Corona-Verschwörung per Telegram „Schwarze Doktoren“ verraten vermeintliche Geheimnisse

Foto: Screenshot "Doktoren in Schwarz"

Rund um das neuartige Coronavirus werden immer wieder Falschinformationen und Verschwörungstheorien verbreitet – meist auf Facebook, Twitter oder anderen Sozialen Netzwerken. Im Film „Schwarze Doktoren“ wird suggeriert, die Corona-Pandemie sei durch Forscher des amerikanischen Militärs und eines chinesischen Labors ausgelöst worden.

Ein Film landete in diesen Tagen im Postfach gleich mehrerer unserer Leser – sie schrieben uns mit der Frage, ob wir uns das Video mit dem Titel „Schwarze Doktoren“ einmal genauer ansehen können. In dem Beitrag, der vor allem über einen Telegram-Kanal vielfach gesehen und geteilt wurde, äußert die amerikanische Wissenschaftlerin Judy Mikovits mehrere seltsame Theorien. Etwa, dass man auf keinen Fall einen Mundschutz tragen solle – dieser aktiviere erst das neuartige Coronavirus.

Interviewt wird Mikovits in diesem Filmbeitrag durch Mikki Willis. Er wird vorgestellt als „Vater und Filmemacher“ – und in der Tat: Das rund zwanzigminütige Video ist eine Art Trailer für einen Film, der bald veröffentlicht werden soll. In diesem soll „die wissenschaftliche und politische Elite enttarnt werden, die betrügt und das globale Gesundheitssystem der Menschen zerstört. So erklärt Mikovits:

Das Coronavirus ist im Labor entstanden. Freigesetzt wurde es durch eine Kooperation von Forschungseinheiten der US-Armee in Fort Detrick und einem Labor im chinesischen Wuhan.

In dem Gespräch zwischen Mikki Willis und Mikovits, das durch kurze Filmsequenzen unterbrochen wird, beschuldigt die Forscherin zudem mehrfach Anthony Fauci, Leiter des US-amerikanischen Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) und Leiter der Coronavirus Task Force des Weißen Hauses. Fauci soll verantwortlich für den Tod von Millionen Menschen in den ersten Jahren der Aids-Pandemie sein.

Das Wissenschaftsmagazin „Science“ und „Mimikama“, ein österreichischer Verein zur Aufklärung über Falschinformationen im Internet, hat die Aussagen des Videos überprüft – keine sei wahr, berichten die Redakteure in ihrem Faktencheck. YouTube, Facebook und andere Plattformen haben das Video aufgrund von Ungenauigkeiten bereits wieder gelöscht. Doch es taucht immer wieder auf, auch auf der Website zum Film und anderen Internetseiten, auf denen weitere Verschwörungstheorien zu finden sind.

Im Video wird zum Beispiel der Eindruck erweckt, Mikovits sei Teil des Teams gewesen, das HIV entdeckt und dessen Behandlung revolutioniert habe. Mikovits soll Kritik an den Kollegen ihres Teams geäußert haben und – so heißt es im Video: „Weil sie ihre tödlichen Geheimnisse enthüllt hatte, führten die Schergen der großen Pharmaindustrie Krieg gegen Dr. Mikovits und zerstörten ihren guten Namen, ihre Karriere und ihr Privatleben“. Und weiter: „Jetzt, wo das Schicksal der Nation in der Schwebe hängt, nennt Mikovits die Namen derer, die hinter der Plage der Korruption stecken, die das Leben aller in Gefahr bringen.“ Mikovits soll sogar fünf Jahre ohne Anklage inhaftiert worden sein.

Mikovits: Studie zurückgezogen

Wie „Science“ berichtet, arbeitete Mikovits zum Zeitpunkt der Entdeckung von HIV noch als Labortechnikerin, ihre Promotion stand noch aus. „Es gibt zudem keine Hinweise darauf, dass Fauci irgendwelche Veröffentlichungen aufhielt oder dass dies zum Tod von Millionen Menschen führte.“

Tatsächlich war Mikovits dann 2009 Mitautorin eines wissenschaftlichen Artikels, in dem erklärt wurde, ein Erreger namens „Xenotropic Murine Leukemia Virus-Related Virus“ (XMRV) würde das chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) verursachen. Die Virologin arbeitete mittlerweile am Whittemore Peterson Institute, einem gemeinnützigen Forschungsinstitut im US-Bundesstaat Nevada. Die Studie weckte damals die Hoffnung, dass CFS mit Virostatika behandelt werden könne. Einige Patienten begannen sogar, antiretrovirale Medikamente einzunehmen.

Doch andere Forscherinnen und Forscher kritisierten die Ergebnisse von Mikovits und ihrem Team. In den folgenden zwei Jahren stellten sich die Behauptungen als falsch heraus, der Bericht wurde zurückgezogen. Mikovits weigerte sich dennoch, die Widerrufserklärung zu unterschreiben, berichtet „Science“. Stattdessen nahm sie an einem weiteren großen Replikationsversuch teil. Diese 2,3-Millionen-Dollar-Studie, die von den National Institutes of Health (NIH) finanziert wurde, zeigte erneut, dass die Aussage von Mikovits und ihrem Team falsch war. Im Streit verließ sie das Whittemore Peterson Institut. Es kam zu einer Anzeige, weil Mikovits einen Laptop und interne Daten mit nach Hause genommen haben soll.

