Impfstoffen „Impfschäden“ homöopathisch behandelt werden könnten, indem sie schädliche Nebenwirkungen neutralisieren oder „ausleiten“. Die Beschreibung seines Buches „Das Impfschaden-Syndrom“ fasst Smits‘ Gedankengang so zusammen: „Wenn sich ein Patient von Symptomen, die nach einer bestimmten Impfung aufgetreten sind, durch die Gabe einer homöopathischen Verdünnung dieses Impfstoffes wieder erholt, ist damit der Beweis erbracht, dass die Impfung für die Symptome verantwortlich war.“ Angeblich heilte Smits „Tausende von Kindern und Erwachsene“ mit seiner CEASE-Therapie (Complete Elimination of Autistic Spectrum Expression). Wie der Name verrät, lag der Fokus anfangs auf angeblich Impf-induziertem Autismus.

Inzwischen wurde mehrfach widerlegt, dass Autismus-Spektrum-Störungen nach Impfungen vermehrt auftreten. Dementsprechend würde auch eine Behandlung solcher „Impfschäden“ mit potenzierten Impfstoffen ins Leere laufen. In Kanada sprachen sich selbst Heilpraktiker:innen gegen derartige Therapieversprechen aus.

„Ausleitende Corona-Impfnosoden“

Trotzdem werden in Deutschland solche umgangssprachlich als „Impfnosoden“ bezeichneten Verdünnungen evidenzmedinischer Impfstoffe angeboten. Eine Heilpraktikerin etwa beschreibt auf ihrer Facebook-Seite zur „Behandlung von Impfreaktionen und –schäden durch die Coronaimpfung“ mit Bezug auf Tinus Smits:

„Mit der zweimaligen Gabe der Impfnosode bereite ich meine Patienten auf die anstehende Impfung vor. Ein paar Wochen nach dem Ende der Impfserie wird eine dritte Behandlung mit aufsteigenden Potenzen durchgeführt. Sie soll verhindern, dass durch eine systemische Störung tiefgreifende gesundheitliche Schäden eintreten.“

Auf die Frage von MedWatch, welche „systemischen Störungen“ verhindert werden sollen, wollte sich die Heilpraktikerin weder schriftlich noch telefonisch äußern. Ebenso wenig wollte sie beantworten, woher die „Impfnosoden“ stammen, die laut Facebook-Seite sowohl für die Impfstoffe von AstraZeneca als auch BioNTech/Pfizer vorlägen.

Auskunftsfreudiger war hier die Koblenzer Schloss-Apotheke, die Ende April 2021 auf ihrer Webseite „Pfizer/BioNTech Covid-19-Vaccine in potenzierter Form bis D30 als Globuli oder Dilution (zur Ausleitung)“ anbot. Nachdem diese Anzeige in den sozialen Medien die Runde machte, schalteten sich offizielle Stellen ein. Das rheinland-pfälzische Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung als Apothekenaufsicht untersagte den Verkauf dieser Nosoden. Die Landesapothekerkammer prüft, ob die Apothekerin ihre Berufspflicht verletzt hat; die zuständige Staatsanwaltschaft wiederum, ob gegen das Arzneimittel- oder das Heilmittelwerbegesetz verstoßen wurde.

Für die Herstellung der Globuli hatte die Apothekerin Impfdosen-Reste eines Impfzentrums verwendet und bis zum Vertriebsverbot bereits einige Einheiten verkauft, zehn Gramm á 15 Euro. Je nach Ausgang der Ermittlungen drohen ihr nun eine Ermahnung bis hin zu einer Geldbuße.

Impfreaktionen sind normal

Ziel dieser „Impfnosoden“ war die „Ausleitung“, gelegentlich auch als homöopathische Drainage bezeichnet. Unklar ist jedoch, was genau ausgeleitet werden soll. Hier unterscheiden sich die Informationen erneut. Je nach Quelle sollen Impfnebenwirkungen, der Impfstoff selbst oder weitere Inhaltsstoffe der Impfstofflösung aus dem Körper entfernt werden.

