„Hämo-Pyrrollaktam-Urie“ Was steckt hinter der angeblichen Krankheit „HPU“?

(Screenshot: MedWatch)

Vor etwa zwanzig Jahren tauchte in Deutschland ein Krankheitsbild auf: Die angebliche Stoffwechselkrankheit „Hämo-Pyrrollaktam-Urie“, kurz HPU. Doch für seine Existenz gibt es keine wissenschaftlichen Beweise. Betroffene zahlen dennoch viel Geld für vermeintlich notwendige Therapien und Nahrungsergänzungsmittel.

Fühlen Sie sich oft abgeschlagen, müde und antriebslos? Sind Sie häufig erkältet oder leiden unter Menstruationsbeschwerden? Dann sind Sie womöglich von HPU betroffen – zumindest, wenn man dubiosen Quellen im Netz Glauben schenkt.

HPU ist eine Abkürzung für Hämo-Pyrrollaktam-Urie. Das Syndrom ist auch unter weiteren Namen bekannt, zum Beispiel Hämopyrrolurie, Pyrrolurie oder Kryptopyrrolurie – die sich aber teils leicht unterscheiden sollen. HPU wird den Stoffwechselerkrankungen zugeordnet, genauer den Porphyrien: Das sind seltene, meist angeborene Störungen, welche die Bildung des Häms betreffen. Häm b, ein chemischer Komplex – gelegentlich als roter Blutfarbstoff bezeichnet – ist zentraler Bestandteil des Hämoglobins und damit der roten Blutkörperchen. Diese versorgen den Körper über das Blut mit lebenswichtigem Sauerstoff.

Gestörte Häm-Synthese?

Bei der HPU sollen nun Enzyme betroffen sein, die bei der Herstellung von Häm eine Rolle spielen. Dies und mehr erfährt man zum Beispiel auf einer Informationsseite in Deutschland, die professionell gemacht ist und etwa durch Verwendung von Fachvokabular wissenschaftliche Seriosität verbreitet. Demnach sollen die defekten Enzyme dafür sorgen, dass der Körper „teilweise nicht korrekt gefaltetes Häm“ herstellt, welches dann kein oder nur weniger Sauerstoff mehr transportieren kann.

Betroffene von HPU sollen unter massivem Mangel an Vitamin B6 und Zink leiden. Das Spurenelement Zink ist als Bestandteil zahlreicher Enzyme unter anderem wichtig für den Stoffwechsel und das Immunsystem. Vitamin B6 ist eine Sammelbezeichnung für drei ähnliche Moleküle, die eine wichtige Rolle beispielsweise bei der Häm-Synthese spielen.

Beschreibung meist durch Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker

Die Basis für den Mythos der HPU legte der kanadische Toxikologe Donald G. Irvine. Er veröffentlichte 1961 ein Papier, wonach von ihm untersuchte Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenie Substanzen über den Urin ausscheiden sollen, die sich mit einer chemischen Reaktion lila anfärben ließen. Irvine nannte die Substanzen deshalb Mauve-Faktoren (mauve = malvefarben, lila) und dieses neue Syndrom Malvaria. Irvine und Kollegen erklärten in ihren Publikationen, dass sie diesen Mauve-Faktor bei 30 bis 60 Prozent der Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen gefunden hätten.

Das Labor um Irvine war es auch, das hinter den Mauve-Faktoren zunächst Kryptopyrrol beziehungsweise später Hämopyrrol nachzuweisen glaubte. Beide Verbindungen – so die Vermutung der Toxikologen – würden aus einem gestörten Auf- oder Abbau des Häms stammen und für die Krankheitssymptome der Patienten zuständig sein.

Etwa zehn Jahre später veröffentlichte der Mediziner und Biochemiker Carl C. Pfeiffer seine Hypothese, dass Kryptopyrrol – erneut in Verbindung mit Schizophrenie – mit aktivem Vitamin B6 und Zink angeblich einen Komplex formt, welcher später als Hämopyrrollactam (HPL) beschrieben wurde. Allerdings ist dies  nur eine Theorie, die bis heute nicht nachgewiesen werden konnte. Das niederländische Labor KEAC (Klinisch Ecologisch Allergie Centrum) erforscht nach eigenen Angaben seit 1993 das angebliche Syndrom HPU, das mit HPL in Verbindung stehen soll, und hat es im Jahr 2000 entsprechend benannt.