Coronavirus: Die Fakten

Mikovits hat seit 2012 nicht mehr in wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht. Sie begann jedoch bald wieder, die XMRV-Hypothese als richtig darzustellen. Auch vertrat sie kontroverse Theorien über die Ursachen von Autismus, berichtet „Science“. Dies habe sie in den Augen einiger zu einer Märtyrerin gemacht.

Und was ist mit Mikovits aktuellen Äußerungen, etwa zur Entstehung von Sars-Cov-2 – dem Virus, das Covid-19 verursacht?

Tatsächlich ist der Ursprung des Virus noch nicht abschließend geklärt. Es hat sich vermutlich seit Herbst 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan ausgebreitet. Forscherinnen und Forscher nehmen an, dass das Virus aus Fledermäusen stammt und über eine weitere Tierart auf den Menschen übergesprungen ist. Welche Art es genau war, wird diskutiert. Lange wurde davon ausgegangen, dass das Sars-Cov-2 sich von einem Wildtiermarkt in Wuhan ausgebreitet hat, dieser wurde Anfang des Jahres geschlossen. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege, das Sars-Cov-2 künstlich erzeugt wurde.

Und was ist mit den Masken?

Auch wenn es zwischenzeitlich Debatten darüber gab, wann und welche Masken zu tragen sind, kann ausgeschlossen werden, dass diese das neuartige Coronavirus aktivieren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Robert-Koch-Institut (RKI) hatten sich zunächst gegen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutz ausgesprochen: Unter anderem, weil dieser ein „Sicherheitsgefühl“ entstehen lassen könnte, das andere wichtige Schutzmaßnahmen wie das Händewaschen vergessen lasse. Doch mittlerweile gibt es Studien, die eine Schutzwirkung zeigen – wenn die Maske richtig sitzt.

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Ein Kommentar zu „„Schwarze Doktoren“ verraten vermeintliche Geheimnisse

  1. Ich würde mir durchaus mal einen neutralen Artikel zur Maskenpflicht wünschen. Ich finde den Verweis im Nebensatz auf eine Studie, die letztlich eine Fehlannahme überprüft, kontraproduktiv. Wegen dieser neumodischen Studiengläubigkeit verliert mittlerweile zu oft der gesunde Verstand. Richtig ist, trägt man eine Maske ohne Filtereigenschaft (und/oder die zu den Seiten offen ist), dann hält man keine Vire auf-physikalisch unmöglich.

    Stattdessen belästigt man unter anderem die Bürger medial mit Schildascience, wo unter bunt eingefärbten Videofiltern Probanden husten und atmen und dabei unterschiedlich weite Aerosolwolken fabrizieren. Das dies keinerlei Relevanz hat, zeigt sich darin, dass die Viren in beiden Fällen nicht aufgehalten werden können (Randnotiz: die sind und bleiben fürs Auge unsichtbar, die können auch neben, unter, über, hinter, vor der “Wolke” sein.) und sich im freien Raum befinden-dort werden sie dann verwirbelt. Am Beispiel Supermarkt wird dann deutlich, dass man so schlechtestenfalls gebündelte Virenlast produziert, durch die der nächste Kunde durchläuft. Frei ausgeatmet wäre die Virenlast weiter aufgefächert und schneller verwirbelt. Das ist soweit unstrittig, die Physik dahinter lässt sich nicht durch Glauben oder groteske Versuchsaufbauten fernab aller Realitäten verändern.

    Dazu kann man ja auch in seriöser Fachpresse seit Jahr und Tag zur Genüge Artikel finden und es weiß doch auch jeder (zumindest dachte ich das bis dato), dass die geläufigen Masken (und schon dreimal nicht die Behelfsmasken) nie zur Virenabwehr gedacht waren und sind, sondern schlicht den Ursprung haben, den Patienten vor einer Sepsis zu bewahren, weil der Arzt oder die Pflegekraft Speichel oder Nasensekret unbeabsichtigt auf offene Wunden tropfen lässt.

    Wenn man einerseits völlig zu Recht Irrtümer der Alternativmedizin offenlegt, dann darf bzw. sollte man nicht andererseits die Maskenpflicht derart unkritisch abhandeln. Es ist schon richtig, dass man groben Unsinn wie diese Pseudodokumentationen beim Namen nennt. Aber bitte, das im Jahr 2020 Aberglaube wie “Maske gegen Corona” Konjunktur hat und sich im “besten Gesundheitssystem der Welt” mehrheitlich Personal tummelt, dass dazu keinen Pieps sagt, wenn so ein Mumpitz vom Gesetzgeber vorgeschrieben wird, ist erstaunlich und beängstigend.

    Die Leute mögen nicht für alles Fachwissen vorweisen können (wer kann das schon?), aber viele merken, wenn etwas nicht stimmig sein kann. Und wenn man nur die Wahl zwischen Unsinn hat, dann sucht man sich legitimerweise den aus, der einem am besten zupasskommt-die einen den offiziellen Blödsinn, die anderen solche Rattenfängerdokus. Verloren haben am Ende beide und keiner von denen braucht sich intellektuell oder moralisch über den anderen zu erheben!

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