Nach einer Impfung reagieren Menschen mal mehr, mal weniger auf den verabreichten Impfstoff. Mögliche Impffolgen sind etwa Fieber, Müdigkeit, Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopf- oder Muskelschmerzen. Sie werden auch als induzierte Nebenwirkungen bezeichnet, denn sie sind nichts anderes als ein Zeichen dafür, dass der Körper seinen Job macht und das Immunsystem aktiviert. Diese Reaktionen zu unterdrücken oder „ausleiten“ zu wollen, wäre kontraproduktiv. Das schreibt auch der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte auf seiner Webseite: „‚Ausleitung‘ meint im naturheilkundlichen Sinne ‚Entgiftung‘. Impfstoffe sind primär keine ‚Gifte‘, ihre immunologische Wirkung ist erwünscht. Das Auftreten von Krankheitssymptomen nach einer Impfung ist eine Eigenreaktion des Organismus auf die Impfung.“

Anders verhält es sich bei körperlichen Reaktionen auf Zusätze, die Impfstofflösungen enthalten. Das sind Substanzen, die den Wirkstoff zum Beispiel löslicher oder stabiler machen. Außerdem sind Impfstoffen manchmal Adjuvantien zugesetzt. Das sind Hilfsstoffe, die die Wirkung des eigentlichen Impfstoffs verstärken. Vom Impfstoff selbst – etwa einem bestimmten Virus-Protein – kann dann deutlich weniger gespritzt werden, ohne dass die Impfwirkung geringer ausfällt. Bekannte Adjuvantien sind Aluminiumsalze wie Aluminiumhydroxid oder -phosphat. Vor allem Impfstoffe mit inaktivierten Erregern wie etwa gegen Grippe, Keuchhusten oder Tetanus enthalten diese Wirkverstärker, denn ohne die zusätzliche Stimulierung des Immunsystem wäre die Menge an Antigen zu gering. Allerdings sind die Mengen an Aluminiumsalzen in Impfdosen so gering, dass sie neben der täglichen Aluminiumzufuhr etwa mit der Nahrung überhaupt nicht ins Gewicht fallen.

Eine Alternative zu Impfungen mit regulär zugelassenen Impfstoffen – im Sinne einer wissenschaftlichen Medizin – stellen Nosoden nicht dar.

Paul-Ehrlich-Institut (PEI)

Interessanterweise enthalten die mRNA- und Vektorimpfstoffe (etwa von BioNTech/Pfizer oder AstraZeneca) gegen SARS-CoV-2 keine Adjuvantien, denn sie haben sie nicht nötig. Ihre sogenannte immunogene Wirkung ist ausreichend. Besonders bei den mRNA-Stoffen wird das eigentliche immunstimulierende Protein ja überhaupt erst im Körper hergestellt. Das braucht seine Zeit. Ein mit der Impfung injiziertes Aluminiumsalz wäre bis dahin längst wieder ausgeschieden.

Außer der eigentlichen mRNA enthält der Impfstoff von BioNTech/Pfizer zudem Lipide (also Fette). Die Lipid-Nanopartikel sind nichts anderes als kleine Fettkügelchen. Ohne sie würde die mRNA im Körper als Fremdstoff erkannt und in kürzester Zeit in seine Einzelteile zerlegt. Außerdem schleusen die Fettkügelchen die mRNA durch die Zellwände zu den Maschinerien, die aus der mRNA ein bestimmtes Virus-Protein herstellen. Gegen diesen Virusteil entstehen dann Antikörper, die den Körper fortan vor einer Virusinvasion schützen.

Zur Stabilisierung der wässrigen Lösung werden dem Impfstoff noch Salze und Saccharose, also Haushaltszucker, zugesetzt. Das ist alles. Damit lesen sich sogar die Zutatenlisten von Pflanzenmargarine, Flüssigshampoo oder Tagescremes um einiges spektakulärer.