HPU: Kaum einheitliche Aussagen

Generell ist die Informationslage zu HPU wissenschaftlich gesehen fragwürdig. Im Internet finden sich Beschreibungen des Syndroms vornehmlich auf Seiten von Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern, die auch gleich entsprechende Therapien anbieten. Die Symptome sind – je nach Quelle – mannigfaltig: Müdigkeit, verringerte Stresstoleranz, Infektanfälligkeit, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, verminderte Fruchtbarkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht nach Schwangerschaft oder Schilddrüsenprobleme. Und sogar Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Panikattacken und Depression werden aufgeführt. Faktoren wie Stress und schädliche Umwelteinflüsse sollen die Symptome wahlweise noch verschlimmern oder sind selbst Ursache.

In Fragebögen im Internet kann jeder selbst testen, ob er möglicherweise an HPU leidet. Die Symptome sind allerdings so allgemein gehalten, dass sie auf fast jeden Menschen zutreffen. Einige Fragebögen fragen sogar vermeintliche Charaktereigenschaften wie „Auge fürs Detail“ oder die Fähigkeit, „Farben mühelos aufeinander abzustimmen“, ab. Es ist nach so einem Test also eher unwahrscheinlich, nicht von HPU betroffen zu sein. So überrascht es nicht, dass angeblich zehn Prozent der Menschen weltweit an HPU erkrankt sein sollen, Frauen fast zehnmal häufiger als Männer.

Neben Fragebögen gib es zudem die Möglichkeit, sich auf verschiedene mutmaßlich mit HPU in Verbindung stehende Stoffwechselprodukte hin untersuchen zu lassen. Hämopyrrol etwa lässt sich angeblich mit einfachen Urin-Tests nachweisen, die wahlweise in einer Praxis absolviert oder im Internet bestellt werden können. Je nach Leistungsspektrum kosten dieses Tests ab etwa 50 Euro. Ein umfangreiches „HPU-Screening mit umfassender Allergieforschung“ schlägt mit immerhin gut 330 Euro zu Buche.

Deutsche Krankenkassen übernehmen weder Kosten für die Tests noch für eine angebliche HPU-Therapie. Wie nun letztere aussieht, hängt nach MedWatch-Recherchen vom jeweiligen Heilpraktiker oder behandelnden Arzt ab. Basis ist in den meisten Fällen eine hochdosierte Gabe von Vitamin B6 und Zink, manchmal noch in Verbindung mit Magnesium und Mangan. Manche Testanbieter verkaufen auch gleich passende Nahrungsergänzungsmittel.

Inzwischen finden sich auch zahlreiche Bücher über HPU auf dem Markt. Auffällig ist, dass diese meist von Heilpraktikern und im Eigenverlag oder der „Alternativmedizin“ zugetanen Verlagen publiziert werden. Veröffentlichungen in angesehenen Verlagen gibt es nicht.

Behörden und Experten warnen vor zu viel Vitamin B6

In der Regel nehmen gesunde Menschen alle notwendigen Mikronährstoffe bereits durch eine abwechslungsreiche, vollwertige Ernährung auf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene 1,4 bis 1,6 Milligramm Vitamin B6 pro Tag. Bei einer Überdosierung drohen Nervenschäden, die sich etwa in Lähmungserscheinungen der Extremitäten äußern. Deshalb empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine maximale Menge von 3,5 Milligramm pro Tag für die Aufnahme über Nahrungsergänzungsmittel. Ähnliches gilt für Zink. Hier schlägt das BfR eine Höchstmenge von 6,5 Milligramm Zink pro Tag über Nahrungsergänzungsmittel vor, aber nur für Menschen mit geringer Zink-Zufuhr. Ansonsten sei keine zusätzliche Zufuhr nötig.

