Leserfragen zu Corona Das große Masken-FAQ

(Fotos: hfd / MedWatch)

Das Coronavirus prägt längst den Alltag jedes einzelnen und wirft immer wieder Fragen auf. Besonders zum Tragen der Schutzmasken erreichten uns viele E-Mails. In unserem Corona-Spezial haben wir die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

„Die Debatte über die Notwendigkeit, Masken zu tragen, ist beendet“, erklärt Joseph G. Allen, Professor für Umweltgesundheit an der Harvard University in Cambridge. „Wenn Sie eine Maske tragen, schützen Sie sich selbst, Sie schützen andere, Sie verhindern, dass Sie Ihr Gesicht berühren”, sagte Allen kürzlich der New York Times.

Zu Beginn der Pandemie hatten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wie auch das Robert-Koch-Institut (RKI) noch gezögert, das Tragen von Masken flächendeckend zu empfehlen. Später änderten die Institutionen ihre Einschätzung aufgrund von wissenschaftlichen Studien: Anfang Juni riet die WHO erstmals deutlich zum Tragen von Masken. Auch das RKI empfiehlt es.

Dennoch gibt es in Alltagssituationen immer wieder Diskussionen, manche Menschen empfinden das Trägen einer Maske als Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit. Die Mehrheit der Deutschen ist damit allerdings einverstanden, wie etwa das Forschungsprojekt COSMO, dasnahezu wöchentlich Umfragen zu Corona durchführt, berichtet. Die Akzeptanz, eine Maske zu tragen ist in den vergangenen Tagen demnach sogar noch ein wenig mehr geworden: Auf 92,9 Prozent in Kalenderwoche 45, in der Vorwoche waren es noch 89,9 Prozent. COSMO ist ein Gemeinschaftsprojekt der Uni Erfurt, des RKIs und weiterer Institutionen.

Wie gut schützen Masken vor einer Ansteckung mit Covid-19?

Nach einer großen Meta-Analyse im Auftrag der WHO, in dem ein kanadisches Forscherteam mehr als 200 Studien auswertete, senken Masken das relative Risiko, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, um etwa 80 Prozent. Das bedeutet: Wenn das Basisrisiko sich anzustecken, bei etwa 50 Prozent liegt, dann verringert es sich mit Maske auf zehn Prozent. Ist das Basisrisiko ein Prozent, reduziert sich die Gefahr für eine Ansteckung auf 0,2 Prozent. Diese Angaben gelten für den einfachen chirurgischen Mund-Nasen-Schutz. Basierend auch auf dieser großen Studie, veröffentlicht im Juni im Fachmagazin Lancet, hat die WHO schließlich ihre Maskenempfehlung ausgesprochen.

Trish Greenhalgh von der University of Oxford hat zusammen mit fünf weiteren Forschern im Oktober ebenfalls eine umfassende Auswertung der aktuellen Studienlage veröffentlicht. Alle Autoren sind namhafte Experten und beobachten die Situation um Corona und Masken seit Beginn der Pandemie. Damals haben sie eine erste Arbeit im British Medical Journal veröffentlicht, die gewonnenen Informationen dann fortlaufend mit jeder neuen Studie aktualisiert. Ihr Fazit: Masken können die Übertragung des Virus signifikant verringern. Die Vorteile der Masken überwiegen mögliche Schäden, wenn die Ausbreitung von COVID-19 gestoppt werden soll.


Welche Masken gibt es und was können sie?

Das Robert Koch-Institut empfiehlt das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (MNB), – auch als Community Maske oder DIY-Maske bekannt – etwa beim Einkaufen, in Bus und Bahn und öffentlichen Gebäuden. Dort ist das Tragen einer Maske sowieso meist Pflicht.

So soll die Ausbreitungsgeschwindigkeit von COVID reduziert und Risikogruppen geschützt werden. Diese Empfehlung beruhe auf Untersuchungen, die belegen, dass ein relevanter Anteil von Übertragungen von SARS-CoV-2 unbemerkt erfolgt: Also zu einem Zeitpunkt vor dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen, schreibt das RKI in seiner Empfehlung.

Das Tragen einer MNB trage dazu bei, andere Personen vor feinen Tröpfchen und Partikeln, die etwa beim Sprechen, Husten oder Niesen entstehen, zu schützen (Fremdschutz). Wichtig ist hierbei, dass Mund und Nase bedeckt sind.

Medizinische Gesichtsmasken (auch bekannt als Mundnasenschutz, MNS, OP-Masken oder Einweg-Masken) dienen vor allem dem Schutz anderer Menschen. Begrenzt schützt ein MNS – bei festem Sitz – auch den Träger der Maske, dies sei jedoch nicht deren Ziel, erklärt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Da der Träger je nach Sitz des MNS nicht nur durch das Vlies atmet, sondern die Atemluft an den Rändern der Maske vorbeigelangt, bieten diese in der Regel kaum Schutz gegenüber erregerhaltigen Aerosolen. Sie können jedoch Mund- und Nasenpartie des Trägers vor einem direkten Auftreffen von Tröpfchen anderer schützen.