Es ist richtig, dass Menschen vereinzelt gegen Bestandteile der Impflösungen allergisch reagieren können, ebenso wie es Menschen gibt, die auf Bestandteile von Äpfeln, Erdnüssen oder Sellerie allergisch reagieren. Trotzdem käme niemand auf die Idee, Nosoden zum „Ausleiten“ von Apfelallergenen zu verkaufen. Die Hilfsstoffe hingegen sind für die Impfung wichtig und auch alle für den Gebrauch in Arzneimitteln zugelassen. Im Körper werden sie mit der Zeit abgebaut oder ausgeschieden, und zwar mit oder ohne „Impfnosoden“.

Impfen mit „Impfnosoden“? Nein.

Wenn „Impfnosoden“ sich nicht zum „Ausleiten“ eignen, dann vielleicht zum Impfen? Die Österreichische Tageszeitung „Der Standard“ berichtete im Januar 2021 von einer Wiener Apotheke, die in einem Newsletter „Covid Pfizer/BionTech Impfstoffnosode in der Potenz C30“ beworben hatte. Auf Nachfrage beeilte sich die Apotheke zwar klarzustellen, dass diese Nosoden nicht gegen SARS-CoV-2 schützen, sondern – wie auch im Koblenzer Fall – lediglich einen möglichen Impfstoff „ausleiten“ sollen. Dennoch: Ein Laie mag auf den Gedanken kommen, dass „Impfnosoden“ eine „natürliche Alternative“ zur evidenzbasierte Impfung darstellen. „Das ist natürlich eine enorme Gefahr, nämlich das Vertrauen auf eine nie eintretende Wirkung“, gibt INH-Sprecher Endruscheit zu bedenken und ergänzt: „Die Menschen wiegen sich in falscher Sicherheit.“ Während sie beim Kauf von Nosoden in der Apotheke vor Ort noch auf einen entsprechenden Hinweis hoffen könnten, fiele dies beim Kauf auf entsprechenden Portalen oder in Online-Apotheken weg.

So gibt es beispielsweise „Grippe Nosode Injeel“ zur Injektion, 10 Ampullen für 25,44 Euro. Laut Beschreibung wurden für dieses Produkt Grippeimpfstoff-Nosoden der Potenzen D10, D30 und D200 gemischt. Eine Empfehlung, wogegen oder wie diese Nosoden eingesetzt werden sollten, sucht der Käufer vergebens. Das hat seinen Grund: Sowohl Hersteller als auch Verkäufer halten sich mit konkreten Empfehlungen zurück, denn es greift das Heilmittelwerbegesetz. Das schreibt vor: „Für homöopathische Arzneimittel, die nach dem Arzneimittelgesetz registriert oder von der Registrierung freigestellt sind, darf mit der Angabe von Anwendungsgebieten nicht geworben werden.”

Der Hintergrund für dieses Gesetz ist eigentlich löblich. Denn so soll verhindert werden, dass für Mittel ohne wissenschaftlich nachgewiesenen Nutzen irreführende Heilsversprechen ausgesprochen werden dürfen. Dennoch lassen die fehlenden Anwendungs- oder Dosierungshinweise so manchen Hilfesuchenden ratlos zurück.

Ein Apotheker, der auch Nosoden in seinem Sortiment führt, schreibt auf MedWatch-Nachfrage: „Wir wollen und können keinerlei Heilversprechen machen. Wir bieten interessierten Ärzten und Heilpraktikern Nosoden an, die diese dann in ihrer Verantwortung nach einer ausführlichen Anamnese – wofür auch immer – einsetzen können.“ Einige Apotheken, die „Impfnosoden“ auch online vertreiben, weisen stattdessen bei ihren Produkten darauf hin, was diese nicht können: „Impfungen im medizinischen Sinn sind mit Globuli NICHT möglich!“ oder: „In jedem Fall ist eine homöopathische Arznei aus einem Impfstoff nicht als Ersatz für eine evidenzbasierte Impfung einzusetzen.“ Solche klaren Hinweise finden sich allerdings selten.

