Fragen und Antworten zu Covid-19 Ist eine Übertragung von SARS-CoV2 über Lebensmittel oder Geldmünzen möglich?

Foto von Brötchen

Sie fragen, wir antworten: Zusammen mit der Berliner Zeitung und der Westdeutschen Zeitung beantworten wir die drängendsten offenen Punkte zu Covid-19. Ein Leser wollte wissen: Kann das Corona-Virus auch über offene Lebensmittel wie Backwaren und Salate oder Geldmünzen übertragen werden?

Nach wie vor ist unklar, auf welchen Wegen das Corona-Virus wie häufig von Mensch zu Mensch übertragen wird. Bekannt ist inzwischen, dass das Virus über Flüssigkeitströpfchen und Aerosole verteilt werden kann. Aerosole sind Flüssigkeitspartikel, die in der Regel kleiner als fünf Mikrometer sind. Eine Verbreitung ist dann zum Beispiel möglich, wenn ein infektiöser Mensch – also jemand, der Viren ausscheidet – hustet oder niest. Größere Tröpfchen fallen schnell zu Boden, Aerosole hingegen bleiben wegen ihrer geringen Partikelgröße einige Stunden in der Luft. Viren können sich sowohl in Tröpfchen als auch Aerosole befinden. Atmet ein Mensch diese ein, kann er sich mit Sars-CoV-2 infizieren.

Schmierinfektionen sind unwahrscheinlich

Als weiterer Übertragungsweg können Infektionen über kontaminierte Oberflächen nicht ausgeschlossen werden. Das Virus bleibt – abhängig von Temperatur, Lichteinstrahlung und Feuchtigkeit – für Stunden bis Tage ansteckend. Niest etwa ein infektiöser Mensch auf eine Türklinke, sammeln sich dort Virus-haltige Tröpfchen. Der Nächste, der die Klinke berührt, hat die Viren an der Hand. Das ist nicht weiter schlimm, denn beim Händewaschen mit Seife werden Corona-Viren weggespült und zerstört. Problematisch ist nur, wenn die Person sich nach dem Griff zur Klinke direkt an Nase, Augen oder Mund fasst. Denn über solche Schmierinfektionen können Viren ihren Weg in den menschlichen Körper finden, wenngleich die Wahrscheinlichkeit deutlich kleiner ist als beim Einatmen von Viren.

Sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch das Robert-Koch-Institut (RKI) halten die Gefahr für sehr gering, dass das Corona-Virus über kontaminierte Lebens- oder Zahlungsmittel verbreitet wird. „Nach jetzigem Wissensstand sind bislang keine Übertragungen durch den Verzehr kontaminierter Nahrungsmittel nachgewiesen“, schreibt das RKI auf seinen Informationsseiten zum Corona-Virus. Ähnlich sieht es das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): „Auch für eine Übertragung des Virus durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen oder über kontaminierte Oberflächen, wodurch nachfolgend Infektionen beim Menschen aufgetreten wären, gibt es derzeit keine belastbaren Belege.“

Nicht lange ansteckend: Sars-CoV-2 auf trockenen Oberflächen

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité erläuterte in einem NDR-Podcast bereits Anfang März einen möglichen Grund, warum diese Übertragungswege sehr unwahrscheinlich sind: „Behüllte Viren, dazu gehören Corona-Viren und auch das Influenza-Virus, sind gegen Eintrocknung sehr empfindlich.“ Sars-CoV-2 bleibt also auf trockenen Oberflächen wie Geldscheinen oder Münzen nicht lange ansteckend. Drostens Einschätzung lautet deshalb: „Das auf dem Geldstück klebende Virus würde ich weitgehend vergessen.“

Aber was ist mit dem Stück Torte oder dem belegten Brötchen in der Auslage einer Bäckerei, wenn zum Beispiel das Personal keinen adäquaten Mund-Nasen-Schutz trägt? „Ich halte den Übertragungsweg über die Aufnahme kontaminierter Speisen im Fall von SARS-CoV-2 für eher unwahrscheinlich“, schreibt Professor Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung auf Anfrage von MedWatch. „Man kann ihn nicht ausschließen, aber ich denke nicht, dass er – wenn man die Gesamtheit des Infektionsgeschehens betrachtet – von großer Relevanz ist.“ Ein wichtiger Punkt sei, dass potenziell kontaminiertes Essen – im Gegensatz zu Tröpfchen und Aerosolen – im unteren Rachenraum direkt in der Speiseröhre gelange und das Virus im Magen zerstört würde.

Fazit: Unmöglich ist eine solche Übertragung nicht, aber extrem unwahrscheinlich.

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