In einigen Facebook-Gruppen mit teils tausenden Mitgliedern tauschen sich HPU-Anhänger aus und empfehlen angeblich Betroffenen diverse frei erhältliche Nahrungsergänzungsmittel. Nach MedWatch-Recherche enthalten diese Präparate je nach Hersteller je 25 Milligramm Zink und Vitamin B6 oder sogar mehr. Damit liegen die täglichen Dosen teils deutlich über den empfohlenen Höchstmengen. Die Menschen geben also nicht nur eine Menge Geld für überdosierte Nahrungsergänzungsmittel aus: Sie gefährden auch ihre Gesundheit, wenn sie die Mittel dauerhaft und ohne kompetente medizinische Begleitung einnehmen.

Die Wissenschaft sagt: HPU ist eine Pseudokrankheit

Bereits im Jahr 2007 hat das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Einschätzung zu HPU veröffentlicht. Unter anderem ist dort nachzulesen: „Die in der früheren Literatur geäußerten Hypothesen über einen Zusammenhang zwischen Pyrrolen im Urin und verschiedenen Erkrankungen wurden nicht bestätigt. Außerdem sind Herkunft und chemische Identität der in Rede stehenden Stoffe nicht hinreichend geklärt. Neuere wissenschaftliche Literatur fehlt.“

So haben andere Autoren außer Irvine und Pfeiffer entweder überhaupt keine Pyrrole im Urin gefunden oder diese keinem Krankheitsbild zugeordnet. Unklar ist zudem, inwiefern welche Tests überhaupt Pyrrole nachweisen – und detektieren sie Kryptopyrrol, Hämopyrrol oder doch HPL?

Schon für die Labortests zum Nachweis von HPL gibt es keine wissenschaftliche Basis. Welchen Einfluss haben Ernährung oder Medikamente auf die Ausscheidung von Pyrrolen? In den Sechzigerjahren – also zu der Zeit, als Irvine die ersten Thesen zu HPU aufstellte – waren bereits zyklische Antidepressiva wie Imipramin auf dem Markt. Abbauprodukte solcher Arzneimittel könnten zu hohen Pyrrol-Werten im Urin führen.

Außerdem: Selbst wenn es den HPL-Komplex geben sollte, würde dessen Ausscheidung nicht zu einem Mangel an Vitamin B6 und Zink führen, da die Mengen viel zu gering wären, schreiben die Autoren der RKI-Stellungnahme. Außerdem äußerten sich Mangelerscheinungen von Vitamin B6 und Zink anders als dies bei einer möglichen HPU geschildert wird.

„HPU sollte als Pseudokrankheit eingestuft werden“

Damit sind die Daten von Irvine und Pfeiffer – auf die sich die mögliche Diagnose einer HPU stützen – nicht reproduzierbar, was bei einer angeblichen Verbreitung des Syndroms bei mehr als acht Millionen Menschen allein in Deutschland mehr als unwahrscheinlich scheint. Deshalb heißt es in der vom RKI veröffentlichten Einschätzung weiter: „Eine darauf aufbauende Diagnose oder gar Therapieform entbehrt beim heutigen Kenntnisstand der wissenschaftlichen Grundlage. Die Pyrrolurie ist ein Befund, der nach wissenschaftlichen Kriterien keiner Krankheit zugeordnet werden kann.“ Oder anders: Bei HPU handelt es sich um eine Pseudoerkrankung, die wissenschaftlich nicht anerkannt ist. So führt auch das ICD-System der Weltgesundheitsorganisation HPU nicht als Krankheit

Auf Anfrage bestätigt das RKI, dass es keine neuen Erkenntnisse in Sachen HPU gebe. Ebenso äußerten sich die zentrale Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland (GKV-Spitzenverband), das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) als das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen. Zumindest in Deutschland ist HPU also nicht als Erkrankung anerkannt. Ein Artikel in einer medizinischen Fachzeitschrift aus den Niederlanden, der „Nederlands Tijdschrift voor Geneeskunde“, kam bereits 2003 zu dem Schluss: „Nach Durchsicht aller verfügbaren Daten sind wir der Meinung, dass HPU als Pseudokrankheit eingestuft werden sollte.“

                  

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11 Kommentare zu „Was steckt hinter der angeblichen Krankheit „HPU“?

