Jeder Journalist hat einen inneren Kompass, etwas, das ihn durch die unzähligen Recherchen lenkt, ihn immer neue Geschichten entdecken und aufschreiben lässt. Wir – Hinnerk Feldwisch und Nicola Kuhrt – stellten nach langer Zusammenarbeit fest, dass unser journalistischer Kompass in eine sehr ähnliche Richtung zeigt: Wir wollen Einzelfälle immer in einen größeren Zusammenhang setzen und systemische Probleme beim Schutz der Gesundheit von Patienten aufzeigen. Unserer Ansicht nach braucht der Medizinjournalismus mehr klare, langfristig recherchierte Geschichten – und nicht nur den einmaligen Skandal. Für Verbraucher, die beispielsweise in sozialen Medien immer mehr unseriösen, falschen und damit teils sogar gesundheitsschädlichen Informationen ausgesetzt sind. Kluge und in der Praxis effektive Gesetze fehlen oft, genauso wie eine zentrale Koordinierung der Arbeit von Gesundheitsbehörden. Außerdem fehlen Schwerpunktstaatsanwaltschaften, die verstehen, dass als Wundermittel beworbene Produkte verboten gehören.

Zu oft haben wir schon traurige Geschichten recherchiert. Schrecklich, wenn man erfährt, dass selbst Kinder mit gefährlichen Chemikalien wie Chlorbleich „behandelt“ wurden oder Schwerkranke in ihrer Verzweiflung ihr Hab und Gut für erwiesenen Humbug ausgeben. Wir wollen als Journalisten Verantwortung übernehmen und die Öffentlichkeit über Schindluder und Betrug im Gesundheitsbereich aufklären. Den Entschluss, hierzu ein neues Online-Portal zu gründen, fassten wir Mitte 2017, und plötzlich gab es kein Zurück mehr. Unterstützer fanden sich beinahe von selbst. Der Wunsch, seriösen Medizinjournalismus dem kranken Brausen im Netz entgegenzusetzen, ist tatsächlich an vielen Stellen groß.

Erste Unterstützung gab es durch das „Grow“-Stipendium für gemeinnützigen Journalismus, das der Verband „Netzwerk Recherche“ in Kooperation mit der Schöpflin-Stiftung vergibt. Anschließend galt es: Gemeinnützige Organisation gründen, Kontakte aufbauen, Netzwerke spannen. Mitte Dezember 2017 war dies alles geschafft.

Im neuen Jahr geht es nun endlich los: In diesem Blog wollen wir MedWatch in die Beta-Phase bringen, erste Texte veröffentlichen, Formate ausprobieren und Feedback sammeln. In den nächsten Wochen beginnen wir außerdem ein Crowdfunding, um das nötige Geld für das eigentliche Portal zu sammeln – unabhängig von Interessen großer Firmen oder Verbände.

Auf www.medwatch.de wollen wir in umfangreichen Recherchen aufdecken, welche Geschäftemacher mit dem Leben oder der Gesundheit ihrer Kunden spielen – oder wie dubiose Internetseiten Humbug-Therapien auf Facebook bewerben. Hierzu brauchen wir Eure Unterstützung, Kritik und Anregungen. Wir freuen uns drauf.

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