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Die neuste Entwicklung von Professor Adrian Meyer macht es möglich, das Präparat sei ein „Durchbruch“, hieß es auf einer Website, die für sein Schlankheitsmittel warb. Diese Versprechen seien „von unabhängigen, empirischen Tests sowie chemischen und klinischen Untersuchungen bewiesen“.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Stimmt. Nicht nur, dass es den erwähnten Professor Adrian Meyer nicht gibt. Auch zu den wichtigsten Inhaltsstoffen des angeblich schlankmachenden Wunders – die Garcinia Cambogia Frucht und die im Harfenstrauch vorkommenden chemische Verbindung Forskolin – gibt es wenig belastbare Studien. Schnell stößt man in Literaturdatenbanken jedoch über hiermit verbundene Lebererkrankungen, die teils eine Transplantation nötig machen.

Das Produkt ist daher als Fake anzusehen. Wer darauf hineinfällt und es bestellt, zahlt aber tatsächlich 69 Euro im Monat.

Vor gut einem Jahr berichteten wir zum ersten Mal über das angebliche Diätwunder aus dem Netz. Es gibt sogar Internetseiten, die hiervor warnen – doch offenbar nur, um für eigene Fake-Produkte zu werben. Wir haben recherchiert, ob eine Behörde oder Institution in Deutschland diese unlautere Werbung zeitnah aus dem Netz nehmen oder die Betreiber aufspüren und zur Verantwortung ziehen kann.

Verbraucherschützer schicken Unterlassung auf die Komoren

Unsere Nachfragen brachten uns vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zur Zentralstelle der Länder für Gesundheitsschutz bei Arzneimitteln und Medizinprodukten bis hin zur Bezirksregierung Düsseldorf – doch keiner sah sich als zuständig an, denn die dubiosen Geschäftemacher hinter den Schlankpillen sitzen im Ausland, versteckt hinter undurchsichtigen Adressen. Betrieben wurde etwa die Website, auf der das Garcinia Cambogia-Wunder von Professor Meyer beworben wurde, laut Domainauskunft durch eine Firma aus Polen. Als Adresse war allerdings eine Straße in Nicosia auf Zypern angegeben, die im Impressum angegebene Website wiederum führte zu einer polnischen Internettauschbörse. Auch der Shop hatte keine deutsche Adresse, dieser lief über den Anbieter bestpromocenter.com – und ist in den USA registriert.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBZ) hat versucht, etwas gegen das unlautere Angebot zu tun und schickte am 13. April 2018 eine erste Unterlassungsaufforderung an den hinter dem vermeintlichen Schlankheitsmittel stehenden Shop: Sein Sitz lag angeblich auf einer der vielen Inseln der Komoren im Indischen Ozean.

Per Einschreiben erklärt der VZBZ dem Unternehmen, dass es gegen mehrere Artikel der Health-Claims-Verordnung verstoßen habe, wonach gesundheitsbezogene Aussagen über Dauer und Ausmaß einer Gewichtsabnahme nicht zulässig sind. Gleiches gilt für die in der Werbung gemachte Aussage, ein Krankheitsrisiko könne reduziert werden. Zudem beziehe sich die Firma mit ihrer Werbung nicht auf allgemein anerkannte wissenschaftliche Nachweise. „Die Werbung stellt auch eine Irreführung dar, indem der falsche Eindruck erweckt wird, durch die Einnahme des Präparats könnte man in jedem Fall Gewicht abnehmen“, argumentiert die Verbraucherzentrale.

Sie fordert die Firma wird auf, die Unterlassung zu unterschreiben und die irreführende Werbung unverzüglich einzustellen. Hierdurch soll sich der Shop-Betreiber auch zu einer Geldbuße für den Fall verpflichten, dass er weiter mit den falschen Aussagen Werbung macht. Wenn der Shop-Betreiber die Unterlassungserklärung unterzeichnet hätte, hätte er sich verpflichtet, mit den genannten Aussagen nicht mehr zu werben. Falls er hiergegen verstoßen würde, müsste er eine Vertragsstrafe in Höhe von 12.000 Euro zahlen.

Unlauterer Handel mit Diät-Pillen: Mahnung ins Nirgendwo

Doch es kam keine Antwort aus dem Indischen Ozean. Die Post konnte später auch nicht mehr klären, wo das Einschreiben verblieben war und ob es überhaupt zugestellt wurde. Also schickten die Verbraucherschützer – sicher ist sicher – die Abmahnung erneut, wieder per Einschreiben. Auch dieses Mal womöglich wieder keine Zustellung. Ende 2018 hat sich die VZBV daher entschieden, den Fall einzustellen, da auch eine Klage keine Aussicht auf Erfolg hätte.

Wieder einmal zeigt sich, dass sich mit den derzeit geltenden Regelungen der unlautere Handel mit Gesundheitspräparaten wie auch mit Arzneimitteln im Netz kaum eindämmen lässt. Das Bundeskriminalamt rät Verbrauchern schon lange, Arzneimittel nur vor Ort zu kaufen – oder bei zertifizierten Online-Apotheken. Deren Seite erkennt man an einem EU-weit geltenden Sicherheitslogo. Und ob dieses echt ist, lässt sich durch einfaches Anklicken überprüfen. Mehr Informationen bieten die Webseiten des Bundeskriminalamts und des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information.

Auf der im März durch die Verbraucherzentrale geprüften Webseite ist die abgemahnte Werbung inzwischen nicht mehr abrufbar, dort findet sich nur noch Werbung in polnischer Sprache. Die deutsche Version ist in ähnlicher Form einfach weitergezogen, auf eine andere Seite mit neuem Namen.

Foto: Vssun / CC-BY-SA-3.0, Wikipedia


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