Partikelfiltrierende Masken (FFP1, FFP2 und FFP3) sollen den Träger der Maske – zum Beispiel Krankenpflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte – vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen schützen. Das Design dieser Masken ist unterschiedlich. Es gibt solche ohne Ausatemventil und andere mit Ausatemventil. Masken ohne Ventil filtern sowohl die eingeatmete Luft als auch die Ausatemluft und bieten daher sowohl einen Eigenschutz als auch einen Fremdschutz, obwohl sie primär nur für den Eigenschutz ausgelegt sind. Masken mit Ventil filtern nur die eingeatmete Luft und bieten daher keinen Fremdschutz.

Sind Masken mit Nano-Silber sinnvoll?

Händler beschreiben Masken, die Nano-Silber enthalten, als besonders geeignet für Allergiker, Asthmatiker oder Menschen, die ein geschwächtes Herz- oder Lungensystem haben. Dies soll den besonderen Nutzen für den Einsatz in Zeiten von Corona suggerieren.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist nicht überzeugt. In seiner aktuellen Information rät das Bundesinstitut von dem Gebrauch der Masken ab – die teils zu stolzen Preisen verkauft werden. „Über die Wirkung von Nano-Silber auf Viren ist bisher nur wenig bekannt“, schreibt das Institut. Für Coronaviren gäbe es nur vereinzelte Studien, die „die einen moderaten inaktivierenden Effekt zeigen, der aber auch von der Art der Nanopartikel und deren Applikation abhängt.“ Das BfR verweist auf eine Studie, die im Fachmagazin „Science“ erschienen ist.

Das es hier aber für die „Aufnahme in den Organismus, die Verteilung sowie die mögliche Wirkung auf Zellen und Gewebe Unterschiede zwischen den verschiedenen Silberformen geben kann“, könnten „Erkenntnisse, die zu gesundheitlichen Risiken einer bestimmten Form von Silber gewonnen wurden, nicht unmittelbar auf andere Formen übertragen werden.“

Silber hat keimtötende Eigenschaften, die durch die Bildung von Ionen auf seiner Oberfläche zustande kommt, schreibt das BfR. Bei Nanosilber sei diese stärker ausgeprägt, da die Oberfläche der winzigen Teilchen im Verhältnis zum Volumen größer ist. Zudem kann Nanosilber Zellwände durchdringen. Bei Aufnahme in den Körper kann es deshalb in nahezu alle Organe gelangen, mit noch nicht abschließend geklärten Auswirkungen auf die Gesundheit.

Durch das Tragen einer Maske sei durch das Atmen oder den Speichel eine Freisetzung und Aufnahme von Silberionen möglich, schreibt das BfR. Da derzeit eine abschließende Bewertung der gesundheitlichen Risiken durch Silbermasken aufgrund der dünnen Studienlage nicht möglich sei und längerfristige Auswirkungen auf die „Mikroflora der Haut und eine mögliche Resistenzentwicklung bei Bakterien“ nur unzureichend erforscht sind, empfiehlt die Behörde, auf den Einsatz von Nanosilber zu verzichten. Zumindest solange, bis die Datenlage eine abschließende Bewertung der gesundheitlichen Risiken erlaubt.

Sind Visiere eine Masken-Alternative?

Visiere als Ersatz für einen Mund-Nasen-Schutz sehen meist futuristisch aus und erlauben eine freie Sicht auf die Mimik des Trägers, was etwa für gehörlose Menschen wichtig ist. Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass sie einen gleichwertigen Schutz bieten. Im Gegenteil: Vor der Ausbreitung möglicherweise infektiöser Atemluft schützen sie nicht gut. Gemäß den Hinweisen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) muss eine Maske richtig über Mund, Nase und Wangen platziert sein und an den Rändern eng anliegen, um das Vorbeiströmen von Luft an den Seiten zu minimieren. Durch das Tragen einer Maske können auf diese Weise die Geschwindigkeit des Atems oder des Tröpfchenauswurfs reduziert werden.

Visiere dagegen bremsen zwar den Luftstrom, können aber nur die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen. „Die Verwendung von Visieren kann nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand nicht als Alternative angesehen werden“, urteilt das Robert-Koch-Institut. Aktuelle Studien wiesen darauf hin, dass die Wirkung von Visieren auf ausgestoßene Partikel deutlich schlechter ist.

Was ist mit Masken mit Ventil?