  1. Seit ich die von Ihnen kritisierten B Vitamine in Kombi mit anderen Nahrungsergänzungrn nehme und 2x im Jahr eine detaillierte Blutuntersuchung mache ( Allgemeinmedizinerin mit Spezialisierung), sind meine HPU- Symptome verschwunden und zwar gänzlich.
    Ab und zu noch eine Eisenspritze und das Leben geht für mich weiter.
    Ich kann verstehen, dass man alles nicht ausreichend Erforschte kritisch sieht, finde aber Ihr Urteil zu pauschal.
    Was für den einen gut ist, mag für den anderen schlecht sein, ok.
    Gegenargumentationen bezüglich „Pseudo“krankheiten lasse ich nicht gelten, wenn sie ggfs krankmachen. Einen etwas differenzierteren Bericht hätte ich begrüsst.

    1. Hallo Herr oder Frau Best,

      zunächst einmal: Es freut mich sehr, dass es Ihnen besser geht.
      Vitamine sind lebenswichtig, wie auch andere Mikronährstoffe. Das steht außer Frage und wird im Text auch nicht bezweifelt. Vielmehr sind Überdosierungen problematisch.
      Sie schreiben, dass Sie neben den B-Vitaminen auch noch andere Nahrungsergänzungsmittel sowie Eisen einnehmen. All das kann sicherlich zur Verbesserung möglicher Defizitsymptome beigetragen haben. Und das sind gute Nachrichten.

      Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute.

      Viele Grüße
      Sigrid März

  2. Wie erklären Sie sich, dass man die erwähnten Mängel im anerkannten Labortests (Nährstoffscreening im Vollblut sowie Urintest für B6 Mangel) nachweisen kann.
    Wie erklären Sie sich, dass die Beschwerden, die man zuvor gehabt hat, durch die Gabe genau dieser Nahrungsmittelergänzungen besser werden bzw verschwinden?
    Wie erklären Sie sich, dass es immer mehr Ärzte (z.B
    Internisten, Allgemeinmediziner und Psychiater gibt, die HPU/KPU anerkennen und dieses mit Erfolg behandeln? Diese Ärzte wandern nach einiger Zeit leider in die Privatmedizin ab, da die gesetzlichen Kassen immer noch auf Symptombehandlung anstatt auf präventive Medizin setzen.
    Haben Sie mal recherchiert, welche Beschwerden es durch B12 oder Vit.D Mangel gibt? Das wird seltsamerweise behandelt und auch bezahlt. Wieso wird dann nicht auf andere Mängel geschaut? Wieso werden Patienten nicht befragt, ob und wie es Ihnen vorher oder nachher geht? Und unerklärbare Symptome werden einfach als psychosomatische Erkrankung abgetan. Auch bei Nebennierenhormonen sowie Schilddrüsenhormonen wird auf völlig veraltete Diagnostik- und Behandlungsmethoden zurückgegriffen. Referenzwerte werden bei Laboren nicht dem neuesten Wissen angepasst.
    Sie sollten lieber eine Recherchereihe über die veraltete Schulmedizin starten. Die ist nämlich irgendwann mal als das Nonplusultra festgesetzt worden und steht unabrückbar in Stein gemeißelt.
    Wann nimmt man die Patienten endlich als mündige Menschen wahr?

    1. Hallo Frau Mrozowski,
      gern gehe ich auf einige Ihrer Fragen ein:

      “Wie erklären Sie sich, dass man die erwähnten Mängel im anerkannten Labortests (Nährstoffscreening im Vollblut sowie Urintest für B6 Mangel) nachweisen kann.”
      Von den von mir kontaktieren Laboren gab eines auf Nachfrage zu, dass sie nicht exakt wissen, welcher Stoff im Rahmen des HPU-Tests detektiert wird.

      “Wie erklären Sie sich, dass die Beschwerden, die man zuvor gehabt hat, durch die Gabe genau dieser Nahrungsmittelergänzungen besser werden bzw verschwinden?”
      Das kann ich nicht erklären, da ich nicht Ihre gesamte Krankheitsgeschichte kenne.

      “Wie erklären Sie sich, dass es immer mehr Ärzte […] gibt, die HPU/KPU anerkennen und dieses mit Erfolg behandeln? ”
      Dies habe ich so nicht verifizieren können.

      Woher die anderen Informationen stammen, kann ich nicht nachvollziehen und kann Ihnen diese Fragen leider auch nicht beantworten.

      Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute.

