Unwissenschaftliche und gänzlich falsche Beiträge zu Impfthemen landeten bei großen Plattformen wie Youtube oder Facebook oftmals weit oben bei den Treffern – nach erheblichem Druck wollen die Betreiber dies jetzt teils ändern: US-amerikanische Politiker und Werbekunden hatten die Konzerne teils stark kritisiert oder mit dem Entzug von Werbegeldern gedroht, wie wir berichtet haben.
Die Maßnahmen betrafen bislang allerdings überwiegend englischsprachige Beiträge, deutschsprachige Inhalte wurden nicht einer Prüfung unterzogen. Zusammen mit dem Deutschlandfunk haben wir uns des Themas angenommen.

Google und Youtube wollen nachsteuern

Auf Nachfrage erklärt die für Google und Youtube zuständige Medienagentur, dass die Firmen bereits erste Schritte gemacht hätten: Die Kanäle von Impfgegnern könnten auf YouTube keine Werbung mehr vor ihre Videos schalten. „Jede Falschinformation zu medizinischen Themen ist besonders besorgniserregend“, erklärt ein Google-Sprecher auf Nachfrage von MedWatch. Weiter sagt er:

„Wir haben in dieser Sache eine Reihe von Schritten unternommen: Hierzu zählt, dass mehr verlässliche Inhalte auf unseren Seiten erscheinen, wenn Menschen nach Impf-Themen suchen. Außerdem beginnen wir, Empfehlungen für bestimmte Anti-Impf-Videos zu reduzieren und Infotafeln mit weiteren Quellen anzuzeigen, wo Menschen die Informationen selber Fact-checken können. Wie viele Änderungen in den Algorithmen erfolgt dies graduell und wird über die Zeit akkurater werden.“

Wer beim gleichfalls zum Google-Konzern gehörenden Videoportal Youtube „Impfungen“ eingibt, dem wird automatisch auch die Wortfolge „impfungen angriff mit einer tödlichen waffe“ vorgeschlagen. Wie kann es sein, dass derartige Suchbegriffe vorgeschlagen werden? Nach Ansicht von Google ist dies nicht als Empfehlung zu werten: Die Autovervollständigung richte sich nach den meistgesuchten Begriffen. Dies stelle eine mögliche Vorhersage dar, wonach Nutzer suchen möchten – und keine Empfehlung seitens von Google. Doch gehört diese Wortkombination tatsächlich zu den meistgesuchten Begriffen? Eine Frage hierzu bleibt unbeantwortet. Ein Mitarbeiter der für Google tätigen Medienagentur verweist darauf, dass Nutzer unangemessene Inhalte melden könnten. Diese Anfragen würden anschließend von Google-Mitarbeitern händisch bearbeitet.

Werden die Maßnahmen zu Impf-Themen auch für deutschsprachige Inhalte umgesetzt? Dies habe bereits begonnen, sagt er auf Nachfrage.

Facebook will Fehlinformationen zum Thema Impfen „bekämpfen“

Vergangene Woche hat Facebook angekündigt, sich des Themas anzunehmen. „Wir reduzieren die Rangfolge von Gruppen und Facebook-Seiten, die Fehlinformationen über Impfungen verbreiten, im Newsfeed und in der Suche“, erklärt Facebook. „Diese Gruppen und Seiten werden nicht bei den Empfehlungen oder den Vorhersagen bei der Suchfunktion aufgenommen.“ Auch bei Instagram solle dies umgesetzt werden. Facebook werde außerdem Werbeanzeigen, die Fehlinformationen zu Impfungen enthalten, zurückweisen. Facebook habe bei der Möglichkeit, Werbeanzeigen auf bestimmte Zielgruppen zuzuschneiden, bereits Begriffe wie „vaccine controversies“ (auf Deutsch: „Impfkontroversen“) entfernt – auch könnten weiterhin gegen die Regeln verstoßenden Anzeigen entfernt werden.

Zusätzlich will Facebook gute Inhalte stärken: Hierbei will der Konzern auf bekannte Falschinformationen zu Impfthemen zurückgreifen, die von der Weltgesundheitsorganisation und der US-Seuchenschutzbehörde gesammelt wurden. „Wenn diese Impf-Fehlinformationen bei Facebook auftauchen, werden wir dagegen vorgehen“, erklärt Facebook. Wenn der Administrator einer Gruppe oder Seite derartige Inhalte posted, werde Facebook die komplette Gruppe oder Seite nicht mehr automatisch seinen Nutzern empfehlen und sie im Newsfeed nicht mehr so häufig anzeigen.

Außerdem plant Facebook, Nutzern bei Suchergebnissen und auf Seiten zu dem Thema Informationen von Experten anzuzeigen. „Wir sind der Sicherheit unserer Community sehr verpflichtet – und werden unsere Arbeit in dieser Sache weiter ausweiten“, erklärt Facebook.

Allerdings werden diese Schritte zunächst für Inhalte auf Englisch, Spanisch und Französisch umgesetzt. Bald würden sie aber auch auf andere Sprachen angewandt, heißt es auf Nachfrage von MedWatch.

Pinterest will auch deutschsprachige Inhalte angehen

Bereits im vergangenen Jahr hat die Plattform Pinterest hart durchgegriffen: Suchen nach englischsprachigen Begriffen, die im Zusammenhang mit Impfungen oder Krebsbehandlungen stehen, sind komplett geblockt. Nicht jedoch so bislang, wenn man nach „Impfungen“ sucht – beim deutschsprachigen Suchbegriff gibt es weiterhin viele völlig falsche und irreführende Beiträge. MedWatch hat Anfang der Woche bei der Pressestelle angefragt, wieso dies der Fall ist.

Pinterest erklärt, zunächst seien die Begriffe weltweit auf Englisch blockiert worden – die Firma arbeite aber kontinuierlich daran, Suchbegriffe auch in weiteren Sprachen zu überprüfen und bei Verstoß gegen die hauseigenen Richtlinien vorübergehend oder vorläufig zu sperren. Das passiere, wenn eine Suche zum großen Teil negativ belastete Ergebnisse liefert.

Pinterest handhabe dies für eine Vielzahl an Themen so, erklärt der Konzern – etwa bei irreführenden Behandlungsempfehlungen für Krebs, Impfungen, Essstörungen und anderen schädlichen Inhalten. Ziel sei es, die Nutzer zu inspirieren und ihnen relevante und nützliche Ideen zu zeigen, und keine schädlichen oder irreführenden Inhalte zu Gesundheits- oder Sicherheitsthemen.

Inzwischen wird auch der deutschsprachige Suchbegriff „impfen“ gesperrt: „Pins zu diesem Thema verstoßen häufig gegen unsere Community-Richtlinien. Daher können wir derzeit keine Suchergebnisse anzeigen“, heißt es bei Suchen nach diesem Wort.

Titelfoto: Screenshot


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