Auf MedWatch-Anfrage positioniert sich auch das Paul-Ehrlich-Institut klar: „Eine Alternative zu Impfungen mit regulär zugelassenen Impfstoffen – im Sinne einer wissenschaftlichen Medizin – stellen Nosoden nicht dar.“ Das Bundesinstitut, das für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel zuständig ist, erläutert weiter: „Nosoden sind keine Arzneimittel im Sinne des Arzneimittelgesetzes, sie werden im Rahmen alternativmedizinischer Anwendungen eingesetzt. Das Paul-Ehrlich-Institut kann sich fachlich ausschließlich zu biomedizinischen Arzneimitteln äußern, die über eine reguläre, arzneimittelrechtliche Zulassung verfügen und damit Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit unter Beweis gestellt haben. Das trifft auf Nosoden nicht zu, sie unterliegen keiner staatlichen Überprüfung, sodass eine Bewertung nicht möglich ist.“

Bestätigt werden diese Aussagen durch die Forschung. In einer Studie aus dem Jahr 2018 untersuchten Wissenschaftler:innen 150 junge Proband:innen, die in ihrer Kindheit alle die für Kinder empfohlenen evidenzbasierte Impfungen erhalten hatten. Für die Untersuchungen wurden sie zufällig in drei Gruppen unterteilt, die nun entweder gar keinen Impfstoff, eine evidenzbasierte Impfung oder aber Nosoden bekamen. Das Fazit: „Homöopathische Impfstoffe rufen keine Antikörperreaktionen hervor und erzeugen eine Reaktion, die der von Placebos ähnelt. Im Gegensatz dazu liefern konventionelle Impfstoffe bei der Mehrheit der Geimpften eine robuste Antikörperreaktion.“

Zum gleichen Ergebnis kommt eine Stellungnahme der Kanadischen Pädiatrischen Gesellschaft, die das Fazit sogar bereits im Titel trägt: „‚Nosoden‘ sind kein Ersatz für Impfstoffe“.

Nosoden: Kein Stoff im Stoff

Das ist wenig überraschend. Denn um Antikörper bilden und seine Immunzellen trainieren zu können, benötigt der Körper irgendetwas. In Nosoden – und das sagen ja selbst Homöopath:innen – ist kein einziges Molekül des Impfstoffes mehr vorhanden, sondern lediglich „stoffliche Energie“ oder ein „Gedächtnis“ an die Ursprungssubstanz. Beides reicht nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen aber nicht, um das Immunsystem zu stimulieren. Deshalb eignen sich „Impfnosoden“ auch nicht zum natürlichen“, „sanften“ oder „homöopathischen“ Impfen.

Ebenso auf der theoretischen Ebene sind Impfungen mit „Impfnosoden“ nicht haltbar. Auf den ersten Blick mag das homöopathische Ähnlichkeitsprinzip gelten, also Ähnliches möge Ähnliches heilen“. Allerdings heilen Impfstoffe naturgemäß nicht, sondern sollen eine Erkrankung verhindern. Der Impfstoff an sich ist wie eine Matrize des Krankheitserregers, dessen Information abgespeichert und bei Bedarf schnell aus der Schublade geholt werden kann. Damit ist das Immunsystem auf eine mögliche Infektion mit eben diesem Krankheitserreger vorbereitet und kann eine schwere Erkrankung oder sogar eine Infektion verhindern. In der Regel werden also gesunde Menschen geimpft; und dort findet sich keine „verstimmte Lebenskraft“, die es wieder in Ordnung zu bringen gilt.


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2 Kommentare zu „„Vertrauen auf eine nie eintretende Wirkung“

    1. Lieber Herr Senegal, sie haben vollkommen Recht und wir benutzen den Begriff der “Schulmedizin” eigentlich auch nicht. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler und haben die jeweiligen Formulierungen korrigiert. Beste Grüße, Nicola Kuhrt

Wir freuen uns über kritische Kommentare, Feedback und Vorschläge. Wir bitten darum, Kommentare sachlich zu halten und auf Beleidigungen zu verzichten – und behalten uns vor, Kommentare ansonsten nicht zu veröffentlichen. Bitte belegen Sie Ihre Aussagen nach Möglichkeit auch mit Links oder anderen Verweisen. Wir prüfen alle Kommentare vorab und schalten sie frei - insbesondere am Abend oder am Wochenende geschieht dies teils zeitverzögert. Besten Dank und schöne Grüße vom MedWatch-Team!

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