      Viele Grüße
      Sigrid März

    2. Sehr geehrte Frau Mrozowski, danke für Ihre Mail. Dass wir so berichten, liegt an dieser Tatsache: Es gibt keine methodisch aussagekräftige Studie, die die Wirksamkeit von NEM bei HPU beweist. Ohne einen solchen wissenschaftlichen Nachweis ist alles Andere nicht mehr als Hypothese. Experten widersprechen der Idee von HPU. Und: Dass Vitamin-D-und B12-Mangelbehandlung als Kassenleistung gelistet sind, liegt eben genau daran: dass die Wirksamkeit dieser Supplementation nachgewiesen ist. Herzlicher Gruß, Nicola Kuhrt für das Team MedWatch.

  3. Vielen Dank für den Artikel, es kann nicht deutlich genug geschrieben werden, dass HPU eine reine Kundenabzocke ist.

    Unter Stuart L Jones et al (doi 10.1177/0004563218824622, “Laboratory tests commonly used in complementary and alternative medicine: a review of the evidence”) wird aber darauf hingewiesen, dass der Psychiater Abram Hoffer u. a. bei Patienten mit Schizrophrenie diese ominösen Kryptopyrrole gefunden habe.

    Welches Paper verweist auf Irvine?

    Vielen Dank im Voraus!

    1. Hallo Herr Senegal,

      zu Ihrer Frage: Beide, Irvine und Hoffer, haben das im gleichen Jahr publiziert. In den meisten Publikationen, so auch der vom RKI, wird auf Irvine verwiesen.
      Viele Grüße, Nicola Kuhrt

  4. Für mich ist HPU ganz eindeutig eine Krankheit. Traurig ist, dass die Betroffenen derart alleingelassen werden, weil die Schulmedizin und die Krankenkassen dieses Thema ignorieren. Aber die „normalen“ Ärzte haben es natürlich leichter, wenn sie einmal etwas nicht bis ins letzte Detail erklären können. Dann ist man halt einfach je nach Symptom psychisch krank oder man schiebt alles auf evtl. Übergewicht, kurze Herzaussetzer etc. Ich selber war jahrzehntelang extrem müde (man muss wirklich ständig schlafen, das ist ganz weit weg von normaler Müdigkeit), Gelenkschmerzen, heftige Allergieprobleme, gynäkologisch aus dem Takt, wegen HPU Histaminunverträglichkeit (die es ja angeblich auch nicht gibt, aber es macht echt keinen Spaß, in einem Restaurant zu sitzen und es wird einem plötzlich extrem schwindlig und flau und man weiß nicht, warum), zudem natürlich Schilddrüsenprobleme etc. Das Hauptproblem ist, dass man damit nicht voll am Leben teilnehmen kann, man hat keine Energie für soziale Kontakte, ist nicht belastbar, hält einen ganzen Arbeitstag nicht durch. Schlimm genug, dass einem dann das Geld ausgeht, beim Arzt wird man belächelt und die letzten Euros kann man für eigene Tests und Ergänzungen ausgeben, weil die Krankenkassen nicht mal einen Zuschuss zahlen (aber ich will nicht jammern, ich bin froh, dass man heutzutage die Möglichkeit hat, sich selbst zu helfen). Ich kann verstehen – wenn man es nicht aus eigener Erfahrung kennt, wie sich HPU anfühlt –, dass man es bezweifelt. Aber bitte, bitte, bitte, ihr „normalen“ Körperwesen, gebt uns anderen auch die Chance, dieses Leben zu leben. Gerade zu Corona-Zeiten finde ich es erschreckend, dass so viele Menschen da draußen mit einem geschwächtem Immunsystem herumlaufen müssen. Und ich kann schon ein bisschen beweisen, dass HPU existiert: Bei uns liegt diese Krankheit in der Familie und meine Mutter glaubt trotz Test auch nicht wirklich daran, dass es das gibt (laut Arzt hat sie eine „besondere Migräne“, geholfen hat ihr diese „Diagnose“ nicht). Aber ihr geht es mit den Ergänzungen besser und wenn sie ihre B6- und Zinkkapseln mal wieder weglässt, liegt sie nach einiger Zeit wieder flach und ich erinnere sie daran, die Kapseln wieder einzunehmen. Ich bin keinesfalls für die pauschale Einnahme auf Verdacht, also man sollte sich schon testen lassen und den eigenen Körper gut beobachten. Vielleicht müsste man aber auch mal darüber nachdenken, wer darüber bestimmt, was eine Krankheit ist und was nicht: Das sind diejenigen, die garantiert keine HPU haben, die in der glücklichen Lage waren, ihr Leben mit einem funktionierendem Körper und Geist zu starten und Karriere zu machen, was ihnen auch vergönnt sei. Wenn sie aber nun schon über uns alle bestimmen, wäre es schön, wenn sie auch ein bisschen über den eigenen Tellerrand schauen würden.