Gleichermaßen sind Masken mit Ausatemventilen wenig geeignet für den Schutz anderer Menschen, denn aus diesen Öffnungen entwichen Tröpfchenwolken wie bei den Visieren. Dementsprechend gibt auch das BfArM zu bedenken: „Masken mit Ventil filtern nur die eingeatmete Luft und bieten daher keinen Fremdschutz.“

Wie müssen Stoffmasken eigentlich gewaschen werden?

Nach Angaben des BfArM bieten Alltagsmasken aus Stoff zwar keine nachgewiesene Schutzwirkung gegen das Virus, dienen aber als Barriere für den Tröpfchenauswurf des Maskenträgers. Sie können damit Studien zufolge die Gefahr einer Übertragung zumindest ein Stück weit verringern. Um auch andere Keime abzutöten, sollten Masken nach einmaliger Nutzung idealerweise bei 95 Grad Celsius, mindestens aber bei 60 Grad gewaschen werden. Anschließend soll die Maske vollständig getrocknet werden, heißt es vom BfArM.

Wie verstaut man sie zwischendurch am besten?

Wer seine Mund-Nasen-Bedeckung gerade nicht trägt, steckt diese am besten in einen wiederverschließbaren Plastikbeutel. Das zeigt April Baller, Präventionsexpertin der WHO, in einem offiziellen Video. Auch das BfArM rät, die Maske – wenn nicht im Gesicht – möglichst luftdicht in einem Beutel aufzubewahren oder diese sofort zu waschen. Die Aufbewahrung sollte nur über möglichst kurze Zeit erfolgen, vor allem um Schimmelbildung zu vermeiden.

Und wenn man die Maske unterwegs nur mal kurz absetzten will? Experten raten, genau dies nicht zu tun. Und wenn doch, nutzt man dazu am besten nur die Bänder an den Seiten der Maske. Die Vorderseite solle nicht berührt werden, da diese prinzipiell kontaminiert sein und man sich hierüber infizieren könnte. Die weitaus bessere Variante, sei dann, die Maske an den Ohrschlaufen hängen zu lassen oder sie an Handgelenk oder Arm zu tragen, sagt René Rossi. Er leitet die Abteilung „Biomimetic Membranes and Textiles“ an der Uni St. Gallen und ist Mitglied einer Covid-Taskforce beim Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz.

Stimmt es, dass Masken schädlich für den Träger sein können?

Schäden durch das Tragen eines Gesichtsschutzes  gäbe es kaum, schreiben die Masken-Experten um Trish Greenhalgh von der University Oxford. Zu Beginn der Pandemie seien Bedenken geäußert worden, dass Masken gesundheitliche Probleme verursachen könnten, etwa weil sie den Träger dazu verleiten könnten, sein eigenes Risiko als zu gering einzuschätzen. Auch durch das wiederholte Auf- und Absetzen könne ein erhöhtes Übertragungsrisiko entstehen, wenn die Vorderseite der Maske mit virushaltigen Partikeln verschmutzt und diese über die Hände übertragen werden. Zudem sorgte man sich um Nebenwirkungen des Maskentragens wie Angstzustände, zu geringe Sauerstoffversorgung des Körpers und allergische Hautausschläge. Auch Kommunikationsschwierigkeiten wurden als Negativpunkt genannt.

Trish Greenhalgh und ihre Kollegen fanden keinerlei Belege für diese Behauptungen: Dass das Tragen einer Maske zu einem weniger bewussten Verhalten führt, zeigte sich nicht – eher im Gegenteil. Ihre systematische Überprüfung zur Ermittlung von Schäden durch das Tragen von Masken ergab auch keine Hinweise auf vermehrte Gesichtsberührungen. Es fanden sich auch Einzelfallberichte über Angstzustände – ausgelöst etwa dadurch, dass die Maske stetig daran erinnerte, dass man in einer Pandemie lebe – eine Infektion mit Sars-Cov-2 also möglich ist.

Die Behauptung, dass Masken und Gesichtsbedeckungen den Gasaustausch stören und zu einer Minderversorgung des Körpers mit Sauerstoff und ungesunden Kohlendioxid-Werten im Blut führen, hat laut der Experten ebenfalls keine empirische Grundlage.

Kritiker der Maskenpflicht zitieren als Beleg einer vermeintlichen Gefahr einer „CO2-Rückatmung“ teils eine Doktorarbeit aus 2005, berichtet das Magazin „Quarks“. Die Autorin hatte untersucht, ob sich der Gehalt an Kohlendioxid im Körper unter Verwendung von OP-Masken (MNS) erhöht. Demnach sei der Gehalt an Kohlendioxid bei Masken-Trägern höher, sie hatten auch mehr Kohlendioxid im Blut.

„Ein gemessener erhöhter CO2-Gehalt bedeutet nicht, dass er auch Auswirkungen haben muss“, erklärte hierzu Peter Walger von der deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene in „Quarks“. Zu diesem Schluss kam übrigens auch die Autorin der Dissertation selbst.

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