Fragen und Antworten zu Covid-19 Welche Auswirkungen haben Mutationen von Sars-CoV-2?

Foto: Felipeesquivel20 / Wikimedia, CC BY-SA 4.0

Sie fragen, wir antworten: Zusammen mit der Berliner Zeitung und der Westdeutschen Zeitung beantworten wir die drängendsten offenen Punkte zu Covid-19. Mehrere Leser wollten wissen: Was hat es zu bedeuten, dass Sars-CoV-2 mutiert und verschiedene Varianten gefunden wurden?

Das – inzwischen nicht mehr ganz neue – Coronavirus Sars-CoV-2 mutiert, wie es jedes Virus tut. Durch zufällige Veränderungen am Erbgut lassen sich verschiedene Stränge unterscheiden: Das Erbgut von rund 100.000 Corona-Proben steht Forschern inzwischen zur Verfügung. Teils gibt es Furcht, dass das Virus gefährlicher werden könnte – oder Hoffnung, dass es weniger ansteckend oder auch sonst weniger schädlich werden könnte. Und können Impfstoffe überhaupt helfen, wenn das Virus ohnehin mutiert?

„Ich gehe nicht davon aus, dass wir uns über Mutationen die größte Sorge machen müssen“, sagte Richard Neher von der Universität Basel bereits Anfang März – er erforscht die Evolution von Viren und Bakterien. Ein wichtiger Grund hierfür: Veränderungen im Erbgut treten bei anderen Viren wie etwa Influenzaviren viel häufiger auf, bei Coronaviren verhindern Reparaturmechanismen allzu häufige Mutationen. Bei SARS-CoV-2 ist dies im Schnitt ungefähr alle zwei Wochen der Fall, wobei die Zeitpunkte vom Zufall bestimmt werden.

Keine Hinweise für schwerere Erkrankung

So sei das Virus trotz seiner gewissen Diversität „unglaublich in sich ähnlich“, erklärte Charité-Virologe Christian Drosten vergangene Woche in einem NDR-Podcast. Mit den vielen Viruslinien etwa bei der Influenza sei es „überhaupt nicht zu vergleichen“. Bislang gebe es ganz geringe Hinweise darauf, ob verschiedene Versionen des Virus besonders gefährlich oder leicht übertragbar sind. Für eine Mutante, D614G genannt, gibt es gewisse Hinweise aus Experimenten mit anderen Viren – aber noch keinerlei Belege, dass dies Auswirkungen hat. Vielleicht sei die Übertragbarkeit geringfügig höher. Dass die D614G-Mutation in Europa und den USA recht weit verbreitet ist, muss kein Beleg dafür sein, dass sie besonders infektiös ist – wahrscheinlich ist es einfach Zufall, dass sich diese Variante ausgebreitet hat. „Es gibt keine Hinweise, dass die krankmachende Eigenschaft sich dadurch verändert hat“, sagt Drosten.

Anders als bei Grippeviren besteht daher auch kein Grund zu echter Sorge, dass in absehbarer Zeit Impfstoffe gegen manche Varianten von SARS-CoV-2 deutlich schlechter helfen könnten als gegen andere. Er glaube nicht, dass Mutationen auf einer kurzen Zeitskala einen Impfstoff ineffektiv machen werden, sagte Neher. „Es kommt auch ein bisschen auf den Impfstoff an, aber die typische Immunantwort ist divers.“

Für einen Zweck sind die Mutationen jedoch in jedem Falle hilfreich: Sie helfen, verschiedene Virenstämme zu identifizieren und so auch die Ausbreitung der Pandemie besser verstehen zu können. Zwar ist es im Normalfall nicht möglich, anhand der Virus-Genome individuell nachzuvollziehen, welche Person welche angesteckt hat – aber Wissenschaftler können die Unterschiede nutzen, um Ausbrüche insgesamt besser zu verstehen.

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