    1. Als ebenfalls HPU-Betroffene danke ich Ihnen sehr für die ausführliche Beschreibung. Bei mir hat, wie ich inzwischen weiß, die labortechnisch diagnostizierte HPU zusätzlich zu schwerer Psoriasis geführt. Die Schulmedizin hat mir Biologicals und Immunsuppressiva angeboten, letzteres sogar noch zu Coronazeiten (!), und Zytostatika in Aussicht gestellt. Seit ich auf HPU behandelt werde, wird die Psoriasis besser, wachsen mir wieder mehr Haare und habe ich wieder mehr Energie und damit die Aussicht, nicht mehr alle Kraft auf der Arbeit lassen zu müssen, sondern demnächst wieder meinen Haushalt zu schaffen und Zeit/Energie für soziale Kontakte zu haben. Zwölf Jahre lang habe ich auf eigene Kosten nach den Ursachen gesucht – bei Ärzt(inn)en und bei Heilpraktiker(inne)n -, und ich stimme Ihnen zu, dass nur Nicht-Betroffene sich derart diffamierend über HPU und diejenigen, die diese Störung/Krankheit behandeln, äußern können. Es grenzt schon an Zynismus. Aber was will man erwarten … Die Schulmedizin hat ja auch lange Zeit die Wirksamkeit von Akupunktur geleugnet. Wenn die nicht wissen, wie etwas funktioniert, wird geleugnt, dass es das überhaupt gibt. Wenn die Menschen im Mittelalter so getickt hätten, hätte man die Existenz von Blitz und Donner geleugnet, denn man wusste ja nicht, wie beides entsteht. Die Schulmedizin ist einfach noch nicht so weit, man will ja offenkundig auch nicht ausführlicher untersuchen, und was man nicht untersucht und daher nicht gefunden hat, darf es ja nicht geben. Deshalb werden noch viele Menschen auf ein echtes LEBEN verzichten müssen, obwohl ihnen leicht geholfen werden könnte, bis die Arroganz der Schulmedizin kleiner wird als echter wissenschaftlicher Forschungsgeist und die Intention, Menschen zu helfen.

  5. Ich recherchiere gerade zum Thema HPU, da mir in dieser Woche meine Heilpraktikerin
    dazu geraten hat, einen entsprechenden Test zu machen. Ich habe multiple Nahrungsmittelunverträglichkeiten mit Durchfällen und dadurch unangenehmen Gewichtsverlust. Vor einigen Jahren haben mich Auslassdiäten nur stark ins Untergewicht gebracht.
    Geholfen haben sie nicht! Nun ist mal wieder guter Rat teuer. Wenn ich mir die breitgefächerte Symptomatik anschaue, die für HPU ursächlich sein soll, stimmt mich das eher kritisch. Sicher, ich habe über die Jahre durchaus fähige und helfende Heilpraktiker konsultiert.
    Und die Schulmedizien hat nicht immer Lösungen auf Lager und bemüht schnell die Psychoecke. Das hat mich schonmal fast das Leben gekostet….Aber man sollte kritisch bleiben
    und hinterfragen. Meines Erachtens lebt die Nahrungsergänzungindustrie hervorragend von der Not der Patienten. Ich werte die Veröffentlichung von medwatsch also durchaus als
    interessant für mich und sicherlich mit stichhaltigen Fakten. Um so mehr würde mich freuen, wenn diese Seite noch von Betroffenden “gefüttert” würde, die mich vom Gegenteil
    des eventuellen Humbugs überzeugen!

    1. Sehr geehrte Frau Urbaniak, es ist immer wichtig zu fragen, wem ein Postulat nützt, denn das kann Rückschlüsse auf dessen Wahrheitsgehalt ermöglichen. Vielleicht überlegen Sie mal, wer im Ergebnis mehr verdient – die Nahrungsergänzungsindustrie an der Behandlung von HPU und damit dem Vorbeugen von teils dramatischen Folgeerkrankungen oder die Teile des pharmazeutischen und des medizinischen Apparats, die sich mit der Behandlung der Folgeerkrankungen beschäftigen … Ich habe (unjüngst labortechnisch nachgewiesen) HPU, und ich hatte bis vor kurzem viele Jahre lang kein richtiges Leben mehr. Ich ließ alle Energie auf der Arbeit und kam mit allem anderen nicht mehr zurecht. Abgesehen von diversen gesundheitlichen Problemen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten, ging es so weit, dass ich soziale Kontakte begrenzte, sogar Telefonate abwimmelte, weil es mir an Energie fehlte und auch an Zeit, da ich die wenige Zeit, in der ich Energie hatte, auf dringendere Dinge verwenden musste. Von einem erfüllten (Privat-)Leben war ich weit entfernt, und ich hatte die Hoffnung und den Lebensmut fast aufgegeben. Dann fand ich nach 12 zunehmend schwierigen Jahren die Ursache. Und seit ich auf HPU behandelt werde, und das geschieht erst seit rd. 8 Wochen, geht es mir viel besser. Ich schleppe mich nicht mehr nur durch den Tag in dem vergeblichen Bemühen, Arbeit UND Haushalt zu schaffen, sondern ich konnte Rückstände im Haushalt aufarbeiten und kann wieder Pläne machen; vielleicht werde ich sogar bald wieder Hobbys nachgehen können. Ich fühlte mich wie 80 Jahre alt und schwer krank, so mühsam war zuletzt alles, und es wurde immer noch schlimmer. Die Behandlung gegen HPU hat mich aus der Abwärtsspirale geholt, meine Psoriasis gebessert und mir Mut und Hoffnung auf ein normales und erfülltes Leben gegeben. Es liegt noch ein weiter Weg vor mir. Aber ich spüre Aufwind und kann mich wieder auf die Zunkunft freuen. Wer auf dieser Seite so dermaßen abwertend über HPU und alles, was damit zusammenhängt, schreibt, kennt die Situation nicht wirklich. Skepsis ist sicher angezeigt wie überall, wo Geld verdient wird, aber diese “wissenschaftliche” Haltung, welche die Existenz all dessen leugnet, was Wissenschaft nicht bis ins letzte Detail versteht, empfinde ich als ignorant. Man kann skeptisch sein und das Für und Wider eines Themas erörtern, ohne gleich eine Tendenz mitzuliefern. Objektivität und Offenheit wäre aus meiner Sicht eher ein Zeichen wissenschaftlichen Arbeitens. Was nun die Symptome von HPU angeht, so stimmt es sicherlich, dass sie zumindest teilweise auch durch andere Ursachen entstehen können als durch das, was als HPU/KPU bezeichnet wird. Darum ist ein sachgerecht durchgeführter Test wichtig und die Begleitung durch erfahrenes medizinisches Personal. Es gibt auch interessante Bücher von Ärtzen darüber, in denen die chemischen Abläufe im Körper und damit die Reaktionsketten bei HPU genau beschrieben werden. Gute Infos gibt es auch im Netz. Sie können mich gerne kontaktieren. Bei Bedarf übersende ich Ihnen meine E-Mail-Anschrift und einige Links. Viel Erfolg bei Ihrer Recherche und gute Besserung!

Wir freuen uns über kritische Kommentare, Feedback und Vorschläge. Wir bitten darum, Kommentare sachlich zu halten und auf Beleidigungen zu verzichten – und behalten uns vor, Kommentare ansonsten nicht zu veröffentlichen. Bitte belegen Sie Ihre Aussagen nach Möglichkeit auch mit Links oder anderen Verweisen. Wir prüfen alle Kommentare vorab und schalten sie frei - insbesondere am Abend oder am Wochenende geschieht dies teils zeitverzögert. Besten Dank und schöne Grüße vom MedWatch-Team!

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